Gasplanet Die wilden Ringe des Saturns

Die Ringe des Saturns sind weit weniger friedlich, als sie wirken. Forscher haben faszinierende Fotos der "Cassini"-Raumsonde mit Saturn-Daten aus mehreren Jahrzehnten kombiniert - und ein unerreicht präzises Bild des Ringsystems des Gasplaneten gezeichnet.

NASA / JPL / CICLOPS

In den scheinbar zeitlosen Ringen des Saturns geht es wilder zu als angenommen. Das zeigen die Aufnahmen der amerikanisch-europäischen Raumsonde "Cassini", die seit knapp sechs Jahren um den majestätischen Ringplaneten kreist. Kollisionen von Eisbrocken sind an der Tagesordnung, kleine Monde spielen Tauziehen mit dem Ringmaterial, gelegentlich schießen kanonenkugelartige Objekte durch die äußeren Ringe und verschwinden so schnell wie sie aufgetaucht sind.

Die Eigenschaften der Ringe ändern sich über Jahre, Monate oder sogar Tage, wie ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Science" berichtet. "Dieses unruhige System gibt uns ein neues Gefühl dafür, wie es in einem jungen Sonnensystem zugegangen sein könnte", erläuterte Nasa-Planetenspezialistin Linda Spilker. So ähneln viele der beobachteten Prozesse im Ringsystem des Saturns denen in sogenannten protoplanetaren Scheiben, aus denen neue Planeten entstehen.

Die Saturnringe bestehen hauptsächlich aus Wassereis-Brocken. Aus "Cassinis" Nahaufnahmen im nahen Infrarotlicht schließen die Astronomen außerdem auf die Ursache einer mysteriösen Rotfärbung, die sich durch Teile des Ringsystems zieht. Vermutlich gehe sie auf Rost oder kleine organische Moleküle zurück - wie sie auch in rotem Gemüse auf der Erde vorkommen, schreiben die Forscher um Jeff Cuzzi vom Ames Research Center der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Die Wissenschaftler hatten die "Cassini"-Bilder der letzten sechs Jahre mit Beobachtungen von Teleskopen auf der Erde und Jahrzehnte alten Daten der "Voyager"-Mission kombiniert.

In einem weiteren Beitrag in "Science" stellen Tamas Gombosi von der University of Michigan in Ann Arbor und Andrew Ingersoll vom California Institute of Technology neue Erkenntnisse über die Atmosphäre und Magnetosphäre des Saturns vor. Demnach sieht die Magnetosphäre, die durch die Wechselwirkung zwischen Sonnenwinden und dem Magnetfeld des Gasplaneten entsteht, wie eine Mischung aus den Magnetosphären von Erde und Jupiter aus - und ist damit einzigartig im Sonnensystem.

mbe/dpa



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