Gasplanet Monstersturm wirbelt über den Saturn

Auf dem Saturn tobt derzeit ein ungeheurer Sturm. Das Monstrum setzt Blitze frei, die mehr als tausend Mal so stark sind wie gewöhnliche Blitze auf der Erde. Wissenschaftler sprechen vom stärksten Gewitter, das je ein Mensch beobachtet hat.


Seit die Raumsonde "Cassini" im Juli 2004 am Saturn angekommen ist, haben Forscher kein solches Unwetter auf dem Gasplaneten gesehen. "Die Blitze kommen sogar in noch kürzeren Abständen als es die 'Voyager'-Sonde 1980 beobachtet hat, und sie sind mindestens genauso stark, wenn nicht stärker", sagte Don Gurnett von der University of Iowa.

Der US-Forscher ist verantwortlich für das "Radio and Plasma Wave Science"-Instrument (RPWS) an Bord von "Cassini", das Radio- und Plasmawellen auf dem Weg zum Saturn und in seiner Umlaufbahn misst und vergleicht. Das Instrument erlaubt es auch, vom Saturn empfangene Radiowellen in Töne umzuwandeln - was gespenstische Klänge ergibt.

Da die amerikanisch-europäische Raumsonde zunächst nicht in der richtigen Position war, um den Sturm zu fotografieren, baten die Experten Amateur-Astronomen um Hilfe. Die bestätigten, dass auf dem südlichen Teil des Planeten ein Sturm tobt - und was für einer.

Auf Bildern, die "Cassini" später schoss, ist ein Sturmsystem zu erkennen, das entfernt an eine Spiralgalaxie erinnert. Von Norden nach Süden misst das Monstrum nach Angaben der Nasa rund 3500 Kilometer.

Das Foto ist entstanden, als sich der Sturm auf der Nachtseite des Saturns befand. Die Ringe des Planeten haben ihn in ein gespenstisches Licht getaucht. Das Phänomen wird von Forschern auch "Ringshine" genannt: Sonnenlicht, das auf der Tagseite des Saturns auf die Ringe fällt, wird auf die Nachtseite geleitet.

Seit seiner Entdeckung am 23. Januar hat der Sturm 25 aufeinander folgende Blitzschlag-Episoden gezeigt. Wie die Blitze entstehen, ist nicht bekannt. Die Forscher vermuten, dass die Ursache mit dem warmen Inneren des Planeten zu tun haben könnte.

mbe/AP



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