Milliarden Jahre alte Gaswolke Forscher entdecken Überreste des Urknalls

Eine Gaswolke zieht seit dem Anfang des Universums unverändert durchs Weltall. Wissenschaftler auf Hawaii fanden das Urknall-Relikt, indem sie gezielt nach einem speziellen Lichteffekt suchten.

Weltall-Simulation: Gaswolken (blau) verbinden Galaxien (orange), dazwischen liegen uralte Gaswolken
TNG Collaboration / DPA

Weltall-Simulation: Gaswolken (blau) verbinden Galaxien (orange), dazwischen liegen uralte Gaswolken


Astronomen haben in den Tiefen des Alls eine einsame Gaswolke entdeckt, die wohl seit dem Urknall unverändert geblieben ist. Der Fund eines solchen "Fossils" ermögliche Erkenntnisse darüber, wie sich die ersten Galaxien im Universum gebildet haben, erläuterte das Keck-Observatorium auf Hawaii, mit dessen Instrumenten die Entdeckung gelungen war.

Es ist den Forschern zufolge das dritte derartige Urknall-Relikt, das im Kosmos je gesichtet worden ist.

Direkt nach dem Urknall gab es im Weltall zunächst nur Wasserstoff und Helium. Alle anderen chemischen Elemente sind erst durch die Kernfusion in Sternen gebacken und bei deren Explosion ins All geschleudert worden.

"Wohin wir auch schauen, das Gas im Universum ist verunreinigt durch schwere Elemente, Abfallprodukte explodierender Sterne", erläutert Frédéric Robert von der Swinburne University im australischen Hawthorn in einer Mitteilung des Observatoriums. "Aber diese spezielle Wolke scheint unberührt, nicht verschmutzt durch Sterne."

Gezielte Fahndung

Die Gaswolke ist so weit entfernt, dass die Strahlung von ihr bis zu uns Milliarden Jahre unterwegs war. Die Astronomen sehen sie daher so, wie sie etwa 1,5 Milliarden Jahre nach dem Urknall war. Heute ist das Weltall 13,8 Milliarden Jahre alt.

Das Team um Frédéric Robert berichtet über die urtümliche Wolke in einer der kommenden Ausgaben des britischen Fachblatts "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" ("MNRAS").

Die Forscher hatten gezielt nach solchen unberührten Gaswolken gefahndet. Dazu untersuchten sie das Licht noch weiter entfernter, heller Galaxien, sogenannter Quasare. Ein solcher Quasar durchleuchtet diese ursprüngliche Gaswolke von hinten, was eine Analyse der chemischen Zusammensetzung erlaubt: Bestimmte Moleküle und Elemente schlucken gezielt das Licht bestimmter Wellenlängen.

Fächert man das Licht des Quasars in seine Regenbogenfarben auf, macht sich diese Absorption durch das Gas in Form dunkler Linien bemerkbar. In der jetzt untersuchten Gaswolke fanden die Astronomen jedoch keine solchen Absorptionslinien von Elementen, die schwerer sind als Helium.

"Echtes Relikt"

"Wenn sie überhaupt irgendwelche schweren Elemente besitzt, müssen es weniger sein als ein Zehntausendstel des Anteils in der Sonne", berichtet Robert. "Das ist extrem wenig. Die überzeugendste Erklärung ist, dass es sich um ein echtes Relikt des Urknalls handelt."

Bei den beiden ähnlich unberührten Gaswolken, die zuvor aufgespürt worden waren, handelte es sich um Zufallsfunde. "Wir hielten sie für die Spitze des Eisbergs. Aber niemand hat irgendetwas Ähnliches entdeckt - sie sind eindeutig sehr selten und schwer zu sehen", erläuterte Mitentdecker John O'Meara vom Keck-Observatorium, der auch Co-Autor der neuen Veröffentlichung ist.

Der neue Fund sei dagegen das Ergebnis einer gezielten Suche. Der Himmel lasse sich nun systematisch nach diesen Fossilien vom Urknall durchmustern, ergänzt Roberts Institutskollege und Co-Autor Michael Murphy. "Das wird uns verraten, wie selten sie sind, und uns helfen zu verstehen, wie manches Gas im frühen Universum Sterne und Galaxien gebildet hat und manches nicht."

Video: Big Bang Theory - Am Anfang war der Knall - oder?

Von Till Mundzeck, dpa/boj



insgesamt 14 Beiträge
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heidelbeere0815 02.01.2019
1. Wumm!
Wumm! Wasserstoff und Helium. Zack. Einfach so. Sehr schlüssige Theorie. Hat der Urknall überhaupt ein Geräusch gemacht?
BettyB. 02.01.2019
2. Irre
Strahlung, die über eine Milliarden Jahre alt ist, zeigt Forschern, dass sich in der Gaswolke nichts geändert hat. In einer Milliarde Jahren. Nichts. Woher wissen die, welche Strahlung man von der Erde aus der Gaswolke in 500 Millionen Jahren empfangen würde`Die gleiche? Na toll...
cindy2009 02.01.2019
3. @bezty b.
Es sind mehr als 1mrd Jahre. Ihre Forderung an die Zukunft der Detektion ist absurd.
sb411 02.01.2019
4. Mir fehlt da eine Information
Im Artikel wird die Entfernung der Gaswolke nicht beschrieben. Ist sie 12 Milliarden Lichtjahre entfernt, blieb sie seitdem nicht unverändert, wir sehen sie nur so, wie sie vor 12 Milliarden Jahren aussah.
bananaaa! 02.01.2019
5. Leseverständnis...
Steht doch ganz klar im Artikel, man sieht die Wolke so wie sie 1.5 Mrd Jahre nach dem Urknall aussah. Und da sie nur H und He (und sehr geringe Mengen an 6Li) enthält hat es in dieser Zeit dort keine Sterne gegeben. Anderswo ging das, aus welchen Gründen auch immer, schneller. Somit lässt soch die Vorhersage der Urknall-Theorie, dass im Wesentlichen nur H und He entstehen, verhältnismässig direkt überprüfen. Tolles Ergebnis, meinen Glückwunsch den Forschern!
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