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Geglückter Start: Dänische Baumarktrakete fliegt acht Kilometer in den Himmel

Der Hitzeschild ist aus Kork, die Schrauben kommen aus dem Baumarkt: Eine dänische Bastlerrakete ist nahe Bornholm erfolgreich gestartet - an Bord war eine Puppe. Die geplante Höhe erreichte das Geschoss zwar nicht, aber die Tüftler waren trotzdem zufrieden.

Marke Eigenbau: Dänisches Raumschiff "Tycho Brahe" Fotos
DPA

Kopenhagen - Das Vorhaben ist verwegen: Mit ein paar zehntausend Euro Spendengeldern wollen die beiden Dänen Peter Madsen und Kristian von Bengtson eine Rakete bauen, die Menschen bis in hundert Kilometer Höhe bringen kann. Ihr Projekt mit dem Namen Copenhagen Suborbitals ist nicht kommerziell angelegt. Die Baupläne haben sie unter Open Source gestellt - sie sind also frei zugänglich und verwendbar.

Nun können die beiden Tüftler den ersten Erfolg vermelden. Am Freitag ist ihre neun Meter lange Rakete zum ersten Mal in den Himmel gestartet - und es war zumindest ein Teilerfolg. Die 1,6 Tonnen schwere filigrane Konstruktion hob von einem Schleppkahn nahe der dänischen Insel Bornholm ab. Die anvisierte Höhe von 16 Kilometern wurde zwar nicht erreicht, aber die beiden Bastler waren auch mit den rund acht Kilometern zufrieden, die das Geschoss schaffte.

"Es war ein phantastischer Flug", sagte Madsen. "Die Freude ist groß. Ich habe auf die Startplattform geschaut und dann begriffen, dass es geklappt hat." Die Rakete Marke Eigenbau hat die Bastler bislang nach eigenen Angaben etwa 40.000 bis 50.000 Euro gekostet.

Wenig Platz für wagemutige Astronauten

Die Männer hatten bereits im vergangenen September versucht, ihre Rakete zu starten. Damals machte ihnen aber ein defekter Fön, der dafür sorgen sollte, dass ein Ventil nicht einfriert, einen Strich durch die Rechnung. Nachdem die automatische Startsequenz am Freitag zunächst nicht in Gang kam, befürchteten die Tüftler einen weiteren Fehlversuch.

Das Projekt hatte weltweit für Furore gesorgt, weil die Dänen mit einfachsten Mitteln bemannte Raumfahrt betreiben wollen: So verwenden sie als Hitzeschild Korkscheiben aus einem Teppichladen, die meisten Schraubsätze haben sie im Baumarkt gekauft, und die Vereisung von Ventilen soll ein simpler Haartrockner verhindern.

Bei dem geglückten Testflug war die Rakete unbemannt. Im kleinen Raumschiff an der Spitze der Rakete steckte eine Puppe. Das Geschoss mit dem Namen "Tycho Brahe" ist nichts für Klaustrophobiker: Die Röhre hat einen Durchmesser von nur 64 Zentimetern und ist etwa drei Meter lang.

Während des Starts steht man aufrecht darin - die transparente Spitze des Raumschiffs soll einen freien Rundumblick bieten - siehe Fotostrecke. Normalerweise liegen Astronauten beim Raketenstart, so dass sie mit dem Rücken nach unten gepresst werden. So lassen sich große Beschleunigungen leichter ertragen. Dafür sind aber breitere Raketen und damit ein stärkerer Antrieb notwendig. Peter Madsen nannte das Raumschiff einen "zweiten Anzug des Astronauten". Das aufrechte Fliegen ermögliche eine schlanke Bauform, die Aussicht sei besser als bei Flügen von Nasa-Astronauten.

Der technische Ablauf beim ersten Start war wie geplant: Nachdem die Rakete eine gewisse Höhe erreicht hatte, trennten sich Raumschiff und die große Antriebseinheit - das Raumschiff flog allein weiter. Fallschirme bremsten dann den Fall zurück zur Erde. Ein Kran fischte "Tycho Brahe" schließlich aus der Ostsee.

hda/dapd

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