Geheimnisvoller Marsmond: Europas Späher auf Tuchfühlung mit Phobos

So nahe wie nie ist die europäische Raumsonde "Mars Express" am geheimnisvollen Marsmond Phobos vorbeigeflogen - und hat doch kein einziges Bild von ihm gemacht. Doch schon bald soll eine hochauflösende Kamera aus Deutschland das nachholen.

Marsmond Phobos (Archivfoto vom Juli 2008): "Sehr glücklich, dass alles so gut läuft." Zur Großansicht
ESA / DLR / FU Berlin

Marsmond Phobos (Archivfoto vom Juli 2008): "Sehr glücklich, dass alles so gut läuft."

Paris - Er sieht aus wie eine Kartoffel und hat einen Durchmesser von gerade einmal 22 Kilometern. Viel mehr wissen Astronomen nicht über den Marsmond Phobos. Wegen seiner geringen Größe und der unregelmäßigen Form glauben die Planetenforscher, dass es sich bei ihm um einen früheren Asteroiden handeln könnte. Die Schwerkraft des Roten Planeten könnte ihn eingefangen und auf seine jetzige Bahn gezwungen haben. Doch sein Schicksal steht jetzt schon fest: In spätestens 50 Millionen Jahren dürfte Phobos ganz zu existieren aufhören.

Die europäische Raumsonde "Mars Express" ist nun so nah wie nie zuvor an dem rätselhaften Mars-Trabanten vorbeigeflogen. Den Berechnungen der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) zufolge, näherte sich die Sonde dem Mond bis auf 67 Kilometer. Dabei bestand erstmals die Möglichkeit, das Schwerefeld von Phobos zu vermessen - auch wenn es nur winzige Kursabweichungen von wenigen Millimetern pro Sekunde gab.

"Ich bin sehr glücklich, dass alles so gut läuft", sagte Esa-Wissenschaftler Gerhard Schwehm. Der Flug der Sonde sei eine großartige Gelegenheit gewesen, mehr über die innere Struktur von Phobos herauszufinden. Weil sich der 2003 gestartete Orbiter dem Mond von der Nachtseite her näherte, konnte die hochauflösende Stereokamera der Sonde aber keine Fotos machen. Dies ist erst wieder bei weiteren Vorbeiflügen in einigen Tagen möglich.

"Mars Express" ist 2003 gestartet und wird insgesamt zwölf Mal an Phobos vorbeifliegen. Jedes Mal soll die Sonde unterschiedliche Instrumente einsetzen. Ein Radar analysiert beispielsweise die unter seiner Oberfläche liegenden Schichten, andere Instrumente tasten die Oberfläche ab.

Eine hochauflösende Kamera aus Deutschland wird am 7. März Bilder der Tagseite von Phobos aus einer Entfernung von 107 Kilometern machen. Dabei sollen auch Informationen über die geplante Landestelle der russischen "Phobos Grunt"-Mission gesammelt werden. Sie ist für 2011/2012 geplant.

chs/dpa/ddp

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