Gelbes Duo Erdnuss-Sterne verblüffen Astronomen

Forscher haben zwei erdnussförmige Doppelsterne entdeckt. Die gelb leuchtenden Sonnen kommen sich so nahe, dass Teile ihrer stellaren Materie ineinander übergehen - ein bislang noch nicht bekanntes Phänomen.


"Wir hatten nicht erwartet, so etwas zu finden - und schon gar nicht zwei davon." Die beiden Erdnuss-Doppelsterne haben es Kris Stanek, Astronomie-Professor an der Ohio State University, angetan. Dass sich zwei Sterne umkreisen, ist nicht ungewöhnlich. Dass ihr Abstand aber so gering ist, dass die äußeren Schichten der Sterne ineinander übergehen, schon.

"Mit so etwas rechnet man einfach nicht", sagt Stanek. Der Fund zeige, wie flexibel man als Astrophysiker sein müsse. Das erste Sternenduo wurde mit dem Large Binocular Telescope (LBT) auf Mount Graham in Arizona entdeckt. Das System ist 13 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und liegt in der kleinen Galaxie Holmberg IX. Die beiden Sterne bewegen sich umeinander: Je nach Phase versperrt einer der beiden Sterne den Blick auf seinen Nachbarn - oder beide sind nebeneinander zu sehen. Beide Sterne sind etwa gleich groß und 15 bis 20 Mal so schwer wie unsere Sonne, berichten die Astronomen im Fachblatt "Astrophysical Journal Letters".

José Prieto, der Hauptautor des Artikels, hatte das erdnussförmige System im Rahmen seiner Doktorarbeit untersucht. Als er ältere Beobachtungsdaten von Kollegen analysierte, fand er zum eigenen Erstaunen ein weiteres solches ungewöhnliches System - und zwar in 230.000 Lichtjahren Entfernung in der Kleinen Magellanschen Wolke. Das System war bereits in den achtziger Jahren entdeckt - seine Struktur aber falsch interpretiert worden. Prieto hatte in den alten Daten ein ähnliches Muster identifiziert wie beim Doppelstern in Holmberg IX.

"Wir brauchten das 8,4 Meter große LBT, um das erste Sternenpaar zu finden", sagt Stanek. Das zweite erdnussförmige System sei hingegen so hell, dass man es mit einem gewöhnlichen Fernglas vom eigenen Garten aus beobachten könne. "Wenn wir das erste nicht gefunden hätten, wäre uns das zweite womöglich nie aufgefallen." Dies zeige, dass nach wie vor wertvolle Entdeckungen am Himmel versteckt seien. "Man muss nur die Augen offen halten", erklärt Stanek.

hda



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