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Geldmangel: Experten beerdigen faktisch Mond-Pläne der Nasa

Entweder braucht die Nasa mehr Geld, oder sie muss sich andere Ziele suchen. Mit dem aktuellen Budget ist eine Reise zum Mond jedenfalls nicht möglich, sagt eine Expertenkommission, die von US-Präsident Barack Obama eingesetzt wurde.

Mond in weiter Ferne (Aufnahme aus dem Space Shuttle "Discovery"): "Es gibt eine Menge Orte in der Nachbarschaft" Zur Großansicht
dpa

Mond in weiter Ferne (Aufnahme aus dem Space Shuttle "Discovery"): "Es gibt eine Menge Orte in der Nachbarschaft"

Washington - Das Votum kommt alles andere als unerwartet und ist doch einigermaßen beachtenswert: Die Pläne der US-Raumfahrtbehörde Nasa für künftige bemannte Mondmissionen sind Experten zufolge aus Geldmangel schlicht nicht machbar. Dieses Urteil einer vom Weißen Haus eingesetzten Gruppe um den Ex-Lockheed-Martin-Chef Norman Augustine wird die zukünftige US-Weltraumpolitik entscheidend prägen. Ein "Weiter so" kann es nach der am Dienstag veröffentlichten Zusammenfassung des Bericht des "Review of U.S. Human Space Flight Plans Committee" kaum geben.

"Weltraum-Missionen werden umso schwieriger, wenn die finanziellen Mittel den Erwartungen nicht entsprechen", heißt es in dem Bericht. "Das ist hier der Fall." Schätzungen zufolge wären für ein Mondprogramm jährlich drei Milliarden Dollar nötig - und zwar zusätzlich zum normalen Nasa-Etat, der aktuell bei 18 Milliarden Dollar liegt. Die Raumfahrtbehörde müsse ihre Pläne daher komplett ändern, erklärte das Gremium.

Die Expertengruppe legt US-Präsident Obama eindeutig nahe, dass er sich entscheiden muss: entweder für ein Ende des bemannten Weltraumflugs oder für eine Aufstockung des Nasa-Budgets. Die Extra-Ausgaben, so die Experten, wären "zweifelsfrei" gerechtfertigt - wenn Obama den politischen Willen hat sie zu tätigen und die Amerikaner ihn in Zeiten der Wirtschaftskrise dabei unterstützen wollen. In dem Gutachten finden sich fünf verschiedene Möglichkeiten, bei denen es zum Teil weitere Unterszenarien gibt. In ihnen wird unter anderem betrachtet, wie sich eine Verlängerung der Lebenszeit der ISS, eine Änderung des Designs der "Ares"-Raketen oder ein kompletter Verzicht auf dieses Programm auf die Nasa auswirken würde.

Privatunternehmen könnten Astronauten ins All befördern

Der damalige Präsident George W. Bush hatte vor fünf Jahren angekündigt, dass Astronauten bis zum Jahr 2020 wieder auf dem Mond landen sollten. So sollten sie unter anderem für Flüge zum Mars trainieren. Um die Mission zu finanzieren, sollte die Shuttle-Flotte kommendes Jahr eingemottet werden. Außerdem wollten die Amerikaner ihren Beitrag für die Internationale Raumstation (ISS) ab dem Jahr 2015 kappen. Diese Zeitrahmen seien unsinnig, erklärten die Experten um Augustine nun. Sobald die Shuttles ausgemustert würden, verfügten die USA möglicherweise erst in sechs oder sieben Jahren wieder über ein eigenes Transportsystem ins All.

Bei der Erforschung des Weltraums solle die Nasa mit anderen Staaten und privaten Unternehmen zusammenarbeiten, schlägt die Kommission in ihrem Bericht vor. Konkret geht es vor allem um den Transport von Astronauten in die Erdumlaufbahn. Mondmissionen seien außerdem nur eine Möglichkeit, Reisen zum Mars vorzubereiten. Unter anderem könnten auch erdnahe Objekte wie Asteroiden erforscht werden. "Es gibt eine Menge Orte in der Nachbarschaft", sagte Edward Crawley von Massachusetts Institute of Technology. Die Nasa hat bereits 7,7 Milliarden Dollar in ihre derzeitigen Pläne investiert, unter anderem in die Entwicklung neuer Raketen.

In einem Brief an seine Mitarbeiter erklärte Nasa-Chef Charles Bolden, es sei noch zu früh, um aus dem Bericht Schlussfolgerungen zu ziehen. In der Tat liegt die Entscheidung wohl eher im Weißen Haus.

chs/AP/AFP

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