Himmelsspektakel Die Advents-Sternschnuppen kommen

Es regnet Kometenstaub! In diesen Nächten zischen Sternschnuppen über den Nachthimmel. Sie sind sogar über lichtdurchfluteten Großstädten zu sehen.

Corbis

Himmelsgucker dürfen sich an den kommenden Tagen auf einen der schönsten Meteorschwärme des Jahres freuen: Bei wolkenfreiem Himmel wird Anfang der kommenden Woche eine Vielzahl von Sternschnuppen über den Nachthimmel flitzen - der alljährliche Strom der Geminiden erreicht am Dienstag seinen Höhepunkt.

Passionierte Sterngucker müssen allerdings damit rechnen, dass der helle Mond die lichtschwächeren Geminiden-Meteore überstrahlen wird.

Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Sternschnuppenregen der Geminiden beobachtet. Der Schwarm bringt oft besonders viele und helle Sternschnuppen hervor, die bei klarem Wetter sogar am Himmel über lichtdurchfluteten Großstädten zu sehen sind.

Am besten eignen sich allerdings dunkle Orte fernab der Städte zum Beobachten der vorweihnachtlichen Himmelsflitzer - Orte also ohne künstliches Licht und mit guter Rundumsicht. Wer den Meteorstrom fotografieren will, sollte eine Kamera mit einem Weitwinkelobjektiv auf ein Stativ montieren und eine Langzeitbelichtung wählen.

Die Geminiden stehen meist im Schatten der wesentlich bekannteren Perseiden, die im Sommer auf die Erde niedergehen. Dass die Geminiden weniger populär sind, liegt vor allem an der Jahreszeit ihres Auftretens: Das kalte und oft auch trübe Dezemberwetter bietet Sternschnuppenjägern unbequemere Beobachtungsbedingungen als laue Sommernächte.

Das Sternbild Zwillinge (lateinisch gemini) mit seinen beiden Hauptsternen Castor und Pollux stand Pate bei der Namensgebung für den Geminiden-Schwarm, weil die Dezembersternschnuppen aus genau dieser Richtung zu fallen scheinen - dieser Ausgangspunkt der Meteorbahnen wird von den Astronomen Radiant genannt.

Schon der nächste Meteoritenschauer im Anflug

Die Schnuppen stammen aus einer Staubwolke, die der Asteroid Phaeton hinterließ und welche die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne jedes Jahr um die gleiche Zeit durchquert. Dabei treten die Staubpartikel in die Erdatmosphäre ein, in der sie dann die als Sternschnuppen bekannten Striche am Himmel erzeugen.

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Sternschnuppen-Schauer: Wünsch dir was

Bei Meteorschauern verglühen meist nur wenige Millimeter große Brocken beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Diese Größe reicht aus, um am Himmel einen so starken Lichtschweif zu hinterlassen, dass er von der Erde aus ohne Hilfsmittel gesehen werden kann. Angst muss trotzdem niemand haben, die Bröckchen verglühen in der Regel in 80 bis 100 Kilometern Höhe.

Im Vergleich zu anderen Sternschnuppenströmen weisen die Geminiden einige Besonderheiten auf. So ziehen die Meteore des Stroms vergleichsweise langsam über den Himmel. Grund ist die geringe Geschwindigkeit, mit der die Geminiden-Teilchen in die Atmosphäre eintauchen.

Als weitere Eigentümlichkeit der Geminiden gilt, dass in den Stunden des Sternschnuppenmaximums zunächst die lichtschwächeren und erst am Ende die hellsten Meteore aufleuchten.

Nach den Geminiden zur Adventszeit folgt um die Weihnachtsfeiertage der Ursidenstrom. Er ist allerdings mit nur bis zu 20 Sternschnuppen pro Stunde deutlich schwächer.

boj/AFP



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permissiveactionlink 09.12.2016
1. Tellerrand
Meteore erzeugen nicht nur Licht, die Luftmoleküle in der Eintrittsbahn des Meteoriten werden auch ionisiert. Dadurch wird für kurze Zeit auch eine Möglichkeit eröffnet, UKW-Radiowellen zum Erdboden zurückzustreuen ("Meteor-Scatter"). Manche Menschen müssen also gar nicht in die Kälte hinaus, um Meteorströme zu genießen, denn man kann über sie kommunizieren. Selbst mit marginalen mathematischen Fähigkeiten lässt sich schnell berechnen, dass ein 80km über dem Boden (in der "Ionosphäre") auftretender Meteor eine maximale Funkreichweite von ca. 2000km ermöglicht, bei 100km Höhe sogar 2240km, was dann schon mehr als einem Drittel der Entfernung Berlin-New York entspricht. Mit automatisch arbeitenden UKW-Sendern lassen sich auch bei unspektakulärer Meteorhäufikeit laufend Daten sicher übertragen, z.B. Informationen über Mikrobeben in der Nähe eines entlegeneren Vulkans, über Waldbrände etc. Während normaler UKW-Empfang schon in manchen Tälern schwierig wird, weil sich diese Wellen nur "quasioptisch" ausbreiten (von hohen Bergen aus natürlich weiter, deshalb finden sich dort die Radioumsetzer, von hochfliegenden Ballons aus noch weiter) ermöglichen Meteore UKW-Funkbetrieb weit über den optischen Horizont hinaus. Nur Satelliten sind diesbezüglich noch leistungsfähiger, aber mit Ausnahme der geostationären Satelliten auch nicht ständig präsent.
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