Geoforschung Ton auf Mars könnte von Vulkanen stammen

Bislang galten die Tonvorkommen auf dem Roten Planeten als Überbleibsel einstiger Meere. Geoforscher haben nun eine neue Hypothese entwickelt: Der Mars-Ton könnte vulkanischen Ursprungs sein. Hinweise dafür fanden sie ausgerechnet auf der Erde.

Endeavour-Krater auf dem Mars: Tonmineralien Produkt wasserreicher Lava?
REUTERS/NASA/JPL-Caltech/Cornell/ASU

Endeavour-Krater auf dem Mars: Tonmineralien Produkt wasserreicher Lava?


London - Die Tonvorkommen auf dem Mars sind möglicherweise vulkanischen Ursprungs und nicht das Produkt vor Urzeiten ausgetrockneter Gewässer auf dem Roten Planeten. Das schließen Forscher um Alain Meunier von der Universität Poitiers aus Vergleichen mit vulkanischen Tonvorkommen auf der Erde. Die Tonmineralien auf dem Roten Planeten könnten sich durch wasserreiche Lavaströme geformt haben, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Geoscience".

Die Tonvorkommen auf dem Mars gelten als Hinweis darauf, dass auf dem Roten Planeten einst ein feuchtwarmes Klima geherrscht haben könnte, das möglicherweise sogar Leben erlaubte. Denn Ton bildet sich normalerweise durch langfristige Wechselwirkung des Bodens mit Wasser. Es gibt jedoch noch einen anderen Weg: Tonmineralien können auch durch wasserreiche Lava entstehen.

Die Gruppe um Meunier hatte Tonmineralien vulkanischen Ursprungs vom Mururoa-Atoll in Französisch-Polynesien untersucht. Tatsächlich gleichen deren spektroskopische Eigenschaften jenen des Tons, den die Raumsonde "Mars Reconnaissance Orbiter" spektroskopisch auf dem Roten Planeten nachgewiesen hat. Auch die Zusammensetzung bekannter Marsmeteoriten stütze die These eines vulkanischen Ursprungs des Mars-Tons, schreiben die Forscher.

Fotostrecke

13  Bilder
Fotos vom Mars: Scharfer Planet
Sollten die Tonmineralien auf dem Roten Planeten vulkanischen Ursprungs sein, würde das nahelegen, dass der junge Mars womöglich nie ein feuchtwarmes Klima besaß und daher doch nicht so lebensfreundlich war wie oft angenommen, heißt es in einem Begleittext in "Nature Geoscience". Allerdings könnten erst Messungen an Ort und Stelle genauen Aufschluss über die Herkunft der Tonmineralien auf dem Mars geben. Die beiden zurzeit aktiven Marsrover "Opportunity" und "Curiosity" könnten dazu möglicherweise bald die Chance bekommen.

"Curiosity" hat mittlerweile mehr als hundert Meter auf dem Mars zurückgelegt - Fotos zeigen die Spur im Boden. In dieser Woche soll das fahrende Forschungslabor Gesteinsproben untersuchen, zunächst aber noch ohne den Bohrer an seinem ausfahrbaren Roboterarm. Erste Bohrungen im Marsgestein sind dagegen erst in etwa einem Monat geplant. "Curiosity" soll in der Landschaft des Gale-Kraters nach geologischen Spuren von einstmals lebensfreundlichen Zeiten auf dem Mars suchen. Für eine direkte Suche nach simplen Lebensformen sind die Instrumente nicht ausgelegt.

hda/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.