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Gewaltige Explosion: Astronomen staunen über Dauer-Gammablitz

Gammablitze sind die heftigsten Energieausbrüche im All - und meistens in wenigen Momenten vorüber. Doch eine gigantische Explosion in einer fernen Galaxie hält bereits seit Tagen an. Forscher vermuten, dass ein Stern von einem Schwarzen Loch zerrissen wurde.

Langer Gammablitz: Explosion zeugt vom Sternentod Fotos
NASA/ Swift

Gammablitze gehören zu den spektakulärsten Ereignissen im Universum: Sie können binnen Sekundenbruchteilen mehr Energie freisetzen als die Milchstraße mit ihren 200 Milliarden Sternen innerhalb eines ganzen Jahres. Üblicherweise dauern diese Ereignisse nur kurz an - glaubte man bisher. Doch Forscher verfolgen derzeit in einer fernen Galaxie einen Gammablitz, der bereits seit mehr als einer Woche anhält.

Mehrere Weltraumteleskope, darunter "Hubble", wurden nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa eingesetzt, um das Phänomen zu beobachten. Astronomen sagen, sie hätten nie zuvor eine so helle, wechselhafte, hochenergetische und lange andauernde Explosion gesehen.

Der Theorie zufolge ereignen sich Gammablitze bei der Zerstörung eines massereichen Sterns. Oft enden diese Ausbrüche nach weniger als drei Sekunden - Astronomen sprechen dann von kurzen Gammablitzen. Doch auch die lange Variante dauert nur Sekunden bis Minuten, allerhöchstens Stunden. Im aktuellen Fall aber werden seit Tagen noch immer große Mengen Strahlung freigesetzt, mehrmals beobachteten die Astronomen ein noch intensiveres Aufflackern.

"Wir wurden voll getroffen"

Am 28. März hatte der US-Satellit "Swift", der speziell für die Beobachtung von Gammablitzen eingesetzt wird, die Explosion entdeckt. "Hubble" ortete am 4. April die Quelle in der Konstellation des Drachen in einer 3,8 Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie. Mit dem "Chandra"-Weltraumteleskop konnten die Astronomen ermitteln, dass der Gammablitz vom Zentrum dieser Galaxie ausgeht.

"Wir kennen in unserer Galaxie Objekte, die wiederholte Explosionen auslösen können, aber sie sind Tausende oder Millionen Male weniger kraftvoll als diese", sagt Andrew Fruchter vom Space Telescope Science Institute in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland).

Die Astronomen vermuten, dass die ungewöhnliche Explosion sich ereignete, als ein Stern zu nah an das Schwarze Loch im Zentrum seiner Galaxie herankam. Die Masse solcher Schwarzen Löcher ist Millionen Male größer als die unserer Sonne. Diese starke Gravitationskraft hat den Stern regelrecht zerrissen, glauben die Forscher. Sein Gas strömt demnach fast mit Lichtgeschwindigkeit in Richtung des Schwarzen Lochs - die dabei entstehenden Teilchen-Jets sind die Quelle der Gammablitze. "Offenbar zeigt einer dieser Jets genau auf die Erde, was die Helligkeit des beobachteten Phänomens erklärt", sagte die Bochumer Astronomin Susanne Hüttemeister. Auch der Garchinger Astrophysiker Hans-Thomas Janka sagte, anscheinend habe einer der beiden Jets "uns voll getroffen".

Der Erde können Gammastrahlenblitze nach Epertenangaben nur gefährlich werden, wenn sie sich in unmittelbarer Nachbarschaft unseres Planeten ereignen. "Sollte uns ein normaler GRB aus einer Entfernung bis zu 1000 Lichtjahren treffen, könnte dies die Ozonschicht der Erdatmosphäre massiv schädigen", sagte Janka. Aus einer Entfernung von 3,8 Milliarden Lichtjahren wie bei der nun beobachteten Explosion habe "die Erde nichts zu befürchten."

Simulation zeigt Entstehung eines Schwarzen Lochs

In einer weiteren Untersuchung haben sich Wissenschaftler um Luciano Rezzolla vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Potsdam mit der Ursache von kurzen Gammablitzen auseinandergesetzt. Mit einer Computersimulation haben sie dargestellt, was passiert, wenn zwei ausgebrannte Sterne verschmelzen und ein Schwarzes Loch entstehen lassen. Dieser Prozess gilt als möglicher Auslöser für kurze Gammablitze. Sechs Wochen rechnete der Supercomputer "Damiana" für die Simulation, die zeigt, was innerhalb von 35 Millisekunden passiert.

Darin kollidieren zwei Sternleichen und werden zu einem Schwarzen Loch, aus dem keine Materie oder Licht entweichen kann. Das Schwarze Loch dreht sich und wird von einem Ring aus heißer Materie sowie einem vergleichsweise schwachen, chaotischen Magnetfeld umgeben. Aufgrund der Drehbewegung entsteht laut der Studie ein extrem starkes Magnetfeld. Dieses Feld gilt als der bisher unbekannte Auslöser des Jets, berichten die Forscher im Fachmagazin "Astrophysical Journal Letters" .

Als "Brücke zwischen den theoretischen Modellen und den astronomischen Beobachtungen" bezeichnete Chryssa Kouveliotou von der US-Raumfahrtbehörde Nasa die Entdeckung.

wbr/AFP/dpa

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