Gewaltige Explosion Uralt-Gammablitz verblüfft Forscher

Vor 7,4 Milliarden Jahren kam es im Weltall zu einer gigantischen Explosion. Der Gammastrahlenausbruch dauerte nur wenige Sekunden und ist der älteste bislang bekannte seiner Art. Astronomen rätseln nun über den Mechanismus des mächtigen Blitzes.


Es ist ein Gruß aus der Zeit, als das Universum halb so alt war wie heute. Vor etwa 7,4 Milliarden Jahren blitzte es mächtig aus der Richtung des Sternbilds Stier. Ein gewaltiger Gammastrahlenausbruch fand damals statt, er dauerte nicht einmal drei Sekunden. "Short Gamma-Ray Burst" (GRB) nennen Astronomen solche Ereignisse. Aber ein so alter Kurz-Gammablitz wie dieser war ihnen bislang noch nicht untergekommen.

"Die Entdeckung rückt die Ära, aus der wir kurze GRBs kennen, um ein ganzes Stück weiter in die Vergangenheit", sagte John Graham von der Johns Hopkins University in Baltimore. Entdeckt wurde die Explosion durch kombinierte Beobachtungen des Nasa-Satelliten "Swift" und des Gemini Observatoriums. Ein Forscherteam präsentiert die Entdeckung nun auf einem Treffen der American Astronomical Society in Austin, Texas.

Gammablitze sind gewaltige Explosionen, bei denen riesige Energiemengen in Form von Gamma- und Röntgenstrahlung freigesetzt werden. Je nachdem ob sie kürzer oder länger als drei Sekunden dauern, spricht man von kurzen oder langen Blitzen. Astronomen glauben, dass die langen Strahlungsausbrüche durch den Kollaps und die Explosion schwerer Sterne ausgelöst werden. Für die Kurzblitze gibt es verschiedene Theorien. Die populärste geht davon aus, dass eine Kollision zweier Neutronensterne dahinter steckt, die in der Folge zu einem Schwarzen Loch kollabieren.

Der Nasa-Satellit "Swift" spürte den Blitz am 14. Juli 2007 auf, er bekam deshalb die Bezeichnung GRB 070714B. Sofort richteten Astronomen weitere Teleskope in Richtung des Sternbilds Stier, um zumindest das Nachglühen noch zu erfassen. Mit dem Gemini North Telescope auf Hawaii konnten die Forscher schließlich die Entfernung zum Blitz bestimmen: 7,4 Milliarden Lichtjahre, die Explosion fand also vor 7,4 Milliarden Jahren statt.

Nicht nur das Alter, sondern auch die Heftigkeit des Ausbruchs verblüfft die Wissenschaftler: Die Energie des Blitzes war etwa hundert Mal größer als bei kurzen Gammaausbrüchen, sie entsprach eher der, die lange Gammablitze freisetzen. "Wir wissen nicht, ob ein anderer Mechanismus nötig ist, um die Explosion zu erklären", sagte Neil Gehrels vom Goddard Cpace Flight Center der Nasa in Greenbelt.

In Frage kommt laut Gehrels die Vereinigung eines Neutronensterns mit einem Schwarzen Loch. Eine andere Möglichkeit wäre, dass GRB 070714B seine Energie in zwei sehr kurz aufeinander folgende Blitze konzentrierte. Einer der Blitze könnte direkt zur Erde gerichtet gewesen sein, so dass er insgesamt gewaltiger wirkte als er tatsächlich war.

"Wir haben eine ganz gute Vorstellung, welche Sterne lange Blitze produzieren", sagte Andrew Fruchter vom Space Telescope Science Institute, "aber wie kurze Blitze entstehen, bleibt ein Rätsel."

hda



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