Glühender Nebel Das Auge des Phantoms

Wenn sterbende Sterne sich selbst entleiben, schleudern sie ihr Äußeres als glühende Wolke ins All. Das Hubble-Teleskop hat neue, atemberaubende Bilder des ersten jemals entdeckten planetarischen Nebels geschossen. Für Forscher ist er bis heute ein Mysterium.


Katzenaugen-Nebel mit sterbendem Stern im Zentrum: Herr der staubigen Ringe
ESA/ NASA

Katzenaugen-Nebel mit sterbendem Stern im Zentrum: Herr der staubigen Ringe

Bei einem solchen Anblick können selbst Astrophysiker ins Poetische abdriften. Der Katzenaugennebel "wirkt wie das durchdringende Auge des körperlosen Magiers Sauron aus dem 'Herrn der Ringe'", heißt es in einer Mitteilung der europäischen Raumfahrtagentur Esa. Der Himmelskörper, auch unter dem eher prosaischen Kürzel NGC 6543 bekannt, sei "genauso unergründlich wie J.R.R. Tolkiens Phantom".

Die Forscher haben allen Grund, ins Schwärmen zu geraten. Die neuen Bilder haben nicht nur ästhetischen, sondern auch hohen wissenschaftlichen Wert. Sie zeigen den Nebel als ein brennendes Auge in einer glühenden Wolke, die aus elf oder mehr konzentrischen Ringen besteht. Das untermauert nach Ansicht der Wissenschaftler die erst vor kurzem aufgekommene Theorie, dass solche Materieringe um planetarische Nebel nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind.

In der letzten Phase seiner Existenz stößt ein Stern seine äußeren Schichten ab und formt leuchtende Gebilde von bizarrer Form: planetarische Nebel, die zu den schönsten Erscheinungen im Weltall gehören. Der Katzenaugennebel ist nicht nur der erste jemals entdeckte Himmelskörper dieser Art, sondern zugleich auch einer der komplexesten, die der Forschung seither bekannt sind.

Katzenaugen-Nebel, größerer Bildausschnitt: Gewaltige Hüllen aus Gas und Staub mit einem Durchmesser von mehr als drei Lichtjahren
ESA/ Nordic Optical Telescope/ Romano Corradi

Katzenaugen-Nebel, größerer Bildausschnitt: Gewaltige Hüllen aus Gas und Staub mit einem Durchmesser von mehr als drei Lichtjahren

Die neuen Beobachtungen weisen nach Angaben der Esa darauf hin, dass der Stern in der Mitte des Katzenaugennebels Teile seiner äußeren Schichten in Abständen von jeweils rund 1500 Jahren abgestoßen hat. Dadurch entstanden Staubhüllen, von denen jede einzelne so viel Masse besitzt wie alle Planeten unseres Sonnensystems zusammen. Die Hubble-Fotos lassen die Hüllen aussehen wie eine durchschnittene Zwiebel, von der jede Schale sichtbar ist.

Bis vor kurzem hatten Wissenschaftler angenommen, dass solche Ringe um planetarische Nebel ein seltenes Phänomen seien. Erst im April dieses Jahres hat ein Forscherteam um Romano Corradi gezeigt, dass die Ringe wahrscheinlich eine kosmische Alltagserscheinung sind.

Astronomen sind davon durchaus überrascht, denn sie hatten nicht erwartet, dass sterbende Sterne ihre äußeren Hüllen in Intervallen abstoßen. Erklärungsmodelle reichen von zyklischer magnetischer Aktivität über den Einfluss begleitender Sonnen bis hin zu einem Pulsieren des Sterns. Ein anderer Ansatz besagt, dass die Materie kontinuierlich ausgestoßen wird und erst danach durch äußere Einflüsse ihre charakteristische Struktur erhält.

Vor 1000 Jahren aber, so viel scheint sicher, änderte sich das Muster des stellaren Masseverlusts: Der Katzenaugennebel selbst entstand im Zentrum der glühenden Materiehüllen. Seitdem dehnt er sich immer weiter aus, wie auf den Hubble-Fotos von 1994, 1997, 2000 und 2002 zu sehen ist. Was den dramatischen Wandel ausgelöst hat, ist für die Forscher bis heute ein Rätsel.

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