Glycin Sonde findet Lebens-Baustein in Kometenstaub

Erstmals ist eine Aminosäure im Staub eines Kometen zweifelsfrei nachgewiesen worden. Nasa-Forscher feiern den Erfolg als wichtigen Hinweis, dass das Leben einst aus dem All auf die Erde kam - und im Universum weit verbreitet ist.


Los Angeles - Wie ist das Leben auf unserer Erde entstanden? Diese fundamentale Frage beschäftigt Forscher ebenso wie Philosophen. Ein möglicher Erklärungsansatz ist die sogenannte Panspermietheorie. Ihre Anhänger glauben, dass Asteroiden oder Kometen die Grundbausteine des Lebens auf unserem Planeten abgeliefert haben. Sie führen an, dass außerhalb unseres Sonnensystems bereits mehr als 150 Moleküle nachgewiesen wurden, darunter viele organische Verbindungen.

"Stardust"-Sonde (Zeichnung): Leben im Universum ist eher die Regel als die Ausnahme
REUTERS

"Stardust"-Sonde (Zeichnung): Leben im Universum ist eher die Regel als die Ausnahme

Eine Entdeckung von Nasa-Forschern liefert nun neue Hinweise, die die Theorie der fliegenden Lebensbringer unterstützen. Es geht um einen Fund, der 390 Millionen Kilometer von der Erde entfernt gemacht wurde - und der für sich genommen erst einmal nicht neu ist: Im Januar 2004 hatte die Sonde "Stardust" Staub des Kometen "Wild 2" aufgefangen. Und der enthielt, wie Analysen nach dem spektakulären Rücktransports des Materials zur Erde ergaben, die Aminosäure Glycin. Das ist eine einfach gebaute Verbindung, die bei Lebewesen unter anderem im Protein Kollagen vorkommt.

Das besondere daran: Noch nie war eine Aminosäure, einer der Grundbausteine des Lebens, als Bestandteil eines Kometen nachgewiesen worden. Doch selbst nach der ersten Entdeckung waren sich die Forscher nicht sicher: Konnte die Substanz nicht doch irdischen Ursprungs sein? Dann wäre es mit der vermeintlichen Entdeckung nicht weit her. "Wir konnten nicht sicher sein, dass es nicht von der Herstellung oder den Startvorbereitungen stammte", sagt die Astrobiologin Jamie Elsila vom Goddard Space Flight Center der Nasa in Greenbelt (US-Bundesstaat Maryland).

Glycinspuren sind kosmischen Ursprungs

Doch ein Forscherteam unter ihrer Leitung hat nun festgestellt, dass die mikroskopisch kleinen Glycinspuren, die 2006 in dem mit sogenanntem Aerogel gefüllten Sammelbehälter zur Erde zurückkehrten, kosmischen Ursprungs sind. "Wir kennen Aminosäuren von Meteoriten, aber dies ist das erste Mal, dass sie in einem Kometen nachgewiesen wurden", sagt Elsila. So wurden die organischen Verbindungen unter anderem an einem Brocken aufgespürt, der 1969 nahe des australischen Ortes Murchison zu Boden rauschte.

Der Knackpunkt war die Verteilung der Kohlenstoff-Isotope. Bei kosmischen Proben wäre ein höherer Anteil an schwereren Kohlenstoff-13-Atomen zu vermuten gewesen. Und genau dieser fand sich im Material von "Wild 2" - und zwar an der Aluminiumauskleidung der Probenkammern. Die Ergebnisse sollen demnächst im Fachmagazin "Meteoritics and Planetary Science" vorgestellt werden. Das Team hat sie bereits auf einem Treffen der American Chemical Society in Washington präsentiert.

"Die Entdeckung von Glycin in einem Kometen stützt die Theorie, nach der fundamentale Bausteine des Lebens häufig im All vorkommen", sagt Carl Pilcher, der Chef des Astrobiologischen Instituts der Nasa an der University of California in Los Angeles. "Das spricht für die Annahme, dass Leben im Universum eher die Regel und nicht die Ausnahme ist."

chs/Reuters

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