"Google Moon" Der Mond ist aus Käse

Google zeigt ab sofort nicht nur die Erde, sondern auch den Mond aus der Vogelperspektive. Nach intensiver Auswertung der Satellitenbilder von "Google Moon" stellt sich eine drängende Frage: Besteht der Mond am Ende doch aus Käse?


"Google Moon": Blick auf die Landeplätze der "Apollo"-Landefähren

"Google Moon": Blick auf die Landeplätze der "Apollo"-Landefähren

Es ist nur ein kleiner Schritt für eine Suchmaschine. Nachdem Google die Erde - oder zumindest ihren nach Meinung Vieler wichtigsten Teil, das Internet - erfolgreich erobert hat, rammen die Suchmaschinen-Betreiber nun ihre Flagge in den erdnächsten Himmelskörper: den Mond.

Pünktlich zum 36. Jahrestag der ersten Mondlandung startet jetzt "Google Moon". Auf den ersten Blick ähnelt der Dienst dem viel diskutierten "Google Maps": Satellitenbilder von großen Teilen der Erde erlauben intime Blicke auf Städte, Seen, Meere, Gebirge und mitunter auch auf Atomkraftwerke und US-Militärbasen.

Auf den zweiten Blick aber wird klar, dass "Google Moon" vor allem eines beweist: Die Suchmaschine mag an der Börse mehr wert sein als etwa die etablierten Industrieriesen General Motors und Ford zusammen, in ihren Betreibern aber lauert noch immer der Lausbub.

Zoom erlaubt tiefe Einsichten

Wer zweifelt, benutze die Zoomfunktion von "Google Moon" und betrachte den Mond aus größtmöglicher Nähe. Es öffnet sich ein Fenster in die Kinderstube der New Economy, auf Erden längst abgebrannt, auf ihrem Trabanten aber in bester Verfassung. Wir sehen, was wir lange geahnt haben: Der Mond ist aus Käse.

Höchste Zoomstufe: Bei Google ist der Mond aus Käse

Höchste Zoomstufe: Bei Google ist der Mond aus Käse

"Warum habt ihr das getan?" lautet die erste der laut Google oft gestellten Fragen. Die Antwort: Man habe sich keine bessere Art vorstellen können, an die erste Mondlandung am 20. Juli 1969 zu erinnern. Dass es nur einen kleinen Flecken der Mondoberfläche zu sehen gibt, der einfach ein paar Mal aneinander gereiht ist, sei die Schuld der Nasa: Die Raumfahrtbehörde habe einfach nicht mehr Bildmaterial herausrücken wollen.

Ein großzügiger Ausbau von "Google Moon" nach Vorbild des irdischen Satellitenbilder-Dienstes sei aber ohnehin nicht geplant, sagte Stefan Keuchel, Sprecher von Google Deutschland, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Wir planen keine eigene Applikation. 'Google Moon' wird bleiben, was es ist."

Ist Spam unendlich?

Allerdings verrät Google dann doch noch eine Sensation: Am 20. Juli 2069, dem 100. Jahrestag der ersten Mondlandung, werde Google Moon die vollen Suchfunktionen der irdischen Suchmaschine bieten. "Damit unsere Benutzer lunare Geschäftsadressen, Telefonnummern und Bürozeiten schnell herausfinden können", heißt es auf "Google Moon".

So etwas geht natürlich nicht ohne eine Filiale vor Ort. Deshalb führe man schon jetzt Gespräche mit Kandidaten für die Ingenieurs-Posten auf der Google-Mondstation. Gesucht würden hoch qualifizierte Menschen, die auf regelmäßigen Zugang zu Annehmlichkeiten wie fettarme Milch oder ständige Sauerstoffzufuhr verzichten könnten. Der Name der Einrichtung sei auch schon ausgewählt: "Google Copernicus Hosting Environment and Experiment in Search Engineering" - kurz: "G.C.H.E.E.S.E."

Ist die Station erst errichtet, warten die nächsten Herausforderungen. Die Fragen, die man sich bei "Google Moon" derzeit stellt, lauten etwa, was mit Links bei extremen Entfernungen im All geschieht. Gibt es eine Grenze für die Linkstärke, oder ist sie grenzenlos dehnbar wie Kaugummi an der Schuhsohle? Was passiert dem Pagerank in der Nähe eines Schwarzen Lochs? Wird die Seiten-Rangfolge verzerrt, so dass es zu einer Beliebtheitsverformung kommt? Und, die wohl wichtigste aller Fragen: Ist Spam unendlich?

Markus Becker



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