Gravitationswirkung: Exoplanet tanzt auf tödlicher Bahn

Der neu entdeckte Exoplanet "WASP-18b"hat nur noch eine kurze Lebenserwartung. Der riesige Himmelskörper umkreist sein Zentralgestirn in furiosem Tempo - bis zum Zusammenstoß. Forscher sind erstaunt über die Konstellation, manche zweifeln sogar an grundlegenden Berechnungen.

Exoplanet und Zentralgestirn (künstlerische Darstellung): "Durch die Erzeugung der Plasmaströme verursacht er seine eigene Vernichtung" Zur Großansicht
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Exoplanet und Zentralgestirn (künstlerische Darstellung): "Durch die Erzeugung der Plasmaströme verursacht er seine eigene Vernichtung"

Washington - "WASP-18b" ist ein echtes Schwergewicht. Er ist ungefähr zehnmal so groß wie Jupiter, der größte Planet in unserem Sonnensystem. Der Exoplanet liegt rund 325 Lichtjahre von der Erde entfernt, was ihn nach astronomischen Maßstäben quasi zu unserem Nachbarn macht. Der Planet umkreist seine Sonne in einer Entfernung von gerade einmal drei Millionen Kilometern. Das ist nur ein Fünfzigstel der Entfernung zwischen Erde und Sonne. In weniger als einem Erdentag rast "WASP-18b" einmal um sein Zentralgestirn.

Damit, so schreibt eine Forschergruppe um Coel Hellier von der britischen Keele University im Wissenschaftsmagazin "Nature", beschleunigt er sein eigenes Ende. Mit seiner Anziehungskraft rufe der Planet gigantische und für ihn letztlich verhängnisvolle Plasmaströme auf seiner nahegelegenen Sonne hervor. Denn diese Plasmaströme beeinflussten wiederum die Umlaufbahn des Planeten. Die Folge: "WASP-18b", der seltsame Riese, trudele in einer Art Todesspirale immer schneller auf seine Sonne zu.

"Durch die Erzeugung der Plasmaströme verursacht er seine eigene Vernichtung", sagt Hellier. Es ist aber wohl, trotz allem, ein langsamer Tod: "WASP-18b" wird nach Einschätzung des Forschers noch etwa eine Million Jahre seinen feurigen Todestango tanzen. Interessant ist auch die Frage, warum der Planet eigentlich noch existiert. Er dürfte, so die Vermutung der Forscher, rund eine Milliarde Jahre alt sein. Weil er sich so dicht an seinem Zentralgestirn befindet, dürfte er aber eigentlich gar nicht mehr existieren.

Zweifel an grundlegenden Berechnungen

Aus dem Sonnensystem kennen die Astronomen einen ähnlich mysteriösen Kandidaten. Es ist der Marsmond Phobos, der seinem Planeten ebenfalls ungewöhnlich nahe ist. Er bewegt sich rund 6000 Kilometer von der Marsoberfläche entfernt. Für einen Umlauf um den Mars braucht er weniger als acht Stunden. In 50 Millionen Jahren müsste er auf dem Mars aufschlagen.

Die Entdeckung von "WASP-18b" ist so ungewöhnlich, dass der US-Astronom Douglas Hamilton von der University of Maryland in einem Kommentar die Frage aufwirft, ob es nicht auch eine andere Erklärung für das Phänomen geben kann. Es könnte seiner Ansicht nach auch sein, dass einige grundlegende physikalische Berechnungen, auf die sich alle Astronomen verlassen, total falsch seien. Die Antwort werde man in weniger als einem Jahrzehnt haben, wenn man sehe, ob der Planet seine Todesspirale fortsetze, sagte Hamilton.

Wie die meisten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems wurde der Planet nicht direkt mit einem Teleskop entdeckt. Die Astronomen kamen ihm auf die Spur, indem sie eine Verringerung des Lichts feststellten, das die im Sternbild Phoenix gelegene Sonne "WASP-18" jedes Mal aussendet, wenn der Planet sich zwischen sie und die Erde schiebt. Bislang haben Astronomen mehr als 370 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt.

chs/AP

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