Hawaii Teleskop wird wegen Protesten abgebaut

Auf Hawaii soll eines der größten Teleskope der Welt entstehen. Doch gegen den Bau des Thirty Meter Telescope gibt es massiven Protest. Nun soll ein älteres Observatorium weichen, um die Gegner zu besänftigen.

Mauna Kea: Teleskop Ukirt soll verschwinden
AP/dpa

Mauna Kea: Teleskop Ukirt soll verschwinden


Die Stimmung im Paradies ist schlecht. Auf dem hawaiianischen Vulkan Mauna Kea soll eines der größten Teleskope der Welt entstehen. Doch eine breite Allianz macht Front gegen den Bau des Thirty Meter Telescope (TMT). Denn es soll auf dem heiligsten Platz der hawaiianischen Religion und Kultur stehen - und außerdem gibt es dort schon ein Dutzend anderer Teleskope.

Nun hat die University of Hawaii einen Schritt angekündigt, der die Gegner besänftigen soll. Das 1979 auf dem Mauna Kea errichtete Infrarotteleskop Ukirt wird in sechs bis sieben Jahren ersatzlos abgerissen. Es wäre damit das dritte Observatorium, das vor dem Bau des TMT verschwindet. Zuvor waren bereits Pläne zum Abbau des größeren Caltech Submillimeter Observatory und des kleineren Hoku Kea Ausbildungsteleskops der University of Hawaii bekannt geworden.

Mit der Ankündigung für den Abriss des dritten Teleskops wird eine Vorgabe von Inselgouverneur David Ige umgesetzt. Dieser hatte im Mai versprochen, dass ein Viertel der bisherigen Teleskope auf dem Mauna Kea weichen muss, bevor das TMT angeschaltet werden kann.

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Streit um Teleskop: Tradition gegen Moderne
Die Bauarbeiten am TMT ruhen seit massiven Protesten im April. Zum Teil waren mehrere Hundert Menschen gekommen, Hawaiianer genauso wie Umweltschützer. Ob die Abrissankündigungen reichen, um die Gegner zufriedenzustellen, muss sich zeigen.

US-Präsident Barack Obama kündigte kürzlich eine weitere Maßnahme an, die für bessere Stimmung sorgen soll: Bei einer Astronomie-Nacht im Weißen Haus stellte er am Montag ein Besuchsprogramm für Anwohner vor. Interessierte Hawaiianer sollen sich einmal im Monat in zwei Teleskopen auf der Spitze des Mauna Kea umsehen können. In Begleitung von Experten.

Der Berg ist ein interessanter Ort für Astronomen, weil die Luft in 4200 Meter Höhe sehr dünn und extrem trocken ist. Dadurch werden die Beobachtungen nur wenig gestört.

Das Thirty Meter Telescope verspricht eine neue Qualität der Himmelsbeobachtung im nahen und mittleren Infrarotbereich. Der Hauptspiegel soll aus 492 Einzelteilen zusammengesetzt werden - und ab dem Jahr 2024 zum Teil zehn Mal schärfere Bilder liefern als das "Hubble"-Weltraumteleskop. Das TMT kostet mehr als eine Milliarde Dollar. Das Geld kommt unter anderem aus den USA, Japan, Kanada, Indien und China.

chs



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spon-facebook-512598660 22.10.2015
1. Irrational
Wenn einem die Berge heiliger sind, als die Erforschung des Universums, finde ich das sehr irrational. Diese Lokation ist astronomisch relativ einmalig auf der Welt. Man kann nicht so einfach ausweichen. Das führende reine erdgebundene Infrarot Teleskop einfach zu schließen, ist ebenso absurd wie teuer. Wir leben wohl doch eher im 18. Jahrhundert als im 21. Jahrhundert...
Mark Strippel 22.10.2015
2. Weniger Forschung wegen Religion
Schade das eine kleine Gruppe Menschen einer Insel einer großen Gruppe von Weltraum und Wissenschaft begeisterten Menschen ihre Forschungsarbeiten dermaßen einschränken können. Ob es für die Kosten des verfrühten Abrisses eine Entschädigung gibt? Ich versteh deren Logik nicht. Entweder der Berg ist ihnen so heilig das dort keine Teleskope gebaut werden dürfen oder es sollte keinen Unterschied machen ob die vorhandene Anzahl mehr wird. Leider wiegt hier das Recht von wenigen Inselbewohnern über dem von allen Weltweiten Astronomie Fans. Als nächstes wird dann wohl verboten auf dem Mond ein Teleskop auf zu bauen wegen der heiligen Mond Göttin. Bleibt uns wohl nur ab zu warten bis die Mehrheit ihren Glauben an die Götter aufgibt und wir endlich mit allen Möglichkeiten weiter Forschen können. Oder es wird Weltweit abgestimmt, ob die Nutzung eines Berges im Interesse der Allgemeinheit das Recht der Inselbewohner überwiegt. Vielleicht finden wir dann auch hinweise auf Außerirdische.
cicero_muc 22.10.2015
3. Am besten ein noch größeres Teleskop bauen
Teleskope aus religiösen Erwägungen abzubauen oder nicht zu bauen ist schon ein Hinweis darauf dass die Menschheit erst seit 10000 Jahren mit der Erfindung der Landwirtschaft aktiv Technolgie betreibt und dass der Ausdruck "Technologie" erst seit 1829 überhaupt erstmalig Verwendung fand. Am besten sollte gleich ein noch größeres Teleskop gebaut werden, den Fortschritt sollte man nicht wegen spirituellen Anwandlungen aufhalten. Noch bessere wäre es den Plan ein Teleskop auf dem Mond zu bauen vor zu ziehen. Da kann es keine unseeligen okkult-spiritistischen Befindsamkeiten geben die im Wege stehen. Die meisten Lebensmittel müssen von Außen nach Hawaii geschafft werden weil die Region sich nicht selber aufrecht erhalten könnte. Sich einerseits auf Technologie zu verlassen um zu überlegen und andererseits Forschung und Wissenschaft zu behindern passt nicht sonderlich gut zusammen.
Layer_8 22.10.2015
4.
Wird vielleicht auch "etwas" schlechtes Gewissen sein, das heute aufkommt. Hawaii ist ja letztendlich irgendwie nicht freiwillig den USA beigetreten. Damals im Zeitalter des Kolonialismus/Imperialismus. Und wenn das neue Teleskop gebaut werden kann, können manche alte auch weg. Keine sehr große Einschränkung für die Astronomie. Zumal fürs Infrarote ja ein schönes Weltraumteleskop schon in Arbeit ist.
bissig 22.10.2015
5.
Ich kann die Hawaiianer schon verstehen. Der Aufschrei wäre um ein vielfaches grösser (und würde garantiert von viel Verständnisbekundungen begleitet werden), wenn man ein solches Vorhaben in Rom, Mekka, oder Jerusalem durchführen wollte. Ob die ersten 3 Kommentare dann genauso ausgefallen wären?
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