Landeapparat "Mascot" Deutsche Hüpfsonde zu Asteroid gestartet

Die Raumsonde "Hayabusa 2" ist erfolgreich gestartet. Vier Jahre lang wird sie zu ihrem Ziel-Asteroiden unterwegs sein. Dann soll auf dem Felsklotz eine schuhkartongroße Box aus Deutschland landen - und gigantische Sprünge vollführen.


Hamburg - Mit Landungen auf unwirtlichen Himmelskörpern kennt man sich beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mittlerweile ganz gut aus. Der spektakuläre Besuch auf dem Kometen Tschuri liegt erst wenige Wochen zurück, nun nehmen die Forscher bereits den nächsten Himmelskörper ins Visier. Diesmal geht es zu einem Asteroiden - und wieder soll ein Apparat den Boden erreichen und untersuchen.

Am Mittwoch ist die japanische Sonde "Hayabusa 2" mit einer H-IIA-Rakete vom Raumfahrtzentrum Tanegashima im Süden Japans ins All aufgebrochen. Mit dabei ist das in Deutschland entwickelte "Mascot"-Landegerät. Sein Name, kurz für "Mobile Asteroid Surface Scout", ist Programm: Die Box von der Größe eines Schuhkartons soll auf der Oberfläche des Asteroiden "1999 JU3" herumhüpfen und seiner Muttersonde "Hayabusa 2" Hinweise geben, wo sie interessante Materialproben einsammeln kann.

Die Reise zum Asteroiden wird rund vier Jahre dauern. "Mascot" fliegt huckepack mit der japanischen Sonde mit. Es werde "die nächste Etappe einer aufregenden Reise ins All", sagte Hansjörg Dittus, DLR-Vorstand für die Raumfahrt.

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Mission "Mascot": Landung auf Asteroiden
Der Asteroid "1999 JU 3" gehört zu einer häufig vorkommenden Klasse von erdnahen Asteroiden. Er zieht zwischen Mars und Erde seine Bahn und ist gerade einmal einen Kilometer im Durchmesser groß. Asteroiden stammen aus der Frühzeit unseres Sonnensystems, daher rührt auch das große Interesse der Wissenschaftler. Teleskopmessungen von der Erde aus lassen vermuten, dass "1999 JU 3" eventuell Wasser enthält. Es besteht die Möglichkeit, dass Asteroiden einst mit Einschlägen auf der Erde auch Wasser zu unserem Planeten gebracht haben könnten.

Abwurf aus 100 Metern Höhe

"Hayabusa 2" wird den Asteroiden zunächst für ein Jahr begleiten, bevor der Lander aus etwa hundert Metern Höhe abgesetzt wird. Wichtig ist, dass die Kiste möglichst langsam auf der Oberfläche auftrifft - damit sie nicht wie ein Pingpongball wegspringt. Genau wie beim Kometen Tschuri ist auch beim Asteroiden "1999 JU 3" die Gravitationskraft äußerst gering. Die geringe Anziehung war es auch, die den Lander "Philae" nach dem ersten Touchdown auf Tschuri noch einen Kilometer weit hüpfen ließ.

Anders als "Philae" verfügt "Mascot" über keine Mechanismen, um sich auf der Oberfläche festzukrallen. Ganz im Gegenteil: Mit Hilfe des eingebauten Schwungarms soll der zehn Kilogramm schwere Apparat bis zu 70 Meter weit hüpfen und erstmals Messungen an verschiedenen Stellen eines Asteroiden vornehmen. Die Sonde "Hayabusa 2" umkreist den Felsklotz währenddessen, kartografiert ihn und sammelt Staub von der Oberfläche ein, der über der Asteroidenoberfläche schwebt. Die Proben sollen anschließend zur Erde zurückgebracht werden.

Es wäre erst das zweite Mal, dass der waghalsige Stunt einer Probenrückführung gelingt - von Mondmissionen einmal abgesehen. Mit der Sonde "Hayabusa 1" hatte die japanische Weltraumagentur Jaxa im Jahr 2010 zum ersten Mal Staub vom Asteroiden Itokawa zur Erde gebracht. Auch wenn es sich nur um wenige Milligramm handelte, die noch nicht einmal mit bloßem Auge sichtbar waren: Die Sammelaktion war wissenschaftlich ein Erfolg.

Viel Zeit bleibt "Mascot" übrigens nicht, um den Asteroiden hüpfend zu erkunden. Der Lander hat keine ausklappbaren Solarpanel, die Techniker wollten ihn so einfach wie möglich bauen. Nur für etwa 16 Stunden wird der Strom seiner Lithium-Ionen-Batterie reichen.

chs/hda/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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mimas101 03.12.2014
1. tststs
jetzt laden wir schon Müll auf anderen Himmelskörpern ab, wenn der Kasten auf dem Asteroiden bleiben sollte. Und wer räumt das alles wieder weg und was passiert eigentlich mit eventuellen Viren, Mikroben, Stubenfliegen und Salamandern die sich in den Schuhkarton verirrt haben könnten? Das wollte ich schon immer mal wissen.
KingTut 03.12.2014
2. Genial
Es ist eine geniale Strategie, die Asteroidenoberfläche durch eine hüpfende Sonde zu erkunden. Wir stehen hier wieder vor einer interessante Forschungsreise, auch wenn es einige Jahre dauern wird, bis erste Resultate zur Erde gefunkt werden. Erfreulich ist auch, dass Deutschland hier wieder federführend dabei ist. Es müsste viel mehr solcher Missionen geben, denn alleine in unserem Sonnensystem gibt es eine nahezu unerschöpfliche Menge an Objekten, die es zu erforschen gilt. Gelänge es, die Verschwendung von Steuergeldern zu vermeiden, wie sie der Bundesrechnungshof jedes Jahr aufdeckt, dann könnten wir bequem eine Vielzahl solcher Projekte finanzieren, einschließlich einer eigenen Marsmission. Aber es wird wohl nur ein Traum bleiben.
unisicht 03.12.2014
3. Ausflug
Hätte man da nicht ein paar Politiker und Konsorten mitschicken können?
rothaus_baden 03.12.2014
4.
Ein weiteres großartiges Projekt (:
mheitm 03.12.2014
5. Nix Müll
In 100 Millionen Jahren schlägt der Asteroid vielleicht irgendwo ein und nochmal 100 Millionen Jahre später fragen sich dann intelligente Salamander wie das Leben enstanden ist :-) Fragt sich nur noch, von wessen Schuhkarton wir abstammen.
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