Heißer Winzling Forscher finden bisher kleinsten Felsplaneten

Neuer Rekord im All: Forscher haben den kleinsten bisher bekannten Exoplaneten entdeckt. Er ist nur knapp anderthalb Mal so groß wie die Erde - und damit definitiv ein Felsplanet. Leben dürfte auf der glühend heißen Welt allerdings nicht existieren.

NASA / Kepler Mission / Dana Berry

Mehr als acht Monate lang hat das "Kepler"-Weltraumteleskop die Daten gesammelt. Dann waren sich die Astronomen sicher: Sie haben den bisher kleinsten bekannten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Der Himmelskörper namens Kepler-10b ist in seinem Durchmesser nur 1,4-mal so groß wie die Erde, besitzt aber das 4,6-Fache von deren Masse. Der Grund ist die vergleichsweise hohe Dichte des Exoplaneten: Sie liegt mit 8,8 Gramm pro Kubikzentimeter etwas höher als die einer Eisenkugel.

Leben dürfte es auf Kepler-10b allerdings nicht geben, wie die Forscher um Natalie Batalha vom Ames Research Center der US-Weltraumbehörde Nasa demnächst im "Astrophysical Journal" schreiben werden. Sein Abstand zu seinem Heimatstern, den er in weniger als einem Erdentag einmal umrundet, beträgt nur ungefähr ein Zwanzigstel der Distanz zwischen unserer Sonne und Merkur, dem innersten Planeten. Auf seiner Oberfläche dürften fast 1400 Grad Celsius herrschen. Das ist heißer als irdische Lava und "heiß genug, um Eisen zu schmelzen", sagte Batalha. Sie fühle sich an hypothetischen Planeten Vulkan erinnert, von dem im 19. Jahrhundert angenommen wurde, er befinde sich zwischen Merkur und Sonne. Die Theorie wurde verworfen, als die Abweichungen in der Bahn des Merkur mit Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie erklärt werden konnten.

Premiere für "Kepler"-Teleskop

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Kepler-10b: Glühender Winzling
Kepler-10b ist der erste Felsplanet, den das "Kepler"-Teleskop entdeckt hat. Der erste Felsplanet-Nachweis überhaupt geht allerdings auf das Konto der Konkurrenz an der Europäischen Südsternwarte (Eso): Sie entdeckte bereits im September 2009 einen Planeten namens Corot-7b. Er ist zwar mit 1,7 Erdendurchmessern etwas größer als der jetzt entdeckte Kepler-10b, aber auch deutlich leichter: Seine Masse ist nur fünfmal so groß wie die der Erde.

Beide Exoplaneten wurden mit der sogenannten Transit-Methode nachgewiesen (siehe Kasten links): Das Teleskop misst die winzige Absenkung der Helligkeit eines Sterns, wenn ein Planet von der Erde aus betrachtet genau vor ihm vorbeizieht. Die Zeit, die zwischen zwei Wiederholungen vergeht, erlaubt Aufschluss auf die Distanz zwischen den beiden Himmelskörpern.

Batalha und ihre Kollegen betonen, dass der Planetenfund ein wichtiger Schritt für das "Kepler"-Teleskop sei. Das Observatorium, das im März 2009 ins All geschossen wurde, soll gezielt nach erdähnlichen Planeten suchen, die sich in der sogenannten grünen Zone befinden - jenem Abstandsbereich zu einem Stern, der flüssiges Wasser und damit Leben ermöglichen würde. Derartig kleine Felsplaneten zu finden, ist äußerst schwierig: Sie üben wegen ihrer geringen Masse keinen besonders großen Einfluss auf die Bewegungen ihrer Heimatsterne aus und werden von ihnen bei weitem überstrahlt. Bei den weitaus meisten bisher entdeckten Exoplaneten handelt es sich deshalb über Gasriesen nach Art des Jupiters.

mbe


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