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"Herschel" und "Planck": Esa schießt Weltraumteleskope ins All

Das eine soll Fotos vom frühen Universum machen, das andere dem Echo des Urknalls lauschen: Die Europäische Weltraumbehörde Esa hat die beiden Teleskope "Herschel" und "Planck" ins All befördert - und hält damit auch einen Rekord vor der Nasa.

Paris - Das europäische Duo ist im All: Nach mehreren Startverschiebungen hoben die Weltraumteleskope "Herschel" und "Planck" um 15.12 Uhr MESZ mit einer Ariane 5 ECA vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ab. Eine knappe Stunde nach dem erfolgreichen Start der beiden Weltraumteleskope "Herschel" und "Planck" empfing das europäische Raumfahrtkontrollzentrum in Darmstadt auch schon die ersten Signale der beiden Satelliten - sie seien klar und kräftig, teilte die Esa mit.

Mit den Teleskopen will die Weltraumbehörde auf die Suche nach den Anfängen des Universums gehen. Das Super-Observatorium "Herschel" soll frühe Galaxien aufspüren, "Planck" soll das Echo des Urknalls so genau vermessen wie nie zuvor. Insgesamt 1,8 Milliarden Euro hat sich die Esa das Projekt kosten lassen. Namensgeber des Teleskops ist der deutsch-britische Astronom Willhelm Herschel, der Ende des 18. Jahrhunderts den Planeten Uranus entdeckte.

Größter Spiegel im All

Das fliegende Duo gehört laut Esa "zu den ehrgeizigsten Weltraummissionen, die Europa je auf den Weg gebracht hat". In der Tat ist der Aufwand groß, den die Esa und ihre Partnerinstitute für "Herschel" betrieben haben: 17 Firmen waren am Bau des Observatoriums beteiligt. Der Hauptspiegel misst im Durchmesser 3,5 Meter - fast eineinhalb mal so viel wie der des US-Teleskops "Hubble", dem die Crew der Raumfähre "Atlantis" in den kommenden Tagen eine Generalüberholung verpassen wird. Damit ist "Herschels" Spiegel laut Esa "der größte, der jemals ins Weltall geflogen wurde".

Zumindest für einige Jahre wird der Titel in Europa bleiben: Frühestens für das Jahr 2013 plant die US-Raumfahrtbehörde Nasa den Start eines noch größeren Weltraumteleskops. Das ebenfalls für Infrarot-Beobachtungen optimierte "James Webb Space Telescope" soll einen Spiegel mit 6,5 Metern Durchmesser bekommen. Es wird das Weltraumteleskop "Hubble" ablösen. Das erste seiner 18 Spiegelsegmente hat bereits die ersten Kältetests erfolgreich absolviert.

Die Nasa hat noch weitere Augen im All: Das vor zwei Monaten ins All geschossene Teleskop " Kepler" ging am gestrigen Mittwoch in Betrieb, wie die Nasa bekannt gab. Es soll in den nächsten dreieinhalb Jahren in einem entlegenen Winkel der Milchstraße nach erdähnlichen, möglicherweise bewohnbaren Planeten suchen.

Um seine Stärken voll ausspielen zu können, muss "Herschel" gebührenden Abstand zur Erde halten. Denn für die Beobachtung der Infrarotstrahlung müssen seine Instrumente auf 0,3 bis 2 Grad über dem absoluten Nullpunkt von minus 273,15 Grad Celsius gekühlt werden. Im Erdorbit würde die Wärmestrahlung der Erde den Satelliten zu sehr erwärmen. Mit Mond und Sonne würden zudem zwei weitere Störquellen in ständig wechselnden Richtungen das Teleskop behindern.

Um diese Störeinflüsse zu minimieren, werden "Herschel" und auch "Planck" in rund 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde stationiert. Dort soll "Herschel" synchron mit der Erde um die Sonne laufen.

Kältester Punkt des Universums

Die Detektoren von "Planck" werden sogar noch stärker abgekühlt als die von "Herschel" - bis auf eine Temperatur von 0,1 Grad über dem absoluten Nullpunkt. Sie werden damit zum kältesten Punkt des Universums, schwärmt die Esa. Das sei nötig, damit das Teleskop extrem schwache Temperaturschwankungen aus der ersten Zeit des Weltalls erfassen könne. Der Satellit zeichnet den sogenannten Mikrowellenhintergrund auf, also ein Relikt des ersten Lichts nach dem Urknall. Aus 500 Milliarden Einzelmessungen soll dabei eine neue Himmelskarte entstehen - mit deutlich besserer Auflösung als bei früheren Projekten wie "Cobe" oder "WMAP".

"Herschel" soll mindestens drei Jahre arbeiten, das "Planck"-Teleskop nur 15 Monate. Das Problem: Das zur Kühlung nötige Helium verdampft mit der Zeit. Anders als bei "Hubble" wird es eine Verlängerung der beiden Missionen nicht geben. Die Entfernung der europäischen Teleskope von der Erde ist zu groß, um per Raumschiff kurz ein Reparaturteam vorbeizuschicken.

lub/chs/AP/dpa

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