"Herschel" Weltraumteleskop blickt ins kosmische Nichts

Ein Loch im All? Naja, fast. Europas neues Weltraumteleskop "Herschel" hat einen Bereich im Sternbild Orion unter die Lupe genommen, von dem Astronomen bisher vermuteten, dass es dort eine extrem dichte Staub- und Gaswolke gibt. Doch tatsächlich ist das Gebiet wohl einfach nur leer.

Nebel NGC 1999 (grün, im oberen Bildbereich) mit Loch: Kein Beleg für die Wolke
ESA / HOPS Consortium

Nebel NGC 1999 (grün, im oberen Bildbereich) mit Loch: Kein Beleg für die Wolke


"Herschel" sieht gern jungen Rackern zu. In der vergangenen Woche veröffentlichten Esa-Forscher Bilder ihres Weltraumteleskops, auf denen heranwachsende Sterne und die sie umgebenden Wolken zu sehen sind (siehe auch Fotostrecke). Eine neue Aufnahme zeigt nun, dass die kosmischen Halbstarken dabei zumindest in manchen Fällen wundersame Löcher ins All zaubern können.

Fotostrecke

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"Herschel": Kosmischer Whirlpool im Blick
Die Astronomen hatten sich den Reflexionsnebel NGC 1999 im Sternbild Orion angesehen. Die Struktur ist etwa 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt. Eine riesige Gaswolke leuchtet hier, weil sie von einem jungen Stern in der Nachbarschaft, V380 Orionis, angestrahlt wird. Doch ganz in der Nähe gibt es einen vollkommen schwarzen Bereich.

Bisher vermuteten Wissenschaftler, dass hier die Wolke aus Staub und Gas so dicht ist, dass kein Licht hindurch dringen kann. In dieser sogenannten Globule könnten - ganz unbeobachtet - weitere Sterne entstehen. Das ließ zumindest ein Bild des "Hubble"-Weltraumteleskops vermuten, das die Region im März 2000 untersucht hatte.

Das neue "Herschel"-Bild legt nun aber nahe, dass das All in diesem Bereich tatsächlich weitgehend leer ist - denn auch für die extrem sensiblen Infrarot-Instrumente des Esa-Teleskops bleibt das Areal schwarz. "Noch nie hat jemand solch ein Loch gesehen", sagt Tom Megeath von der University of Toldeo (US-Bundesstaat Ohio). Er hatte die von "Herschel" untersuchte Region anschließend mit erdbasierten Teleskopen in den Blick genommen - und auch auf diese Weise keinen Beleg für eine besonders dichte Wolke finden können.

Astronomen vermuten nun, dass das Loch in NGC 1999 durch schnelle Ströme von Gas entstanden ist. Sie könnten von dem jungen Stern ins All geschossen sein. Unter Umständen habe auch starke Strahlung eines älteren, benachbarten Sterns dazu beigetragen, das Areal von Staub und Gas zu befreien.

chs



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