"Himiko" Forscher entdecken mysteriöses Objekt aus der All-Frühzeit

Es ist gigantisch groß und stammt aus der Frühzeit unseres Universums - viel mehr wissen die Astronomen nicht über das unbekannte Objekt, dem sie den Namen "Himiko" gegeben haben. Es existierte bereits 800 Millionen Jahre nach Urknall.


Washington - Es sei erstaunlich, ein so großes Objekt zu entdecken, das bereits so früh nach Entstehung des Universums existierte, sagt Masami Ouchi von der Carnegie Institution im kalifornischen Pasadena. Der Forscher gehört zu einer Astronomengruppe, die die Formation entdeckt hat, die mit einer Ausdehnung von 55.000 Lichtjahren ungefähr halb so groß ist wie unsere Milchstraße. Seine Ergebnisse veröffentlicht das Team in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal".

Die Forscher hatten "Himiko" mit Hilfe mehrerer hochentwickelter Teleskope entdeckt, darunter das Subaru-Telesko auf dem Mauna Kea in Hawaii und das "Spitzer"-Weltraumteleskop. Zunächst glaubten die Forscher lediglich an ein Störsignal, das die Messung ihrer Teleskope beeinträchtigte. Das lag daran, dass die Signale, die Ouchi und sein Team empfangen konnten, nur sehr schwach waren. Doch das Spektrum zeigte deutlich die Signatur von Wasserstoff und lieferte den Wissenschaftlern Hinweise auf die enorme Entfernung des Objekts.

Das nach der legendären japanischen Königin "Himiko" benannte Objekt soll bereits existiert haben, als das Universum erst 800 Millionen Jahre alt war. Es ist damit eines der am weitesten entfernten Objekte im All, von denen die Menschheit weiß. "Je weiter man in das Universum hineinblickt, desto weiter geht man in der Zeit zurück", sagt Forscher Ouchi. Derzeit gehen die Forscher davon aus, dass unser Universum etwa 13,7 Milliarden Jahre alt ist. Die ersten Sterne und Quasare dürften sich nach den aktuellen Theorien nach ungefähr 200 Millionen Jahren geformt haben.

Bisher ist ziemlich unklar, worum es sich bei "Himiko" eigentlich genau handelt. Die Forscher haben ihren Fund in die Kategorie der sogenannten Lyman-Alpha Blobs einsortiert. Das sind Objekte, die ein charakteristisches Lichtspektrum aussenden. Mit Durchmessern von bis über 400.000 Lichtjahren gehören sie zu den größten bekannten Himmelskörpern.

Wegen der großen Entfernung sind die Bilder nur unscharf, es gibt daher keine genauen Erkenntnisse über die Entstehung des Objekts. Die Forscher vermuten, dass es sich um eine gigantische Gasblase handeln könnte, oder um das Resultat der Kollision zweier Galaxien. Es könnte sich auch um eine einzige riesige Galaxie handeln. Sie wäre mit insgesamt 40 Milliarden Sonnenmassen aber vergleichsweise massereich.

Die Forscher schlagen nun vor, das Objekt mit dem Keck-Teleskop auf Hawaii zu untersuchen. Infrarotaufnahmen könnten dabei klären helfen, wie viele Sterne im Inneren von "Himiko" gebildet werden - und ob deren massenhafte Geburt die große ionisierte Gaswolke erklären kann, die die Forscher beobachten konnten.

chs/AFP/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.