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25. Dezember 2011, 12:10 Uhr

Himmelsphänomen

"Wie ganz viele Sternschnuppen auf einem Fleck"

Viele Deutsche sahen an Heiligabend einen glühenden Lichtschweif am Himmel. Was war da passiert? Die Assoziation mit dem Stern von Betlehem liegt nahe, doch Experten vermuten hinter dem Phänomen eine recht irdische Ursache.

Hamburg - Der Zeitpunkt konnte kaum spektakulärer sein: An Heiligabend gegen 17.30 Uhr beobachteten Menschen in weiten Teilen Deutschlands einen hellen Lichtschweif am Himmel. Auch über Belgien und den Niederlanden war das Phänomen zu sehen, das Assoziationen mit dem Stern von Betlehem weckte, manche sprachen auch von einem dahinrasenden Weihnachtsmann in seinem Schlitten.

War es ein Meteorit, der in die Erdatmosphäre eingetreten ist? Oder sorgten Teile einer russischen "Sojus"-Rakete für das Leuchten? Die Rakete war am Mittwoch vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abgehoben - sie hat drei neue Besatzungsmitglieder zur internationalen Raumstation ISS gebracht, wo sie am Freitag andockte.

In verschiedenen Internetforen beschrieben und diskutierten Menschen das weihnachtliche Himmelsphänomen. "Es sah aus, als würden viele Sternschnuppen auf einem Fleck zu sehen sein", schreibt etwa ein Nutzer im Forum des Arbeitskreises Meteore e.V. Bei Astrotreff wird unter anderem beschrieben, dass der Schweif gelb-grünlich war und rot leuchtende Punkte enthielt. Auch in einem internationalen Forum finden sich zahlreiche Berichte, in denen das Objekt mal als rot und blau, mal als weiß, gelb oder orange beschrieben wird. Ein Pilot schreibt, er habe das Phänomen kurz vor der Landung am Frankfurter Flughafen gesichtet und mehrere Minuten lang beobachten können. Es habe ausgesehen, als würde etwas in die Atmosphäre eintreten und auseinanderbrechen.

Sojus-Oberstufe ist die wahrscheinlichste Erklärung

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hält am Sonntag den Wiedereintritt der "Sojus"-Oberstufe für die wahrscheinlichste Erklärung. Diese Raketenstufe wurde rund neun Stunden nach dem Start abgetrennt. Allerdings werde es voraussichtlich bis Dienstag dauern, bis diese Aussage offiziell bestätigt werden könne, teilte das DLR mit.

Einige Forscher sind sich schon hundertprozentig sicher, dass die abgestoßene Oberstufe der russischen "Sojus"-Rakete das Leuchten verursacht hat. Der niederländische Wissenschaftler Marco Langbroek schreibt in seinem Blog, dass die veröffentlichte Zeit des Wiedereintritts der Raketenstufe in die Atmosphäre mit der des beobachteten Leuchtens gut übereinstimme. Langbroek bezieht sich dabei auf Informationen des United States Strategic Command, das unter anderem den Wiedereintritt sämtlicher von Menschen hergestellter Objekte in die Atmosphäre überwacht. Die Daten sind allerdings nur für registrierte Nutzer einzusehen.

Aktualisierung: Am 26. Dezember hat die europäische Raumfahrtagentur Esa bestätigt, dass die verglühende Oberstufe der "Sojus"-Rakete den Lichtschweif verursacht hat.

wbr

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