"Hinode"-Mission Weltraum-Teleskop nimmt wilde Sonne ins Visier

Der Sonnengucker fliegt - und seine drei Instrumente funktionieren. Jetzt wollen Forscher der Sonne mit den Daten des japanischen Satelliten "Hinode" ihr Geheimnis entreißen: Woher stammt die Kraft für die wilden Ausbrüche und die Hitze in der Atmosphäre des Zentralgestirns?


Er ist der erste Satellit, der die Stärke und die Richtung des Magnetfeldes der Sonne messen kann - "Hinode" nimmt seine Arbeit auf. Ende September wurde der japanische Forschungssatellit gestartet. Seitdem umkreist er die Erde in einer Umlaufbahn, die es ihm erlauben soll, die Sonnen neun Monate lang ununterbrochen im Blick zu behalten.

Jetzt meldet das Team internationaler Wissenschaftler und Ingenieure, das "Hinodes" Instrumente kalibriert und getestet hat: Es kann losgehen. "Und nebenbei hat uns die Erprobung einige bemerkenswerte Aufnahmen der Sonne beschert", sagte John Davis, "Hinode"-Projektwissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde Nasa. "Diese ersten Bilder geben uns einen faszinierenden Ausblick darauf, was uns bevorsteht, wenn Ende Dezember die wissenschaftliche Phase der Mission begonnen hat."

Forscher aus Europa, Japan und den USA warten auf die Daten der drei Hauptinstrumente an Bord von "Hinode" (japanisch für Sonnenaufgang): einem optischen Teleskop, einem Röntgenteleskop und einem Spektrometer für ultraviolettes Licht. Aus der Kombination dieser drei Beobachtungsarten erhoffen sich Sonnenforscher Aufschlüsse über noch ungeklärte Abläufe an der Oberfläche der Sonne, die zu ihren heftigen Ausbrüchen führen. Die Nasa spricht gar von "neuen Aufschlüssen über unsere gewalttätige Sonne".

Höllenheiße Corona rätselhaft

Kurz vor Weihnachten hatte die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa, Betreiberin von "Hinode", bereits bekannt gegeben: Das Röntgeninstrument XRT habe Temperaturen im Bereich von Millionen Grad Celsius in der Corona der Sonne gemessen. "Wie die äußere Atmosphäre der Sonne so stark aufgeheizt werden kann, ist nach wie vor ein Rätsel", teilte die Jaxa mit.

Die gewaltigen Ausbrüche der Sonne, sogenannte Protuberanzen, können Astronauten gefährden, Kommunikationssatelliten außer Kraft setzen und sogar zu Problemen bei der Energieversorgung führen: Der Materiesturm an der Sonnenoberfläche wirkt sich auf der Erde auf Stromleitungen aus - und kann sogar Pipelines schaden. Auch die beliebten Polarlichter sind Folgen von Plasmastürmen, die die Sonne ins Weltall schleudert: Ionisierte Teilchen sorgen beim Eindringen in die Atmosphäre für das bunte Leuchten.

Wie das äußerst dynamische Magnetfeld, das die Kraft für dieses Toben liefert, sich aufbaut, wirkt und verändert, ist weitgehend ungeklärt. Darum soll "Hinode" jetzt Fotoaufnahmen und magnetische Karten der Sonnenoberfläche liefern. Das Spektrometer versorgt die Forscher zusätzlich mit Daten über die Geschwindigkeit des ausgestoßenen Sonnenmaterials, seiner Temperatur und Dichte. Durch "kontinuierliche, simultane Beobachtungen dieser spezifischen Sonneneigenschaften" (Davis) sollen die Zusammenhänge an der wilden Oberfläche des Zentralgestirns geklärt werden.

stx



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