Historische Supernova Sternenleiche wird verjüngt

Die Reste der Explosion rasen viel schneller durchs All, als bislang gedacht. Daher müssen Astronomen die Supernova, die einen unserer Nachbarsterne zerriss, kräftig umdatieren: Der neue Todeszeitpunkt fällt zusammen mit einer der ersten Supernova-Aufzeichnungen der Geschichte.


Es war ein lange währender Blitz am Firmament: Im Jahr 185 unserer Zeitrechnung leuchtete ein Licht im Sternbild Zentaur plötzlich grell auf. Unbeweglich und sehr hell funkelte es; erst allmählich erlosch es, nach nicht weniger als acht Monaten. So haben es die Schriftgelehrte aus dem Reich der Mitte für die Nachwelt festgehalten.

Sternentrümmer RCW 86 heute: Die Explosion des ursprünglichen Sterns wurde vor fast 2000 Jahren beobachtet
ESA

Sternentrümmer RCW 86 heute: Die Explosion des ursprünglichen Sterns wurde vor fast 2000 Jahren beobachtet

Die Beobachtung der Supernova, die Himmelsforscher im alten China vor fast 2000 Jahren dokumentierten, können heutige Astronomen nun mit jener Sternenleiche in Verbindung bringen, die den Namen RCW 86 trägt.

Es handelt sich dabei um die Reste einer Supernova - jenem Ereignis am Ende eines Sternenlebens. Kurz bevor einem großen Stern der Treibstoff ausgeht, dehnt er sich stark aus, schließlich kommt es zu einer gewaltigen Explosion. Dabei wird der Himmelskörper bis auf mehrere Millionen Grad erhitzt - und schließlich vernichtet. Während dieser Supernova steigt die Leuchtkraft des Himmelskörpers für einige Zeit so sehr an, dass er sogar heller strahlen kann als eine ganze Galaxie. Zurück bleibt ein Haufen aus Sternentrümmern, die in den Weltraum geschleudert werden und sich ringförmig ausbreiten.

Dass auch den Stern, der RCW 86 einmal war, ein solches Schicksal ereilt hat, wissen Astronomen bereits länger. Die Beobachtung fiel ihnen leicht, denn in diesem Fall fand das Ereignis in unserer eigenen Galaxie, der Milchstraße, statt. Ein ziemlich seltenes Ereignis in unserer Nachbarschaft, zumindest nach menschlichen Zeitmaßstäben: Seit Jahrhunderten wurde hier keine Sternenexplosion mehr beobachtet.

Und bislang glaubten die Forscher auch, dass man die Explosion des Ursprungssterns von RCW 86 vor 10.000 Jahren hätte beobachten können. Offenbar handelt es sich aber um eben jene Supernova, die die Chinesen vor fast 2000 Jahren verfolgt hatten - eine der frühesten Sternenexplosionen überhaupt, die Menschen nachweislich verfolgt und aufgezeichnet haben. Das schließen Astronomen aus neuen Beobachtungen mit Hilfe zweier Satelliten-Röntgenteleskope, die für die Raumfahrtbehörden Nasa und die Esa durchs All schweben. Die Explosion müsse um 8000 Jahre umdatiert werden, berichtet die internationale Forschergruppe um den Astronomen Jacco Vink von der Universität Utrecht in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal Letters".

Genauerer Blick auf den toten Stern: Links die neue Aufnahme des Röntgenteleskops "XMM Newton", rechts ein älteres Bild
ESA

Genauerer Blick auf den toten Stern: Links die neue Aufnahme des Röntgenteleskops "XMM Newton", rechts ein älteres Bild

Mit Hilfe des Nasa-Satelliten "Chandra" und des Esa-Weltraumobservatoriums "XMM-Newton" konnten die Forscher die Sternentrümmer genauer untersuchen. Vor allem wollten sie herausfinden, wie schnell sich die Schockwelle seit dem großen Knall bewegt und wie weit sie sich ausgedehnt hat. Damit konnten die Astronomen genau berechnen, wann die Supernova stattgefunden hat - vor nicht ganz 2000 Jahren. Dieser Zeitpunkt stimmt mit den historischen Beobachtungen aus China überein.

Warum es zu dem Datierungsfehler kam? Die Explosionsgeschwindigkeit sei bislang falsch eingeschätzt worden, schreibt Vink. Die neuen - exakteren - Messungen hätten ergeben, dass sich die Sternenreste viel schneller im All ausgebreitet haben und weiter ausbreiten als angenommen. Deswegen könnte jene Supernova, von nur die Trümmer RCW 86 übrig blieben, nicht so weit zurückliegen, wie bislang vermutet worden war.

akh



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