Hochpräzise Satellitenbilder: Deutsche Satelliten entdecken die dritte Dimension

Premierenfoto aus der Arktis: Das deutsche Satellitenduo "Tandem-X" und "Terrasar-X" hat seine ersten dreidimensionalen Bilder geliefert. Auf den hochpräzisen Aufnahmen aus dem hohen Norden sind selbst kleine Details gestochen scharf zu erkennen.

"Tandem-X": Dreidimensionale Landschaften Fotos
DLR

Die Oktoberrevolutions-Insel ist ein extremes Fleckchen Erde. Sie liegt in der hohen Artkis, auf 79 Grad nördlicher Breite. Die größte Insel der Sewernaja-Semlja-Gruppe ist mit mehr als 14.000 Quadratkilometern fast so groß wie Thüringen. Zur Hälfte bedecken dicke Gletscher das Eiland, der Rest ist öde Polarwüste. Für Forscher ist die Insel trotzdem interessant, so betrieb der Meteorologische Dienst der Sowjetunion eine Beobachtungsstation auf einem der Gletscher.

Nun haben Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Insel ins Visier genommen. Sie ist auf den ersten dreidimensionalen Bildern der Satellitenmission "Tandem-X" zu sehen. Der seit vier Wochen um die Erde kreisende "Tandem-X" und sein 2007 gestarteter Zwilling "Terrasar-X" haben hochpräzise Aufnahmen geliefert, Details sind bis auf wenige Zentimeter genau erfasst. Sogar einzelne Eisschollen sind zu sehen.

Damit die zwei Satelliten dreidimensionale Bilder der Erde liefern, müssen sie parallel fliegen und gleichzeitig dieselbe Erdregion aus verschiedenen Sichtwinkeln aufnehmen. Diesen engen Formationsflug haben die beiden Satelliten derzeit aber noch nicht erreicht. Die DLR-Wissenschaftler passten für ihre ersten 3D-Bilder deswegen den Zeitpunkt ab, zu dem sich die beiden Satelliten auf ihrer nahezu gleichen polaren Umlaufbahn fast begegneten.

Allerdings hatten sie zu diesem Zeitpunkt am 16. Juli immer noch einen Abstand von 370 Kilometern. Um die verhältnismäßig große Distanz zu überbrücken, wurden die Antennen beider Satelliten zur Seite geschwenkt - und konnten so auf den gleichen Punkt auf der Erde schielen. "Das bedeutet, dass das Zusammenspiel der beiden Satelliten auch bereits in diesem ersten Stadium hervorragend funktioniert, die Orbits hochgenau kontrolliert werden und auch unsere Bodensysteme damit klargekommen sind", sagt DLR-Systemingenieur Gerhard Krieger.

Mittlerweile haben die Forscher das Prinzip noch mehrfach angewendet. So entstanden weitere 3-D-Aufnahmen aus Russland, zum Beispiel von der Donregion bei Kalasch. Auf den Bildern sind selbst minimale Höhenunterschiede von Straßen oder Äckern sichtbar. "Terrasar-X" und "Tandem-X" sollen gemeinsam drei Jahre lang die Erde umrunden und dabei Daten für ein einzigartiges dreidimensionales Modell sammeln. Inzwischen fliegen beide Satelliten in 20 Kilometer Abstand. Im Herbst sollen sie dann auf 200 bis 500 Meter zusammenrücken - und so noch präzisere Höhenprofile liefern.

chs/dpa

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