Rekord-Bodenfeuchte: Satellitenbilder erklären Ursprünge der Flut

Hochwasser: Satellitenbilder aus dem Krisengebiet Fotos
ESA

Mehr als 500 Liter Wasser in einem Kubikmeter Grund: Aktuelle Satellitendaten zeigen, dass die Flutgebiete schon vor dem Hochwasser mit Rekordwerten bei der Bodenfeuchte zu kämpfen hatten. Die Späher aus dem All sollen nun die Katastrophenhelfer unterstützen.

Die Skala geht von gelb über grün bis blau - aus gut 760 Kilometern Höhe überwacht das Mikrowellenradiometer auf dem europäischen Satelliten "Smos" die Bodenfeuchtigkeit auf der Erde. Wissenschaftler erstellen aus den Daten dann aktuelle Karten. Aufnahmen der Hochwassergebiete in Deutschland, Österreich und Tschechien zeigen nun, wie es zu den massiven Flutproblemen dort kommen konnte.

Auf den Bildern sind teils nie gesehene Feuchtigkeitswerte zu erkennen. Sie belegen, dass ein Kubikmeter Boden in den betroffenen Gebieten schon vor der Flut bis zu 500 Liter Wasser gespeichert hatte. Schuld daran waren die massiven Niederschläge im Frühjahr. Als der Himmel dann wieder die Schleusen öffnete, musste es unweigerlich zum Hochwasser kommen.

Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte bereits Ende Mai darauf hingewiesen, dass die Bodenfeuchte mancherorts so hoch war wie seit 50 Jahren nicht mehr. Die Meteorologen erfassen die Bodenfeuchte an einem Teil ihrer Messstationen. Der überwiegende Teil der Landwirtschaftsflächen in Deutschland sei übersättigt, lautete ihre Warnung.

"Alles, was dann noch als Regen gefallen ist, konnte vom Boden nicht mehr aufgenommen werden - und ist direkt als Oberflächenabfluss in die Flüsse gegangen", beschreibt nun auch Susanne Mecklenburg, Missionsmanagerin für "Smos" bei der Europäischen Weltraumagentur, das Problem. Die Esa hat am Freitag zwei Fotos zur Situation am 31. Mai und am 02. Juni veröffentlicht. Sie zeigen in den Flutgebieten die problematisch hohen Bodenfeuchten in blauer Farbe.

Bilder für die Katastrophenhelfer

In Zukunft sollen solche Satellitendaten stärker für hydrologische Modelle genutzt werden - um auch besser vor Hochwassergefahr zu warnen. Im Moment werden die "Smos"-Messungen zwar im Rahmen eines Tests am European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF) im britischen Reading eingesetzt. Dort fließen sie in einige mittelfristige Prognosen ein. Doch für die Modelle des Deutschen Wetterdienstes spielen die Daten des Esa-Satelliten keine große Rolle.

Das liegt unter anderem daran, dass die Messungen nur die oberste Bodenschicht erfassen - und mit einer Auflösung von etwa 50 Kilometern noch nicht allzu detailliert sind. Neue Auswertungstechniken sollen dabei helfen, das zweite Problem zu lösen. Außerdem legen die Modellierer Wert auf Kontinuität der Daten - und "Smos" fliegt erst seit drei Jahren. Bis mindestens zum Jahr 2017 ist Geld für die Operation des Satelliten eingeplant, heißt es bei der Esa. Bisher habe man auch nur wenig des Satellitentreibstoffs verwenden müssen.

Aktuelle Satellitenbilder der Flutgebiete liefert auch das Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Sie sollen Katastrophenhelfern vor Ort bei der Planung der Arbeit helfen. Dafür kommen unter anderem hochauflösende Bilder des Radarsatelliten "TerraSAR-X" zum Einsatz. Außerdem sollen auch andere Satellitenbetreiber im Rahmen der Internationalen Charta "Space and Major Disasters" Aufnahmen kostenlos zur Verfügung stellen.

chs

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Soviel zum Thema Flächenversiegelung
tomderzweite 07.06.2013
Da haben einige Politiker in Bayern noch während der Flut den üblichen Sermon über die Flächenversiegelung und die bösen Eigenheimbesitzer mit gepflastertem Hof abgelassen. Wenn der Boden jedoch einmal vollständig gesättigt ist herrscht überall Flächenversiegelung.
2. Atmosphärische Flüsse
spiegelleser_12345 07.06.2013
Zitat von sysopMehr als 500 Liter Wasser in einem Kubikmeter Grund
Wen das Thema interessiert, kann sich unter diesem Artikel umfassender Einlesen: Klimaforschung: Die nächste Sintflut - Spektrum der Wissenschaft (http://www.spektrum.de/alias/klimaforschung/die-naechste-sintflut/1184771)
3. Was heißt hier Sermon über Flächenversiegelung?
wirklick 07.06.2013
Die Flächenversiegelung spielt mit Sicherheit eine große Rolle bei der Überflutung. Das ist aber nur ein Baustein. Noch gravierender ist vermutlich die Flussbegradigung und die Verringerung der Auffanggebiete durch Bediedlung und Nutzung. Da sollten alle umdenken und aufhören, de Natur nur als Ausbeutungsobjekt zu betrachten. Das ist die eigentliche Ursache für die Flutkatastrophe.
4.
adal_ 07.06.2013
Zitat von wirklickDie Flächenversiegelung spielt mit Sicherheit eine große Rolle...
Nach den Berechnungen der Flutexperten ist die Flächenversiegelung zu vernachlässigen, jedenfalls in den Gebieten, wo der Regen niederging.
5. Kommt noch dazu
systemmirror 07.06.2013
Zitat von sysopMehr als 500 Liter Wasser in einem Kubikmeter Grund: Aktuelle Satellitendaten zeigen, dass die Flutgebiete schon vor dem Hochwasser mit Rekordwerten bei der Bodenfeuchte zu kämpfen hatten. Die Späher aus dem All sollen nun die Katastrophenhelfer unterstützen. Hochwasser: Esa-Satellit "Smos" misst Rekord-Bodenfeuchte - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/hochwasser-esa-satellit-smos-misst-rekord-bodenfeuchte-a-904387.html)
daß unsere ach so umweltbewußten Landpfleger, unsere Bauern, ihre übermäßige Gülle schon verbotenerweise im Winter auf die Äcker fahren, die auch noch die Aufnahme von Regen erschwert, weil der Boden erst mal verschlammt. Gut zu sehen an den Massen von Eiweiß die in den Bächen entlang der Äcker zum Vorschein kommen und schon seit Wochen nicht abnehmen. Jetzt aber jammern, wenn sie selbst betroffen sind und nach Geldern vom Staat hecheln.
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