Sonnensystem Ferner Zwergplanet hat eigenen Mond

Um einen fernen Zwergplaneten, weit jenseits des Pluto, kreist ein Mond. Den haben Forscher jetzt erstmals entdeckt - auf Bildern, die eigentlich schon Jahre alt sind.

Der Mond bei Zwergplanet (225088) 2007 OR10 fand sich in mehreren "Hubble"-Bildern
NASA/ ESA/ C. Kiss/ J. Stansberr

Der Mond bei Zwergplanet (225088) 2007 OR10 fand sich in mehreren "Hubble"-Bildern


Es ist ein durchaus beeindruckendes Objekt, das dort draußen seine Bahn zieht. Aktuell ist es rund drei Mal so weit von der Sonne entfernt wie der Pluto. Mit einem Durchmesser von bis zu 1600 Kilometern misst es etwa halb so viel wie der Erdmond. Nur einen richtigen Namen hat (225088) 2007 OR10 bisher noch nicht. Es ist damit der größte Brocken in unserer kosmischen Nachbarschaft, dem dieses Privileg bisher verwehrt blieb - bis heute, zehn Jahre nach seiner Entdeckung.

(225088) 2007 OR10 ist einer von rund zehn bekannten Zwergplaneten in unserem Sonnensystem. Und in dieser Gruppe ist er immerhin der drittgrößte. Seit kurzem ist klar: Der Himmelskörper ist nicht allein unterwegs. Forscher um Csaba Kiss vom Konkoly Observatorium in Budapest berichten gerade im Fachmagazin "Astronomical Journal Letters" von der Entdeckung eines Mondes, der den fernen Zwergplaneten umkreist.

Die Astronomen nutzten Daten von gleich drei Weltraumobservatorien, um den Mond zu finden. Ausgangspunkt waren Messungen des "Kepler"-Teleskops. Ihnen zufolge rotiert (225088) 2007 OR10 einmal in rund 45 Stunden um die eigene Achse. Das ist deutlich langsamer als andere Objekte in dieser Region des Sonnensystems, die unter Himmelsforschern als Kuipergürtel bekannt ist.

Warum aber dreht sich (225088) 2007 OR10 so langsam? Die Wissenschaftler vermuteten, dass die Gravitationswirkung eines Mondes dafür verantwortlich sein könnte. Und tatsächlich: Auf alten Aufnahmen des "Hubble"-Weltraumteleskops konnten sie den bisher unbekannten Begleiter als sehr schwachen Punkt nachweisen.

Die Bilder entstanden bereits vor mehreren Jahren, damals wurde der Mond allerdings noch nicht entdeckt. Weil sich der Punkt allerdings auch auf später aufgenommenen Bildern findet, sind sich die Forscher sicher, dass er tatsächlich existiert. Mit dem inzwischen abgeschalteten "Herschel"-Teleskop wurde er auch bereits vermessen. Seine Größe liegt demnach ungefähr bei einem Viertel von (225088) 2007 OR10.

In der Dunkelheit des Kuipergürtels dürften noch zahlreiche unbekannte Objekte auf ihre Entdeckung warten. Jenseits der Neptunbahn soll es allein 70.000 Objekte mit mehr als hundert Kilometern Durchmesser geben - und ungezählte kleinere Exemplare. Forscher um Mike Brown vom California Institute of Technology in Passadena, der auch zu den Entdeckern von (225088) 2007 OR10 zählt, vermuten dort draußen sogar einen weiteren Planeten. Dieser "Planet Neun" konnte trotz gezielter Suchkampagnen allerdings noch nicht identifiziert werden.

chs



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