"Hubble"-Teleskop So schön explodiert ein Stern

Das "Hubble"-Weltraumteleskop hat spektakuläre Fotos vom Schleiernebel geschossen. Vor 5000 bis 10.000 Jahren ist das gewaltige Gebilde bei der Explosion eines Sterns entstanden - am damaligen Nachthimmel dürfte die Supernova heller als die Mondsichel geleuchtet haben.


Garching - Vor Tausenden Jahren könnten Menschen Zeugen des kosmischen Sterbens geworden sein, in dem ein Stern als Supernova verglühte und so den Schleier-Nebel schuf. So hell wie die Mondsichel muss die Explosion damals am Nachthimmel geleuchtet haben, vermutet die europäische Weltraumbehörde Esa. Heute erstrecken sich die Trümmer über einen gewaltigen Himmelsausschnitt - wenngleich sie mit dem bloßen Auge nicht mehr zu erkennen sind. Das von der Esa und der Nasa betriebene "Hubble"-Weltraumteleskop hat den Nebel jetzt fotografiert und faszinierende Fotos zur Erde geschickt.

Der Nebel erstreckt sich über drei Grad des Himmels, was in etwa der Größe von sechs Vollmondscheiben entspricht. Der Schleier-Nebel - auch Cirrusnebel oder Cygnus Loop genannt - erstrahlt heute in bunten Farben, die Rückschlüsse über die chemischen Elemente in seiner Umgebung erlauben.

Die Supernova, die den Nebel geschaffen hat, muss sich vor 5000 bis 10.000 Jahren ereignet haben. Deshalb hält man es am europäischen "Hubble"-Zentrum in Garching bei München für möglich, dass Angehörige alter Zivilisationen das Himmelsschauspiel beobachtet und aufgezeichnet haben. 1500 Jahre braucht ein Lichtstrahl von der Position des Nebels im Sternbild Schwan bis zur Erde.

Grasgrün und Blutrot aus Sternenexplosionen

In den neuen Aufnahmen von "Hubble" kann man klar die fadenförmigen Strukturen des Nebels erkennen. Druckwellen, die mit 600.000 Kilometern pro Stunde durch das interstellare Gas um die Supernova herum gerast sind, haben das Material auf Millionen Grad Celsius erhitzt. Beim Abkühlen emittieren die Gaspartikel Licht in unterschiedlichen Frequenzen - die Farben stehen dementsprechend für Elemente in dem Nebel: Blau für Sauerstoff, Grün für Schwefel, Rot für Wasserstoff.

Überbleibsel wie diese können lange nach der eigentlichen Supernova sichtbar bleiben. Mit bloßem Auge erkennen Beobachter auf der Erde allerdings nur noch einen schlichten blauen Stern namens 52 Cygni. Mit der Supernova hat er nichts zu tun.

Die Explosion selbst - und alle anderen Sternentode, die es bislang im Universum gab - spielen eine wichtige Rolle in der kosmischen Evolution: Ursprünglich gab es nur wenige, leichte Elemente im Weltall. Erst in den Sternen-Explosionen entstanden die chemischen Elemente, die schwerer als Eisen sind. Das gilt auch für alle Vorkommen dieser Elemente auf der Erde, etwa in unterirdischen Lagerstätten. Aber auch Kupfer, Quecksilber, Gold, Jod und Blei sowie alle schweren Elementen im Körper des Menschen entstanden in kosmischen Feuerwerken.

Angesichts der bunten "Hubble"-Bilder des Schleier-Nebels formulierte die Esa mit lyrischem Anflug: "Das Grün des Grases und das Rot unsere Bluts sind tatsächlich die Farben von Sternenstaub."

stx/dpa



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