Hypothese widerlegt Schwarzes Loch in Kugelsternhaufen entdeckt

Inmitten von Kugelsternhaufen galten Schwarze Löcher als nicht willkommen: Sie würden da einfach hinausgeschleudert, glaubten Forscher. Doch nun liefern Bilder von Röntgenteleskopen den Gegenbeweis: ein kosmischer Allesfresser, der zwischen unzähligen alten Sternen überlebt.


Auf einem Haufen gleich Tausende, ja Millionen Sterne, manche davon über 12 Milliarden Jahre alt: Hier könnte kein Schwarzes Loch überleben, glaubten Astronomen. Denn ein Schwarzes Loch würde in die Mitte eines solchen Kugelsternhaufens gezogen und – sobald es mit den unzähligen Sternen interagiert - von dort ganz schnell wieder herausgeschleudert werden. Nun widerlegen britische Astronomen diese These.

"Wir hatten uns auf eine lange, systematische Suche in Tausenden Kugelsternhaufen vorbereitet – in der Hoffnung, wenigstens ein Schwarzes Loch zu finden", sagte der Forschungsgruppenleiter Tom Maccarone von der University of Southampton. Doch gleich nach Beginn der Suche – beim zweiten untersuchten Kugelsternhaufen – wurde Maccarones Team fündig: "Bingo!"

Das Schwarze Loch befindet sich in der elliptischen Galaxie NGC 4472, auch Messier 49 genannt, im Sternbild Jungfrau. Entdeckt wurde es auf Röntgenbildern, die der "XMM-Newton"-Satellit der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa aufgenommen hat: Die Anziehungskraft um ein Schwarzes Loch herum ist so stark, dass elektromagnetische Wellen wie sichtbares Licht nicht aus dem Bereich entweichen können. Deswegen erscheint dieses Objekt den Menschen schwarz – daher auch die Bezeichnung "Black Hole", die der US-Physiker John Archibald Wheeler 1967 geprägt hat.

Schwärze in der Mitte, Leuchten am Rande

Die Region um ein Schwarzes Loch herum flackert jedoch auf: Wenn Gas in das Schwarze Loch fällt, wird es so heiß und scheint so hell, dass Röntgenstrahlen ausgestrahlt werden können. Dergleichen hat der Esa-Satellit gemessen. Dass sie wirklich auf ein Schwarzes Loch gestoßen sind, schließen Maccarone und seine Kollegen aus der Stärke der beobachteten Röntgenstrahlung: "Jedes andere Objekt kann in solch einer alten Sternenpopulation ausgeschlossen werden", schreiben sie in dem Wissenschaftsmagazin "Nature".

Wenn ein Schwarzes Loch nur schwer genug werde, sei es gut möglich, dass es in einem Kugelsternhaufen überleben könnte, sagte Arunav Kundu von der Michigan State University, "da es zu schwer sein wird, um herausgeschleudert zu werden". Das Schwarze Loch würde, weil es alles aus seiner Umgebung anzieht und schluckt, beträchtlich größer werden und sich dadurch in dem Sternenhaufen regelrecht verwurzeln, statt herausgeschleudert zu werden. Der Kugelsternhaufen liefere dann immer weiter Nachschub, das Schwarze Loch könnte immer größer werden. "Das ist das Fesselnde an dieser Entdeckung", so Kundu, der an der Suche nach den Schwarzen Löchern in den Sternenhaufen beteiligt war.

Der Volltreffer ist für die Astronomen aber kein Grund, ihre Suche abzubrechen - obwohl schon ein einziges Schwarzes Loch die jahrzehntelange Diskussion über Schwarze Löcher und Kugelsternhaufen kläre, wie Maccarone glaubt. Doch womöglich ist dieses Phänomen gar kein Einzelfall.

fba



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