Satellitenbild An der Quelle des heiligen Flusses

Der Ganges ist der heilige Fluss der Hindus. Auf seinem Weg in den Golf von Bengalen durchfließt er eines der am dichtesten bevölkerten Gebiete der Erde. Ein Problem für diese Region droht an der Quelle.

ESA


Indien verbindet man nicht unbedingt mit schneebedeckten Bergen oder eisigen Gletschern. Bei den meisten Europäern dürften die typischen Vorstellungen über das Land in Asien von tropischem Klima und Küsten mit langen Stränden oder allenfalls noch anstrengenden Megacitys samt chaotischem Verkehr geprägt sein.

Dabei vergisst man leicht: Auch ein Teil des Himalaya-Gebirges ist indisches Staatsgebiet. Und genau aus dieser Region stammt die Aufnahme oben, sie wurde von einem der "Sentinel"-Satelliten der Esa geschossen. Das Foto zeigt einen Teil des nördlichen Bundesstaats Uttarakhand, er grenzt an Nepal im Südosten und China im Norden.

Auf dem Bild ist der Gangotri-Gletscher zu sehen, er gehört zu den größten im gesamten Himalaya-Massiv. Die Eismassen nehmen ihren Anfang am Westhang des Chaukhamba. Der Berg ist mit über 7100 Metern Höhe der höchste Gipfel im westlichen Himalaya - er ist auf dem Foto in der rechten unteren Ecke leicht grau abgesetzt gut zu erkennen.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Von hier aus erstreckt sich das Eis des Gangotri in einer zwischen zwei und vier Kilometern breiten Zunge etwa 30 Kilometer Richtung Nordwesten, ehe es endet.

Und hier, ganz am Ende des Eises, da liegt es: das "Maul der Kuh".

Die Hindus nennen dieses Gletschertor Gomukh. Der Name stammt vermutlich aus alten Zeiten, er beschreibt wohl, wie der Ausgang für das Schmelzwasser einst aussah. Denn hier entspringt der Bhagirathi-Fluss, er vereinigt sich später mit dem Alaknanda und heißt fortan Ganges. Aber in der hinduistischen Mythologie gilt Gomukh, das Kuhmaul, als Quelle des Ganges. Deshalb ist der abgelegene Ort das Ziel für viele spirituelle Pilgerfahrten und Wanderungen. Dabei machen die Gläubigen auch meist im Dorf Gangotri halt, das einige Kilometer entfernt liegt. In dem winzigen Ort auf über 3000 Metern Höhe ist der Ganga-Tempel ein beliebtes Ziel.

Doch der Bhagirathi ist auch abseits spiritueller Bedeutung für die Region relevant. Vor allem ist er wichtiger Süßwasserlieferant. Die hoch gelegenen Eisfelder der Himalaya-Region und des tibetischen Plateaus enthalten das größte Süßwasserreservoir außerhalb der Polarregionen. Und weiter flussabwärts sichern Wasserkraftwerke die Stromversorgung.

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Alpengletscher: Im Rückwärtsgang

Doch der Gangotri ist von einem ähnlichen Schicksaal betroffen wie weltweit auch viele andere Gletscher. Schon lange schwinden seine Eismassen. Studien deuten darauf hin, dass er sich seit weit über 200 Jahren zurückbildet. Und jüngere Messungen haben gezeigt: Zwischen Mitte der Fünfziger- und Siebzigerjahre tauten bis zu 35 Meter pro Jahr, derzeit sollen es etwa zehn sein.

Der Ganges, ohnehin schwer mit Schadstoffen belastet, durchfließt südlich des Himalaya eines der am dichtesten bevölkerten Gebiete der Erde. In der Ebene liegt auch die Hauptstadt Neu-Delhi, mit mehr als 25 Millionen Einwohnern eine der größten Metropolen der Welt.

Deshalb könnten Veränderungen und Rückgang der Gletschermasse schwerwiegende Folgen für die Menschen haben, schreibt die Esa. Umso wichtiger sei es, Veränderungen in der Gletschermasse regelmäßig zu überprüfen und zu dokumentieren. Dazu leisten Erdbeobachtungssatelliten schon lange einen wichtigen Beitrag. Vor allem, wenn es um solch abgelegene Regionen wie das "Maul der Kuh" geht.

joe



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