Satellitenbild der Woche Die Trampolin-Inseln

Wo bin ich? Wer auf den Inseln im indischen See Loktak lebt, kann sich nicht sicher sein, wo er morgen aufwacht. Denn die Eilande schwimmen.

Aufnahme des Nasa-Satelliten "Terra"
NASA

Aufnahme des Nasa-Satelliten "Terra"


Wer ein Phumdi betritt, hat das Gefühl, auf einem riesigen Schwamm zu laufen. Als Phumdi werden in Indien die Tausenden Inseln bezeichnet, die auf dem Loktak-See schwimmen - so wie auf dem Bild, das vom Nasa-Satelliten "Terra" aufgenommen wurde.

Die runden Inseln bestehen aus Pflanzen und anderem organischen Material, die eine mal mehr, mal weniger feste Landmasse bilden, andere nur aus dünnen Stegen, die einen Kreis bilden. Manche sind größer und sogar bewohnt. Besonders solide ist der Untergrund jedoch nie. Deshalb hüpfen Besucher der Inseln, als würden sie über ein Trampolin laufen.

Phumdi im Loktak-See
NASA

Phumdi im Loktak-See

Wie bei einem Eisberg verbirgt sich der Hauptteil der Tausenden Inseln unter Wasser, allerdings sind sie die meiste Zeit des Jahres nicht mit dem Grund des Loktak-Sees verbunden. Deshalb treiben sie durch den See. Nur in der Trockenzeit, wenn der Wasserspiegel deutlich sinkt, erreichen die noch lebenden Wurzeln der Inseln den Grund des Sees und können sich mit wichtigen Nähstoffen versorgen.

Für die Menschen der Region ist der Loktak überlebenswichtig, denn der größte Süßwassersee Nordostindiens versorgt sie mit ausreichend Trinkwasser und bietet gleichzeitig ergiebige Fanggründe für die dort lebenden Fischer. Der See wird deshalb auch die "Lebensader von Manipur" genannt. Manipur ist der Bundesstaat, in dem der See liegt. Etwa 1500 Tonnen Fisch ziehen die Menschen hier jedes Jahr aus dem Wasser. Die Schule der Region liegt auf einer Insel mitten im See.

Etwa 200 seltene Wasserpflanzenarten leben hier und etwa 400 Tierspezies. Auf der größten Insel liegt der Keibul Lamjao Nationalpark - er gilt als das einzige schwimmende Naturschutzgebiet der Welt. Hier lebt auch der Sangai - besser bekannt als "tanzender Hirsch". Die Hufe der Rehart haben sich an den weichen Untergrund angepasst. Der nur 40 Quadratkilometer große Park wurde eigens für die vom Aussterben bedrohten Tiere angelegt.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Die schwimmenden Inseln sind bedroht. Durch den Ithai-Staudamm, der in den Achtzigerjahren gebaut wurde, bleibt der Wasserstand im Loktak-See auch in der Trockenzeit hoch. Dadurch können sich die Wurzeln der Inseln nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgen - sie brechen deshalb auseinander und gehen schließlich unter.

koe

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insgesamt 2 Beiträge
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permissiveactionlink 14.05.2018
1. Kann durchaus stimmen !
Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass sich schwimmende (!), nicht fest im Boden verwurzelte Wasserpflanzen nur mit Nährstoffen versorgen können, wenn der See Niedrigwasser hat und die Wurzeln den Seegrund mit den (organischen) Sedimenten erreichen. Der Fischbestand allein (Ausscheidungen !) und die auch sonst überschaubare Wassertiefe sorgen dafür, dass das Wasser stets genügend lösliche Nährstoffe enthalten dürfte. Und auch eine dauerhafte Flutung dürfte für die Pflanzen kein Problem sein, denn bei Wasserpflanzen tritt Wurzelfäulnis eher selten auf...
columbo1 14.05.2018
2. Etwas Ähnliches gibt's auch in Deutschland...
Ich kenne schwimmende Inseln vom Kleinen und Großen Arberesse im Bayerischen Wald. Es gibt aber noch eine Handvoll anderer Seen mit kleinen schwimmenden Inseln in Deutschland. Allerdings wüsste ich nicht, dass sie so groß und tragfähig wären, wie die hier vorgestellten.
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