Satellitenbild der Woche Vulkanischer Stimmungsring

Hellblau, Dunkelblau, Türkis: Die Kraterseen des Vulkans Kelimutu wechseln die Farbe. Während Forscher noch darüber rätseln, haben die Einheimischen eine eigene Erklärung für das Naturphänomen.

Seen auf dem Vulkan Kelimutu
NASA

Seen auf dem Vulkan Kelimutu


Eine Legende rankt sich um drei indonesische Kraterseen. Den Einheimischen zufolge ruhen dort die Seelen der Verstorbenen. Jeder See nimmt aber nur bestimmte Seelen auf. Junge Menschen, die ein gutes Leben geführt haben, gehen in den westlichsten See. Die Seelen von älteren, guten Menschen in den See in der Mitte. Und wessen Seele in den südlichsten See einzieht, der hat Böses in seinem Leben getan. Nicht umsonst heißt er Tiwu Ata Polo, verzauberter See.

Die Seen liegen auf dem Gipfel des Vulkans Kelimutu, auf der indonesischen Insel Flores. In der Wissenschaft ist Flores vor allem für den Fund des "Hobbit"-Frühmenschen Homo floresiensis bekannt. Aber auch die drei Kraterseen sind eine Attraktion der Insel.

Das liegt an den außergewöhnlichen Farben der Seen, die in unregelmäßigen Abständen wechseln, wie gut auf Satellitenbildern aus den Jahren 2014 und 2017 zu sehen ist, die nun veröffentlicht wurden. Aufgenommen hatte sie der Operational Land Imager auf dem Satelliten "Landsat 8" der Nasa. Das Phänomen des unvorhersehbaren Farbwechsels gibt es sonst nirgends auf der Welt.

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Der westliche Kratersee ist meist blau, der mittlere türkis und der südliche rot oder braun. Allerdings können die Seen auch die Farben Schwarz, Weiß oder Smaragdgrün annehmen. Woran das liegt, ist in der Forschung umstritten.

Farbwechsel als Frühwarnung

Manche glauben, dass Fumarolen unter den Seen der Grund sind, Ausbruchskanäle, aus denen Wasserdampf und vulkanische Gase wie Schwefeldioxid austreten. Die Fumarole sorgen für einen Wasseraufstieg, der dichteres mineralhaltiges Wasser vom Grund der Seen nach oben trägt. Diese färben dann das Wasser.

Eine andere Erklärung für die Farbwechsel könnte der Sauerstoffgehalt im Wasser sein. Vergleichbar mit menschlichem Blut erscheint das Wasser demnach bei niedrigem Sauerstoffgehalt im See blau oder grün. Ist viel Sauerstoff im Wasser, erscheint der See blutrot oder dunkelbraun.

Eine Studie, die im Bulletin of Volcanology veröffentlicht wurde, ergab, dass die Farben und die Temperatur der Seen mit der Aktivität des Vulkans korrelieren. Bevor Kelimutus Aktivität 2013 anstieg, nahm der See Tiwu Ata Polo beispielsweise eine ungewöhnliche rote Farbe an und verlor deutlich an Farbsättigung. Die Autoren schreiben, dass die Farbwechsel eine Frühwarnung dafür sein könnten, dass die vulkanische Aktivität sich ändert.

Die Einheimischen auf Flores haben noch andere Erklärungen für die Farbwechsel. Manche denken, sie werden von ruhelosen Seelen ausgelöst. Ein anderer Stamm glaubt, die Farben zeigen die politische Stimmung auf Flores an. Blau und Grün heißt Frieden, rotes Wasser deutet auf einen Aufruhr hin. Und sollten die Kraterwände einstürzen und alle Seen zu einem werden, bedeutet das einem Mythos zufolge das Ende der Welt.

lpu



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