Internationale Raumstation: Astronauten hoffen auf rechtzeitige Ablösung

Schafft es Russland, rechtzeitig einen bemannten Sojus-Transport zu starten? Falls nicht, könnte die Internationale Raumstation ab November das erste Mal seit fast elf Jahren verwaist sein. Die derzeitige Crew warnt vor den Problemen einer Evakuierung. 

ISS mit Space Shuttle "Endeavour" (23. Mai 2011): Muss die Station evakuiert werden? Zur Großansicht
NASA

ISS mit Space Shuttle "Endeavour" (23. Mai 2011): Muss die Station evakuiert werden?

Die Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS würden ihr Domizil im All nur äußerst ungern unbewohnt zurücklassen. Das machten sie auf einer Pressekonferenz der US-Weltraumbehörde Nasa am Dienstag deutlich - denn möglicherweise muss die Station im November vorübergehend geräumt werden. Die derzeitige Langzeitcrew warnt, dass es "bedeutende" Probleme geben könnte, wenn die Station längere Zeit verwaist bliebe.

Hintergrund ist die jüngste Panne einer russischen Sojus-Trägerrakete: Nach einer fehlerhaften Zündung der dritten Raketenstufe stürzte ein Frachtraumschiff vergangenen Monat ab. Der gleiche Raketentyp wird auch für die bemannten Flüge zur ISS eingesetzt. Seit der Stilllegung der Nasa-Raumfähren sind Sojus-Kapseln die einzige Möglichkeit, Menschen zur ISS zu bringen. Die Nasa hat angekündigt, dass alle ISS-Dauerbewohner zur Erde zurückgebracht werden, sollte das Sojus-Problem nicht bis Mitte November gelöst sein. Die an der Raumstation angedockten Sojus-Kapseln sind für einen Aufenthalt von maximal sechseinhalb Monaten im All zugelassen.

Die ISS müsse gehegt und gepflegt werden, sagte Astronaut Mike Fossum. Wenn es aber nicht möglich sei, die Station bewohnt zu lassen, "werden wir sie in der bestmöglichen Verfassung zurücklassen, damit die nächste Crew die Lichter anmachen kann". Die Teams in der Kontrollzentrale der Nasa in Houston würden jedes kleinste Detail beachten - welche Systeme weiterlaufen, in welcher Phase die laufenden Experimente verlassen werden, wie man jede einzelne Luke, jedes Ventil und jeden Tank zurücklässt.

Derzeit halten sich sechs Astronauten auf der ISS auf. Drei davon sollten ursprünglich am 8. September heimkehren, aber die Rückreise verzögert sich nun bis mindestens Mitte des Monats. Die Hoffnungen schwinden, dass vor dem für November geplanten Heimflug der anderen drei Crewmitglieder drei neue Bewohner zur Station geschickt werden können. Im besten Fall haben Fossum und seine Kollegen eine kurze Phase, um die neue Crew in die Nutzung der Station einzuweisen.

Falls der nächste bemannte Flug nicht rechtzeitig starten kann, wäre die Station zum ersten Mal seit fast elf Jahren verwaist. Für diesen Fall bereitet die ISS-Crew Videos vor, in denen sie alles erklärt, denn keiner der drei Neuankömmlinge war vorher auf der Raumstation.

Fossum sagte, eine kurze unbemannte Zeitspanne wäre keine große Sache. "Aber wenn sich eine kurze Lücke zu einer monatelangen Pause ausdehnt, dann besteht eine größere Möglichkeit, dass wir hier oben ein Problem bekommen, das erheblich werden könnte, wenn niemand zum Handeln da ist."

wbr/dpa/AP

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