Internationale Raumstation Fliegende Werkzeugtasche per Fernglas zu sehen

Für die Nasa ärgerlich, für Himmelsbeobachter ein Spaß: Die Werkzeugtasche, die eine Astronautin bei Reparaturen an der Internationalen Raumstation verloren hat, ist mit einem Feldstecher am Nachthimmel sichtbar - auch in Deutschland.


Washington/Hamburg - Spachtel, Bolzen, Federn, Dichtungen: Einzelne Kleinteile sind Astronauten schon des Öfteren davon geschwebt. Heidemarie Stefanyshyn-Piper aber ist vergangene Woche bei ihrem Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation (ISS) gleich eine ganze Werkzeugtasche entglitten. Zu beneiden ist die US-Astronautin nicht: Beim Online-Dienst "The Register" heißt sie jetzt Heidemarie "Toolbag" Piper, ihr Eintrag in der englischen Wikipedia ist bereits um das Malheur bereichert.

Lustig ist das alles nur bedingt: Aufgrund ihrer enormen Geschwindigkeit in der Umlaufbahn können schon winzige Kleinteile erheblichen Schaden verursachen, wenn sie mit Raumfahrzeugen kollidieren. Was eine ganze Werkzeugtasche anrichten würde, mag man sich gar nicht vorstellen.

Doch Himmelsbeobachter haben an dem unerwünschten Flugobjekt derzeit ihre helle Freude, denn sie können es allabendlich bewundern. Alles, was man dafür braucht, ist ein wolkenloser Nachthimmel, ein Feldstecher und die präzise Zeit, wann die Tasche vom eigenen Standort aus sichtbar ist. Letzteres erfährt man etwa mit Hilfe eines Online-Formulars bei Spaceweather.com, wo die fliegende Werkzeugtasche eigens in die Satelliten-Liste aufgenommen wurde.

Der amerikanische Hobbyastronom Edward Light hatte die Tasche zuvor erspäht, als sie über seinen Garten im US-Bundesstaat New Jersey segelte. Kevin Fetter aus der kanadischen Provinz Ontario hat das Flugobjekt gar gefilmt, während es am Stern Eta Pisces im Sternbild Fische vorbeizog (siehe Video).

Beobachter, die nach dem Taschen-Spektakel noch ein paar Minuten ausharren, können auch die ISS sehen, die dem Objekt hinterher fliegt. Wer etwa in Hamburg wohnt, sollte am heutigen Dienstag um genau 19.24 Uhr in Richtung West-Süd-West schauen. Die Tasche sollte dann als schwach leuchtender Punkt auftauchen und zwei Minuten brauchen, um wieder zu verschwinden. Fünf Minuten später folgt die ISS, wegen ihrer enormen Größe hell leuchtend. Sie dürfte im Unterschied zur Tasche auch mit dem bloßen Auge gut erkennbar sein, sofern keine Wolken die Sicht behindern.

Irgendwann wird der Werkzeugbehälter auch ohne Fernglas zu sehen sein, wenn auch nur kurz. Denn früher oder später, so viel steht fest, wird die Tasche in der Erdatmosphäre verglühen. Sie soll übrigens einen Wert von 100.000 Dollar besessen haben.

mbe/dpa

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