Ammoniak-Alarm Bereiche der Internationalen Raumstation evakuiert

Astronauten mussten das Segment der USA auf der Internationalen Raumstation ISS räumen, möglicherweise ist Ammoniak ausgeströmt. Die Raumfahrer haben sich im russischen Bereich in Sicherheit gebracht.

ISS (Archivbild vom Mai 2011): Notfall im All
DPA

ISS (Archivbild vom Mai 2011): Notfall im All


Moskau - An Bord der Internationalen Raumstation (ISS) hat es womöglich einen Zwischenfall gegeben. Russische Nachrichtenagenturen berichteten, die Besatzung habe das US-Segment der Station verlassen müssen. Aus einem Leck im Kühlsystem seien "schädliche Substanzen" ausgetreten hieß es. Die Lage sei aber wieder unter Kontrolle.

Alle sechs Crew-Mitglieder befänden sich in Sicherheit im russischen Teil der Station. Derzeit arbeiten neben einer russischen Kosmonautin und zwei Kollegen auch zwei US-Amerikaner und die italienische Esa-Astronautin Samantha Cristoforetti auf der Raumstation.

Die einzelnen Module der ISS lassen sich durch Schleusen luftdicht abschotten. Im Fall eines Alarms müssen die Raumfahrer Atemmasken aufsetzen und sich in Modulen in Sicherheit bringen, in denen es keine Probleme gibt. Erst dort dürfen sie die Masken wieder absetzen.

Es besteht die Gefahr, dass hochgiftiges Ammoniak ausgetreten ist - auch wenn die US-Weltraumbehörde Nasa Wert auf die Feststellung legt, dass es dafür bislang keine belastbaren Daten gibt. Bislang wisse man nur sicher, dass es die Warnung vor einen Druckanstieg in einem der beiden Kühlkreisläufen ("Bravo") gegeben habe, hieß es in einem Kommentar bei "Nasa TV". Bei der Luftqualität habe es keine Warnungen gegeben.

Das hochgiftige Ammoniak dient im US-Modul unter anderem zur Kühlung des Stromkreislaufs. Dazu strömt die flüssige Substanz durch zwei getrennte Leitungskreisläufe. Im russischen Modul wird ein anderes Kühlmittel eingesetzt.

"Das wird im Training geübt"

Der Chef des russischen Missionskontrollzentrums, Maxim Matyushin, erklärte, die Luftunreinheiten im russischen Modul lägen innerhalb der zulässigen Grenzen. Die USA müsste nun darüber entscheiden, wie sie mit dem Problem in ihrem Teil der Raumstation umgehen wolle.

Über ihren Twitter-Account erklärte die US-Weltraumbehörde Nasa, man könne ein Ammoniak-Leck bisher nicht bestätigen. Experten arbeiteten daran, den Grund für den Alarm herauszufinden. Es könne sich auch um einen kurzzeitigen Anstieg des Drucks im Kühlsystem, einen defekten Sensor oder Computerprobleme handeln.

Aus Sicht des deutschen Astronauten Alexander Gerst gibt es drei große Gefahren, auf die sich Raumfahrer auf der ISS vorbereiten müssten: Feuer, Druckabfall und Ammoniakaustritt. Die Mannschaft sei auf solche Fälle auch vorbereitet. "Das wird im Training geübt", sagte Gerst. "Die Hälfte des Trainings ist Notfalltraining."

Am Kühlsystem des ISS hat es bereits in der Vergangenheit Probleme gegeben, so war im Dezember 2013 eine wichtige Pumpe ausgefallen. Das Problem war erst durch einen Außeneinsatz der Astronauten zu lösen gewesen.

chs/dpa/Reuters



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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
kosu 14.01.2015
1. Alles gute kann
Nur aus den westlichen angeblichen Demokratien kommen. Russentechnik rettet Amis! Die bösen Russen auch noch das jetzt.
monolithos 14.01.2015
2. Lüften geht nicht
Na, da bin ich mal gespannt, wie man das Ammoniak da wieder rausbekommt. Lüften geht ja nicht. Hoffentlich ist die Atemluftaufbereitung auf sowas eingerichtet. Viel Glück!
wosenjohn 14.01.2015
3.
Zitat von kosuNur aus den westlichen angeblichen Demokratien kommen. Russentechnik rettet Amis! Die bösen Russen auch noch das jetzt.
"Amerikanische Technologie, russische Technologie... das kommen doch alles aus Taiwan." (Armageddon)
BettyB. 14.01.2015
4. Sich nach Russland retten...
Da erinnert man sich an Snowdon und fragt sich, was aus all den nach Russland geflohenen Ukrainern geworden ist von denen man im Westen so wenig spricht und schreibt?
tailspin 14.01.2015
5. Moskau, we have a Problem
Zitat von monolithosNa, da bin ich mal gespannt, wie man das Ammoniak da wieder rausbekommt. Lüften geht ja nicht. Hoffentlich ist die Atemluftaufbereitung auf sowas eingerichtet. Viel Glück!
NH3 muesste man eigentlich katalytisch oxydieren koennen. Resultat Wasserdampf und N2.
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