US-Astronaut Kelly Fotokünstler im Orbit

Für den ISS-Rückkehrer Scott Kelly geht die Forschung nun erst richtig los. Eine wichtige Rolle spielt dabei sein Zwillingsbruder Mark. Zudem werden Kellys einzigartige Fotos aus dem All fehlen.

NASA/ Flickr

Es sind starke Worte, die der Kosmonaut Michail Kornijenko für seinen Kommandanten Scott Kelly gefunden hat: "Eine Freundschaft im Weltraum ist für immer", sagt der Russe in einer Grußbotschaft von der Internationalen Raumstation ISS über den Amerikaner. Kelly wirkt gerührt.

Seit Ende März 2015 arbeiteten die Männer auf dem Außenposten der Menschheit - im Dienste der Wissenschaft. Am Mittwoch kamen Kornijenko und Kelly zur Erde zurück - zusammen mit ihrem Kollegen Sergej Wolkow. Das Kommando hatte Kelly bereits an seinen US-Kollegen Timothy Kopra übergeben. "Das ist eine große Ehre für mich. Scott ist ein echtes Vorbild", sagte Kopra bei der Zeremonie rund 400 Kilometer über der Erde. Die Übergabe galt als letzte Dienstpflicht von Kelly.

Dabei wäre er eigentlich auch gerne noch länger geblieben als die 340 Tage, sagte der 52-jährige Kelly kurz vor seinem Rückflug. "Ich könnte auch noch 100 Tage bleiben, oder auch noch ein Jahr, wenn das sein müsste", sagt er. "Es ist nicht so, dass ich hier schon an den Wänden kratze und es gar nicht mehr abwarten kann."

Fast ein Jahr im Kosmos: So lange lebte noch kein Raumfahrer ununterbrochen auf der ISS rund 400 Kilometer über der Erde. Üblicherweise dauert eine Mission etwa ein halbes Jahr. Nun waren ausgerechnet ein Russe und ein US-Amerikaner deutlich länger oben - während der größten politischen Krise seit dem Kalten Krieg. "Wenn auch die Beziehungen zwischen Russland und den USA einige Schwierigkeiten erlebt haben, wir arbeiten im All erfolgreich Seite an Seite", sagt Kornijenko.

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Test für den Flug zum Mars

Auf der Erde haben Mediziner ständig den Zustand der beiden Langzeitraumfahrer kontrolliert. Die Jahresmission ist ein Test für einen Flug zum Mars - und dort wird den Ankömmlingen nach monatelanger Reise niemand aus dem Raumschiff helfen. Die permanente Schwerelosigkeit im Weltall schwächt die Muskeln und Knochen erheblich. Aufrecht durch die Gänge laufen Raumfahrer nur in Filmen wie "Raumschiff Enterprise".

Die ISS sei zwar ein "magischer Ort", aber das Leben dort auch einschränkend und anstrengend, sagt Kelly. "Man fühlt sich nie ganz normal. Dass alles immer schwebt, macht den Alltag sehr viel schwieriger. Und man hat kein fließendes Wasser - ich fühle mich wie nach einem Jahr Camping im Wald."

Ein anderes Problem ist der Abbau der Sehqualität. Etwa 70 Prozent der Raumfahrer, die ein halbes Jahr auf der ISS waren und älter sind als 50 Jahre, hätten Sehprobleme, sagt Jörn Rittweger vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Viele Brillen mussten nach der Rückkehr angepasst werden - andere Raumfahrer mussten sich erstmals eine verschreiben lassen. Auch Kelly berichtet von Problemen mit den Augen. Ansonsten fühle er sich gesundheitlich aber weitgehend gut.

Nur die Schlafkoje ist privat

Im Zentrum der Jahresmission steht auch die Frage, wie zwei Raumfahrer es so lange miteinander aushalten. "Wegen der Langzeitisolation kann es zu psychosozialen Problemen kommen", sagt der Moskauer Arzt Juri Bojko. Der Druck während eines Zehn-Stunden-Arbeitstags sei groß, zudem fehle der Kontakt zur Familie. Als privaten Ort hätten die Astronauten nur ihre Schlafkoje. "Am Schwierigsten ist es, so lange von den Menschen, die einem wichtig sind, isoliert zu sein", berichtet auch Astronaut Kelly.

Zwillingsforschung: Mark Kelly (links) blieb auf der Erde, sein Bruder Scott (rechts) war ein Jahr im All
DPA/ NASA/ Robert Markowitz

Zwillingsforschung: Mark Kelly (links) blieb auf der Erde, sein Bruder Scott (rechts) war ein Jahr im All

Der Kosmonaut Waleri Poljakow aber meint, dass die Probleme zu bewältigen seien. Er muss es wissen: Der Russe stellte 1994/1995 auf der sowjetischen Raumstation "Mir" mit 437 Tagen den Rekord für den längsten Nonstop-Raumflug auf. Damit simulierte er quasi im Selbstversuch einen Flug zum Mars und zurück.

Allein waren Kelly und Kornijenko freilich nicht im All: Die Sollstärke der ISS beträgt sechs Raumfahrer. Mal brachte ein dänischer Kollege von der Erde Lego-Steine mit, ein anderes Mal überraschte ein Kasache die Anwesenden mit Stutenmilch. "Eigentlich war immer etwas los", sagt Kornijenko. Ebenso wie Kelly absolvierte er auch einen Außeneinsatz. Für die USA ist es die erste Jahresmission überhaupt. Zwei Russen hatten dagegen 1987/1988 bereits 365 Tage am Stück im Orbit verbracht.

Für Wissenschaftler ist Kelly aus einem ganz speziellen Grund besonders interessant: Der Astronaut hat einen Zwillingsbruder, ebenfalls ein früherer Raumfahrer. Für die Forschung stellte Mark Kelly in den vergangenen rund zwölf Monaten den idealen Vergleichsprobanden dar. Gemäß der Relativitätstheorie wird Scott in der rund 28.000 Stundenkilometer schnellen Raumstation um drei Millisekunden weniger altern als Mark. Der Effekt vergrößert den Abstand der beiden noch ein kleines bisschen mehr: Mark ist seinem Bruder Scott ohnehin - geburtsbedingt - um sechs Minuten voraus.

Der nächste bemannte Start vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ist für den 19. März geplant. Dann fliegen zwei Russen und ein Amerikaner zur Raumstation.

joe/dpa

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