Interplanetare Kommunikation Die lange Suche nach E.T.

Hallo Alien! Bereits im 19. Jahrhundert dachten Forscher darüber nach, wie man am besten mit fremden Welten kommunizieren könnte - allen voran der Deutsche Carl Friedrich Gauß. Doch die Realisierung solcher Pläne ließ 150 Jahre auf sich warten.


1679 Nullen und Einsen, das könnte die erste Information sein, die Außerirdische von unserer Erde erhalten. Aus ihnen bestand die Nachricht, die am 16. November 1974 mit dem Arecibo-Teleskop in Puerto Rico zum Kugelsternhaufen Messier 13 im Sternbild Herkules gesendet wurde. Er liegt 22.800 Lichtjahre entfernt, deswegen hat die Botschaft noch eine weitere Reise vor sich.

Allen Telescope Array (Archivbild von 2000): Horchen nach Alien-Botschaften
REUTERS

Allen Telescope Array (Archivbild von 2000): Horchen nach Alien-Botschaften

Zahlen, chemische Elemente, Informationen zur DNA, der Menschheit, der Erde und dem verwendeten Radioteleskop. Das alles ist in der Botschaft codiert, die mit einer Leistung von 1000 Kilowatt ins All geschickt wurde.

Doch die Gedanken zur kosmischen Kontaktaufnahme sind eigentlich viel älter: Bereits im 19. Jahrhundert dachten Forscher über einen Himmelstelegrafen nach, um mit den Einwohnern fremder Welten zu kommunizieren. Der Deutsche Carl Friedrich Gauß schlug zum Beispiel vor, mit Hilfe des von ihm entwickelten Heliotrops Sonnenlicht in Richtung des Mondes zu schicken. In einem Brief an Heinrich Wilhelm Olbers - er hatte auf Basis von Gauß' Voraussagen an der Entdeckung von Kleinplaneten gearbeitet - schlug das Mathematikgenie aus Göttingen im Jahr 1822 vor, 100 große Spiegel aufzustellen und mit ihrer Hilfe Sonnenlicht zur Mondoberfläche umzuleiten. Dort sollten mögliche Mondbewohner, deren Existenz Gauß zumindest nicht ausschließen wollte, erreicht werden.

Angeblich regte Gauß auch an, ein riesiges gleichseitiges Dreieck in Sibiriens Wälder zu schlagen - und in seinem Inneren stattdessen Weizen anzubauen. So sollte ein aus dem All klar sichtbares Zeichen entstehen. Das Kalkül dabei: Der Kontrast würde das kosmische Hinweisschild für Bewohner fremder Welten, zum Beispiel des Mondes, gut sichtbar machen. Gleichzeitig würde die regelmäßige Form klarstellen, dass es sich um eine absichtlich angelegte Konstruktion der Erdbewohner handelte. Einen direkten Beweis dafür, dass Gauß die Rodungsaktion im fernen Osten tatsächlich vorgeschlagen haben soll, gibt es aber nicht.

Ähnlich verhält es sich auch mit einem weiteren Mega-Projekt: Rund 20 Jahre nach Gauß soll der österreichische Astronom Joseph von Littrow einen noch viel kühneren Plan entwickelt haben - und zwar in Form von riesigen kreisförmigen Kanälen in der Sahara, die mit Wasser und Kerosin geflutet werden sollten. In Brand gesetzt würde das Kerosin ein flammendes Zeichen ins Weltall senden. Historisch ist allerdings nicht zweifelsfrei verbürgt, ob von Littrow das Projekt tatsächlich anstieß, oder ob es ihm nur nach seinem Tod zugeschrieben wurde.

Die Idee, mit anderen Bewohnern des Sonnensystems Kontakt aufzunehmen, war im 19. Jahrhundert jedenfalls mehr als populär. Auch der Franzose Charles Cros war davon fasziniert. Der Dichter und Erfinder, der unter anderem den Phonographen, also einen Vorläufer des Plattenspielers, ersonnen hatte, schlug 1869 vor, mit Hilfe eines Parabolspiegels das Licht einer elektrischen Lampe zu bündeln und auf interplanetare Reisen zu schicken. Mit Blinksignalen, so Cros, könnten sogar Nachrichten übertragen werden.

Einen Code dafür entwickelte etwa der britische Naturforscher Francis Galton im Jahr 1896. In dieser Zeit wurde in Frankreich auch darüber debattiert, ob Marsbewohner mit Hilfe riesiger Reflektoren am frisch erbauten Eiffelturm kontaktiert werden könnten.



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