Satellitenbild der Woche Ein See verschwindet

Landwirtschaft und Dämme haben den iranischen Urmiasee auf ein Zehntel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft. Das hat Folgen für Menschen und Ökosysteme - und färbt den See immer öfter rot.

Urmiasee in Iran
NASA

Urmiasee in Iran


Noch vor etwa anderthalb Dekaden war der Urmiasee der größte Salzsee Irans - und mit einer Fläche von etwa 4250 Quadratkilometern achtmal so groß wie der Bodensee. Doch inzwischen hat ihn dasselbe Schicksal getroffen wie ein noch größeres und bekannteres Gewässer, den Aralsee. Er trocknet aus. Mittlerweile ist der Urmiasee auf ein Zehntel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft.

Da der See nur wenige Meter tief ist, wirkt das Austrocknen noch spektakulärer. Zwischen 1998 und 2011 ist die Oberfläche um 60 Prozent geschrumpft, der Wasserspiegel um sieben Meter gesunken. Dadurch ist auch die Salzkonzentration im See stark angestiegen: auf bis zu 300 Gramm pro Liter. Der Wert ist vergleichbar mit dem toten Meer. In Ozeanen befinden sich durchschnittlich nur 35 Gramm Salz pro Liter.

Unter dem Austrocknen leidet nicht nur das Ökosystem des Sees - sondern auch die Anwohner. Denn der Wind weht vom ausgetrockneten Uferbereich Salz auf die umliegenden Felder, es zerstört die Böden.

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Die Menschen in der Region sind aber auch ein Grund, warum der See austrocknet. Viele Zuflüsse zum Urmiasee werden gestaut, um Strom zu gewinnen. Die Landwirtschaft um den See herum benötigt viel Wasser, das die Bauern nicht nur aus dem Gewässer selbst gewinnen. Legale und illegale Brunnen zapfen auch die Grundwasservorräte an. Zudem regnet es in der Region immer weniger.

See soll gerettet werden

Das Bild hat der russische Kosmonaut Oleg Artemjew gemacht und auf Twitter verbreitet. Er ist momentan auf der Internationalen Raumstation ISS und war einer der beiden Ingenieure, die die Antennen für das Icarus-Projekt montiert haben. "Der Urmiasee war einer der größten Seen im Nahen Osten, aber innerhalb von 14 Jahren ist er fast verschwunden", schreibt Artemjew auf Twitter.

Aber weshalb ist der See auf dem Bild rot? Grund dafür ist das Salz - jedenfalls indirekt. Im Frühling, wenn es viel regnet und genügend Frischwasser in den See gelangt, ist der Urmiasee grün. Im Sommer verdunstet einiges an Wasser, der Salzgehalt steigt und der See färbt sich rot.

Das liegt vermutlich zum einen an Algen, zum anderen an Bakterien. Die Alge Dunaliella salina produziert bei viel Sonneneinstrahlung und einer hohen Salzkonzentration viel Betacarotin, einen Naturfarbstoff, der auch in Karotten vorkommt. Die Bakterien, sogenannte Halobakterien, fühlen sich in extrem salzigen Umgebungen wohl. Auch sie können Carotinoide einlagern, die das Wasser färben.

Der Präsident Irans, Hassan Rohani, hatte angekündigt, den Urmiasee retten zu wollen. Sein Kabinett hat inzwischen einige Projekte gestartet, die für sparsamere Bewässerungssysteme der Bauern und eine bessere Infrastruktur sorgen sollen. Geplant sind weitere Schritte, um das Wasser besser zu speichern und die Verwüstung des Sees aufzuhalten.

Investitionen in die Forschung und zur Renaturierung gibt es dagegen bisher kaum. Experten zweifeln zudem an, ob sich der See überhaupt noch retten lasse. Selbst in optimistischen Szenarien kann es Jahrzehnte dauern, bis der ursprüngliche Wasserstand wieder erreicht ist.

lpu



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