Rätselhaftes Loch Raumfahrer beenden heiklen Außeneinsatz an der ISS

Die Mission war "beispiellos in ihrer Komplexität", sagte Oleg Kononenko. Über mehrere Stunden hat der Kosmonaut im All gearbeitet, dabei ist der untersuchte Teil gar nicht für Weltraumspaziergänge vorgesehen.

Nasa/Reuters

Zwei Kosmonauten haben bei einem schwierigen Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS das mysteriöse Loch an der angedockten russischen "Sojus"-Raumkapsel untersucht. Der Russe Oleg Kononenko schnitt mit Werkzeugen eine Isolierungshülle und einen Schutzschild durch, um das kleine Loch von außen freizulegen.

Er und sein Landsmann Sergej Prokopjew machten Fotos und Videos von dem Leck, das im August aus noch ungeklärten Gründen entstanden war und einen leichten Druckabfall ausgelöst hatte (mehr zum Thema lesen Sie hier). Mit einem Messer nahmen sie auch Proben, die russische Experten später auf der Erde untersuchen sollen.

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos stufte die Mission der Kosmonauten Oleg Kononenko und Sergej Prokopjew als "beispiellos in ihrer Komplexität" ein. Die besondere Schwierigkeit liegt darin, dass die Sojus-Kapsel - anders als die ISS - nicht darauf ausgelegt ist, bei Weltraumspaziergängen repariert zu werden.

Fotostrecke

5  Bilder
ISS: Arbeitstag im offenen All

Es gibt nicht einmal Haltegriffe für die im All schwebenden Kosmonauten. Der Einsatz vom Dienstag werde "in die Geschichte der Raumfahrt eingehen", sagte Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin. Der komplizierte und körperlich anstrengende Außeneinsatz dauerte dann auch nahezu acht Stunden und damit gut anderthalb Stunden länger als geplant.

Anstrengende Nervenprobe

Beide Kosmonauten schienen die Arbeiten teils auf eine Nervenprobe zu stellen. "Lasst uns nicht hetzen. Lasst uns Schritt für Schritt vorgehen, um nichts zu vermasseln", sagte Kononenko während der Live-Übertragung. Außerhalb der Raumstation wurde er von Prokopjew mittels eines Schwenkarms in Position für die Untersuchung an der Sojus-Kapsel gebracht.

Mit zwei Millimetern ist das Loch ungefähr so groß wie ein Streichholzkopf. Entsprechend herausfordernd war es, im sperrigen Raumanzug mit klobigen Handschuhen und bei Schwerelosigkeit an der kleinen Öffnung zu arbeiten. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa sprach von einem "Heureka-Moment", als die beiden das Loch nach mehreren Stunden gefunden hatten.

Für die Besatzung war der Vorfall im August ungefährlich gewesen. Die Raumfahrer hatten das Leck mit einem klebstoffgetränkten Spezialtuch abgedichtet. Es ist aber immer noch unklar, wie das Leck entstand (mehr zu den Spekulationen rund um den Vorfall, lesen Sie hier). Die Proben sollen klären, wie gut die Abdichtung von innen hielt.

"Es war teils sehr schwierig, aber wir haben es geschafft"

Kononenko war erst in der vergangenen Woche zur ISS geflogen. Zuvor wurde er speziell für seinen mittlerweile vierten Spaziergang im All vorbereitet. Kononenko sprach von einem erfolgreichen Einsatz, auch wenn die Zeit dabei überzogen wurde. "Ihr habt sehr gute Arbeit geleistet. Bitte ruht euch gut aus", sagte Kononenko an die Kollegen auf der Erde. "Es war teils sehr schwierig, aber wir haben es geschafft", hieß es aus dem Kontrollzentrum in Moskau.

In der Station unterstützte der deutsche Astronaut und Kommandant der ISS - Alexander Gerst - die beiden Russen. Er und zwei Kollegen sollen in gut einer Woche mit der beschädigten Kapsel zur Erde zurückkehren. Diese sei "bereit, nach Hause zu kommen", sagte ein Nasa-Sprecher. Die Schutzschicht der Kapsel erhitzt sich beim Eintritt in die Erdatmosphäre auf mehr als 1000 Grad Celsius, bevor Fallschirme den Sturz vor der Landung in Kasachstan abstoppen.

jme/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.