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Rückkehr von ISS: Astronaut Alexander Gerst landet in Kasachstan

Die Rückkehr war technisch schwierig, doch es lief alles nach Plan: Raumfahrer Alexander Gerst und seine zwei Kollegen sind in Kasachstan gelandet.

Nach fast einem halben Jahr im Weltall ist der deutsche Astronaut Alexander Gerst zur Erde zurückgekehrt. Die Sojus-Kapsel mit Gerst und zwei Raumfahrerkollegen aus Russland und den USA landete um 4.58 Uhr deutscher Zeit in Kasachstan, teilte die Flugleitzentrale bei Moskau mit. Bei bewölktem Himmel und frostigen Temperaturen landete das rund drei Tonnen schwere Raumschiff von Fallschirmen gebremst in der Steppe.

Ein Livestream der Europäischen Raumfahrtbehörde und das russische Staatsfernsehen zeigten, wie Helfer die drei Astronauten aus der engen Sojus trugen und in Klappsessel setzten. Gerst schützte seinen kahlgeschorenen Kopf mit einer weißen Schirmmütze und reckte lächelnd die rechte Faust nach oben.

Er habe sich gut gefühlt im All, sagte Gerst auf Russisch. "Danke an alle für die Unterstützung." Sein Kollege Maxim Surajew lobte die "tolle Zusammenarbeit" zwischen Russland, den USA und Deutschland: "Jeder sollte vom Beispiel der ISS-Raumfahrer lernen."

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6  Bilder
Nach 166 Tagen im All: Aus der Kapsel in den Klappstuhl
Im Sturzflug Richtung Erde

In Decken gehüllt winkte das Trio in die Kameras. Dann trugen Helfer die Männer in ein Zelt. Nach monatelangem Aufenthalt in der Schwerelosigkeit sind ihre Körper geschwächt, und "ihr Orientierungssinn ist noch gestört", erklärte ein Arzt.

In Kasachstan ist auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier derzeit zu Besuch. Er gratulierte Gerst zur Rückkehr auf die Erde. "Ich wünsche mir, dass das, was die Astronauten von oben gesehen haben, eine Welt ohne Grenzen, uns gelegentlich auch daran erinnert, dass wir noch größere Probleme auf dieser Welt haben als die Grenzkonflikte, die heute Anlass zu Streitereien sind", sagte Steinmeier. Wasser- und Umweltprobleme müssten "mit derselben Dringlichkeit" behandelt werden. Im Laufe des Tages wollte der Außenminister mit Gerst telefonieren.

Die Rückkehr von der ISS dauert nur dreieinhalb Stunden, gilt aber als technisch extrem schwierig, da sich die robuste Sojus nicht punktgenau steuern lässt. Nach dem Abkoppeln von der Raumstation jagte die Kapsel zunächst im Sturzflug Richtung Erde. Vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre wurden Orbitalmodul und Gerätekomplex abgesprengt, Fallschirme bremsten die enge Kapsel kurz vor dem Aufsetzen. Für die Landung stand ein etwa 900 Kilometer langer und rund 200 Kilometer breiter unbewohnter Streifen zur Verfügung.

Rund 300 russische Soldaten und 14 Hubschrauber des Typs Mi-8, Ärzte und weiteres Personal waren vor Ort, um die Kapsel mit den Raumfahrern zu bergen und die Männer zu versorgen. Gerst soll noch am Montag nach Köln fliegen.

Improvisieren mit Rasierschaum

Alexander Gerst war am 28. Mai 2014 mit einem Sojus-Raumschiff in Baikonur ins Weltall gestartet. Über seinen Twitteraccout @astro_alex publizierte er Hunderte Fotos und berichtete über den Alltag auf der Raumstation ISS. Mit viel Enthusiasmus beantwortete er Fragen von SPIEGEL-ONLINE-Lesern, etwa nach dem Geruch der ISS.

Er freue sich auf die Rückkehr zur Erde, hatte der Astronaut in der Videopressekonferenz wenige Tage vor seinem Heimflug erklärt. Von Heimweh wollte er zwar nicht sprechen, so manches habe er während seiner fünfmonatigen Mission aber vermisst: Familie, Freunde und seine Lebensgefährtin.

Beim Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen ist man äußerst zufrieden mit der Arbeit des Astronauten: "Alex hat nahezu alle geplanten Experimente durchgeführt oder zumindest gestartet", sagte ISS-Programmmanager Volker Schmid.

ESA
Freilich lief nicht immer alles wie geplant. Beim Elektromagnetischen Levitator (EML), einem in Deutschland entwickelten Schmelzofen, klemmte beispielsweise ein Bolzen. Nach langer Diskussion mit der Bodenkontrolle griff Gerst zur Säge, sprühte den Bolzen mit Rasierschaum ein und verhinderte so, dass Späne durch die Station flogen. "MacGyver-Art", nennt der Astronaut sein Vorgehen. MacGyver hieß das Improvisationsgenie der gleichnamigen Fernsehserie, das etwa eine Bombe mit einer Büroklammer entschärfte.

vet/dpa

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1. Leider...
HesaLhaina 10.11.2014
...ist die ISS dafür etwas zu klein... Herzlich willkommen zurück an Alexander Gerst und seine Kollegen! Die Fotos und die Berichte und Beantwortung der vielen Fragen waren toll!
2. Wird Zeit
wanderarbeiter 10.11.2014
Das einize Aufregende, was man über die ISS hört, ist wenn sie wieder mal repariert wurde, eine Versorgungsrakete explodiert oder wie jetzt die Masschaft wieder auf der Erde gelandet ist. Welche Nutzen die Station hat, erfährt man schon lange nicht mehr. Vermutlich deshalb, weil er sich doch sehr in Grenzen hält. Wird Zeit, dieses Milliardengrab im Pazifik zu versenken.
3. Welcome home
j1958 10.11.2014
Es ist schon interessant, Amerika hat schon seit Jahren keine Möglichkeit mehr, Menschen ins All zu bringen und die Entwicklungen privater Firmen scheinen noch nicht ausgereift. Die Sojus aber, schon vor Jahrzehnten entwickelt, mag nicht schön oder 'state of the art' sein, aber sie funktioniert seit vielen Jahren ohne Probleme. Willkommen zu Haus, Herr Gerst!
4.
ohminus 10.11.2014
Zitat von wanderarbeiterDas einize Aufregende, was man über die ISS hört, ist wenn sie wieder mal repariert wurde, eine Versorgungsrakete explodiert oder wie jetzt die Masschaft wieder auf der Erde gelandet ist. Welche Nutzen die Station hat, erfährt man schon lange nicht mehr. Vermutlich deshalb, weil er sich doch sehr in Grenzen hält. Wird Zeit, dieses Milliardengrab im Pazifik zu versenken.
EIN Nutzen der Station wird im Artikel beschrieben. WISSENSCHAFTLICHEN Nutzen findet man ggf. in WISSENSCHAFTLICHEN Magazinen. Genau wie den Nutzen von Max-Planck-Gesellschaften etc. Wenn man also nichts vom Nutzen erfährt, dann meist, weil man zu faul ist, an der richtigen Stelle danach zu suchen. Vermutlich würden Sie auch gerne das nächste Uniklinikum dichtmachen und durch ein privates, forschungsfreies Krankenhaus ersetzen, weil Sie vom Nutzen nichts mitbekommen?
5.
ohminus 10.11.2014
Zitat von wanderarbeiterDas einize Aufregende, was man über die ISS hört, ist wenn sie wieder mal repariert wurde, eine Versorgungsrakete explodiert oder wie jetzt die Masschaft wieder auf der Erde gelandet ist. Welche Nutzen die Station hat, erfährt man schon lange nicht mehr. Vermutlich deshalb, weil er sich doch sehr in Grenzen hält. Wird Zeit, dieses Milliardengrab im Pazifik zu versenken.
Im Übrigen empfehle ich, hier mal vorbeizuschauen: http://blogs.esa.int/alexander-gerst/2014/11/08/blue-dot-science-part-three-medicine-and-biology/ Zitat: "This type of research on the Space Station has already developed new vaccines against salmonella, help asthma patients monitor their affliction, improved guidelines to combat osteoporosis and arteriosclerosis and hinted at the mechanisms we could use to keep human cells living healthily forever. One experiment in particular could have far-reaching consequences. We are investigating an approved drug used against diabetes that also appears to stop cancers from developing. Using the drug on yeast cells up here will show how it works against cancer and allow researchers to adapt it for use on Earth. We do this research in space because weightlessness appears to affect drug delivery in yeast cells on a molecular level in a way that resembles how a human body absorbs medicine. The weightless yeast is a stand-in for human testing."
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