ISS: Sojus-Kapsel landet in dichtem Nebel

Nach rund fünf Monaten im All sind drei Raumfahrer von der ISS zur Erde zurückgekehrt. Wegen eines Schneesturms in Kasachstan mussten sie ihr Abkoppelmanöver in der Raumstation kurzfristig stoppen und landeten einen Tag später als geplant.

Almaty - "Landung erfolgt!", meldete das russische Kontrollzentrum. Am frühen Samstagmorgen sind der US-Astronaut Kevin Ford sowie die beiden russischen Kosmonauten Oleg Nowizkij und Jewgenij Tarelkin nach 144 Tagen in der Raumstation ISS zur Erde zurückgekehrt. Russische Nachrichtenagenturen berichteten unter Berufung auf das Kontrollzentrum, die Besatzungsmitglieder hätten sich beim Anflug und der Landung "normal" gefühlt. "Ihre Stimmung ist gut."

Die Landung der Kapsel "Sojus" TMA-06M in der kasachischen Steppe war wegen schlechten Wetters um einen Tag verschoben worden. Ford, Nowizkij und Tarelkin, die seit Oktober 2012 im All arbeiten, hatten bereits das Abkoppeln vorbereitet, als das Manöver gestoppt wurde. "Starker Schneeregen und heftiger Wind haben den Flug der Hubschrauber mit Rettungskräften zum geplanten Landeort bei der Stadt Arkalyk verhindert", sagte Wladimir Solowjow von der Flugleitzentrale. "Wir wollten jedes Risiko vermeiden", betonte er.

Doch auch am Samstag erschwerte dichter Nebel mit äußerst geringer Sichtweite den Hubschraubern den Anflug zum Landeplatz. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos gab den Landezeitpunkt der an einem Fallschirm schwebenden Kapsel mit 4.05 Uhr MEZ an. Damit setzte sie fast auf die Minute genau nach dem jüngsten Plan auf der Erde auf: Am Freitag war die Landezeit mit 4.06 Uhr MEZ angekündigt worden.

Die "Sojus"-Kapsel landete aufrecht, und vier Helfer eilten zu ihr, um die Luke zu öffnen und den drei Männern über eine Spezialrutsche in die eisige Kälte Kasachstans herauszuhelfen. Der Russe Tarelkin ballte seine Hände zu Fäusten, als er auf dem Rand der Kapsel saß.

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ISS: Raumfahrer nach 144 Tagen im All gelandet
Nach dem Aussteigen wurden die drei Raumfahrer auf spezielle Stühle gesetzt, wo sie gut gelaunt und in dicke Decken gehüllt in die Kameras winkten. Ihre Muskeln sind durch den viermonatigen Aufenthalt in der Schwerelosigkeit geschwächt. Binnen weniger Minuten wurden sie dann in einen Hubschrauber getragen und weggeflogen. Aufgrund des schlechten Wetters habe kein Zelt für die medizinische Versorgung am Landeort aufgebaut werden können, sagte ein Kommentator der Nasa im Fernsehen der US-Raumfahrtbehörde.

"Das ist so cool"

Die "Sojus"-Kapsel hatte sich planmäßig von der ISS gelöst und war gegen 3.40 Uhr MEZ in die Erdatmosphäre eingetreten. "Wir sind nun drei an Bord dieses riesigen Schiffs. Das ist so cool", kommentierte der neue ISS-Kommandeur, der Kanadier Chris Hadfield, in einer Twitter-Botschaft den Abschied von der Hälfte der Crew.

Hadfield hatte in der Nacht zu Donnerstag Kevin Ford als Kommandeur der ISS abgelöst. Er ist der erste Kanadier, der diesen Posten auf der ISS innehat. Er erhielt zu diesem Anlass sogar eine Botschaft der Queen, die ihm ihre besten Wünsche ausrichtete. Hadfield ist - wie manch anderer Raumfahrer auch - ein begeisterter Fotograf. Auf seinem Twitter-Account @Cmdr_Hadfield veröffentlicht er häufig Schnappschüsse aus dem Erdorbit, berichtet von seiner Arbeit im All - und plaudert bisweilen sogar mit Raumfahrtveteranen und "Star Trek"-Schauspielern.

Zusammen mit dem Russen Roman Romanenko und dem US-Astronauten Thomas Marshburn soll Hadfield bis Mai an Bord bleiben. Ende März wird es wieder enger auf der ISS: Dann sollen die Kosmonauten Pawel Winogradow und Alexander Misurkin zusammen mit ihrem Nasa-Kollegen Christopher Cassidy ins All starten. Seit 2009 ist die ISS fast durchgehend von sechs Raumfahrern besetzt, die dort Experimente vornehmen. Zuvor war die Raumstation nur für drei Besatzungsmitglieder ausgelegt gewesen.

abl/Reuters/dpa

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