Internationale Raumstation Als in der Weltraum-WG zum ersten Mal das Licht anging

Vor 20 Jahren betraten ein Russe und ein Amerikaner zwei Module im All. Damals mussten sie das Licht noch per Hand anschalten. Es war der Beginn einer wundersamen Weltraum-WG - der Internationalen Raumstation ISS.

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Es war ein kleiner Schritt für die beiden Raumfahrer, aber ein großer für die internationale Kooperation im All.

Denn vor 20 Jahren betraten der Kosmonaut Sergej Krikaljow und sein amerikanischer Kollege Robert Cabana erstmals die Bauteile, die heute das Kernstück der Internationalen Raumstation ISS bilden. Mit dem heutigen Weltraumprojekt hat der kleine Rumpf von damals aber nur wenig zu tun - aus zwei Teilen ist inzwischen eine Station so groß wie ein Fußballfeld geworden.

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Heute ist die ISS eine hochkomplexe und gut ausgerüstete Weltraum-WG, in der zurzeit der deutsche Astronaut Alexander Gerst das Kommando hat und mit fünf Kollegen lebt. Am 10. Dezember 1998 war das noch ganz anders. Krikaljow und Cabana schwebten Hand in Hand als erste Menschen mit Taschenlampen durch die Luken der ISS. "Das war ein historischer Moment", sagte der Ex-Kosmonaut Krikaljow einmal in einem Interview. Erst wenige Wochen zuvor war das erste Modul in den Orbit geschossen worden.

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Der symbolische Akt des russischen und des amerikanischen Raumfahrers am Außenposten der Menschheit bedeutete den Startschuss für ein einzigartiges Projekt, schreiben Moskauer Weltraumexperten. Die Zusammenarbeit auf der ISS wurden zuletzt zwar von dramatischen Schlagzeilen überschattet: Erst ein Leck im angedockten russischen Raumschiff "Sojus" MS-09, dann ein Fehlstart. Der erste Besuch auf der ISS war jedoch "ein guter Start einer Arbeit, die wir bis heute fortsetzen", resümierte Krikaljow.

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1998 gehörte der Russe zu der sechsköpfigen Space-Shuttle-Besatzung, die die ersten Module im All in wenigen Tagen zusammenbaute: das russische Sarja-Modul und das Nasa-Modul Unity. Erst zwei Jahre später wurde dann eine Langzeit-Besatzung zur ISS geschickt. Auch damals war Krikaljow dabei. Seitdem ist die Weltraumstation etwa 400 Kilometer über der Erde rund um die Uhr besetzt.

Heute ist der 60-Jährige Leiter der russischen bemannten Raumfahrt und hat bereits das Ende der Einsätze auf der ISS im Blick. Bis 2024 stehen die Pläne der Amerikaner und Russen für das milliardenschwere Projekt. "Wir verhandeln aber bereits über eine Verlängerung der Einsatzdauer bis 2028", sagte der Ex-Kosmonaut der russischen Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta".

Ob der politische Streit zwischen Moskau und Washington der erfolgreichen Kooperation früher ein Ende setzt, ist offen. Auch über eine Privatisierung der Station war spekuliert worden. Derzeit kostet die ISS alleine die USA jährlich zwischen drei und vier Milliarden Dollar. Sollte das Ende der ISS kommen, soll die aus mehr als einem Dutzend Modulen bestehende Station stufenweise zurück zur Erde gebracht werden. Die Teile würden dann kontrolliert in den Pazifik stürzen.

Oft denkt Krikaljow an die ersten Stunden der ISS zurück. "Es gab so viel Platz. Wir hatten ja noch nicht mal einen Tisch oder irgendeine Ausrüstung." Beim ersten Durchgang mussten die beiden Raumfahrer zunächst das Licht anschalten, um dann mit Schraubenschlüssel zu hantieren und Halterungen anzubringen. Es habe nach Plastik und Metall gerochen. "Es war eine leere, jungfräuliche Station. Wir hatten ja gerade erst begonnen, dort zu arbeiten", erinnert er sich.

Von dieser Unberührtheit ist 20 Jahre später nichts mehr zu spüren. Bislang haben rund 230 Menschen aus mehr als 18 Ländern auf der ISS gelebt. Ausgestattet ist sie inzwischen mit einem Trainingsraum und sechs Schlafräumen.

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ISS: 20 Jahre Leben in der Weltraum-WG

Auch Weltraum-Touristen können sich auf den Weg zur ISS machen - die Reisekosten inklusive Verpflegung belaufen sich auf etwa 17,5 Millionen Euro. Einmal war die ISS sogar überbelegt: 2009 hielten sich kurzzeitig 13 Menschen auf der Raumstation auf - es gab also nicht einmal genügend Betten, einige Astronauten schliefen in der angedockten Raumfähre.

Auch 20 Jahre nach dem Start werden auf der ISS zahlreiche Experimente durchgeführt und sogar Blumen angepflanzt. Ein Projekt ist auch für die Mannschaft um Gerst ein Glücksfall: der Salat-Anbau.

Inzwischen sind Live-Schaltungen und tägliche Bilder von der Station normal, sie haben für zahlreiche besondere Momente gesorgt. Etwa im Mai 2013, als der ISS-Kommandant Chris Hadfield mit seiner Gitarre einen Weltraum-Hit singt: "Space Oddity" von David Bowie.

Gerade erst erreichte das Weihnachtsessen die ISS. Der private Raumfrachter "Dragon" brachte am Samstag kandierte Süßkartoffeln, Bohnenauflauf und sogar ein paar Plätzchen, sagte eine Nasa-Sprecherin. Alexander Gerst wird nach derzeitiger Planung Weihnachten bereits auf der Erde verbringen. Er soll am 20. Dezember zurückfliegen.

dpa/joe

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