Meteoriten-Analyse Forscher vermuten Wasser unter Marsoberfläche

Die Analyse von Marsgestein zeigt, dass einst Wasser auf dem Nachbarplaneten geschwappt sein muss. Große Ozeane hat es wohl nie gegeben. Im Boden scheinen aber größere Mengen Wasser erhalten zu sein.

Roter Planet (September 2014): "Karbonat stammt nicht von lebenden Wesen"
AFP/ ISRO

Roter Planet (September 2014): "Karbonat stammt nicht von lebenden Wesen"


San Diego/Washington - Auf dem jungen Mars gab es einer neuen Untersuchung zufolge zwar vermutlich Wasser, aber wahrscheinlich keine großen Ozeane. Das schließen Forscher um Robina Shaheen von der University of California in San Diego aus der Untersuchung des ältesten bekannten Marsmeteoriten, wie sie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten.

Eine andere Untersuchung weiterer Meteoriten legt unterdessen die Existenz eines globalen Wasservorrats im Marsboden nahe, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa berichtet.

Es gibt inzwischen zahlreiche Indizien dafür, dass auf dem Nachbarplaneten der Erde einst ein wärmeres und feuchteres Klima geherrscht haben könnte als heute. Doch wie viel Wasser früher auf dem Mars floss, und wann, warum und vor allem wohin es verschwand, ist ungeklärt.

Einen Blick in die Klimageschichte des Roten Planeten bieten Marsmeteoriten, die auf die Erde gestürzt sind. In ihnen ist die chemische Zusammensetzung von Marsboden und Marsluft eingefroren – zum Teil aus der Zeit vor Milliarden von Jahren.

Die Gruppe um Shaheen analysierte sogenannte Karbonate im Marsmeteoriten ALH84001, der vor etwa vier Milliarden Jahren auf dem Roten Planeten entstand. Die Karbonat-Ablagerungen in diesem Meteoriten hatten einst als mögliche Spuren lebender Organismen Schlagzeilen gemacht, diese Hypothese gilt inzwischen aber als verworfen.

“Das Karbonat, das wir sehen, stammt nicht von lebenden Wesen”, betont Shaheen in einer Mitteilung ihrer Hochschule. “Es besitzt anomale Sauerstoffisotope, was uns sagt, dass dieses Karbonat abiotisch ist.” Isotope sind unterschiedlich schwere Varianten desselben chemischen Elements.

Wasser im Boden versickert?

Karbonate können von Mikroorganismen abgelagert werden, sie entstehen aber auch durch Wechselwirkungen von Kohlendioxid (CO2) mit Wasser (H2O). Dabei wird der Isotopenmix zur Entstehungszeit der Karbonate in den Verbindungen eingefroren. Eine Analyse der Sauerstoff- und Kohlenstoffisotope in den ALH84001-Karbonaten zeigt einen ungewöhnlich hohen Anteil des Sauerstoffisotops O-18 und einen überraschend niedrigen Anteil des Kohlenstoffisotops C-13 im Vergleich zur heutigen Marsatmosphäre.

Je deutlicher das ungewöhnliche Sauerstoffsignal sei, desto weniger Wasser habe es auf dem Mars zur Entstehungszeit des Meteoriten gegeben, berichten die Forscher. Ihre Messwerte legen demnach nahe, dass es zwar kleinere Meere auf dem Mars gegeben haben könnte, aber keine großen Ozeane.

“Wir haben nun einen viel tieferen und konkreteren Einblick in das früheste Sauerstoff-Wasser-System des Sonnensystems”, betont Ko-Autor Mark Thiemens. “Es bleibt jedoch die Frage, wann die Planeten, Erde und Mars, ihr Wasser bekamen, und wohin es im Fall des Mars' verschwunden ist.”

Mit letzterer Frage beschäftigt sich eine weitere Analyse von Marsmeteoriten, die im Fachblatt “Earth and Planetary Science Letters” erschienen ist. Forscher um Tomohiro Usui vom Tokyo Institute of Technology in Japan hatten dafür das Verhältnis von normalem zu schwerem Wasserstoff in drei verschiedenen Marsmeteoriten untersucht. Der Anteil des schweren Wasserstoffisotops Deuterium weicht demnach messbar von jenem in der Marsatmosphäre und von dem im Marsmantel ab.

Die Daten wiesen auf die Existenz eines – neben Mantel und Atmosphäre – dritten Wasserreservoirs dicht unter der Oberfläche des Roten Planeten hin, argumentiert Usui in einer Nasa-Mitteilung. “Bis zu dieser Studie gab es keinen direkten Beleg für dieses Oberflächenreservoir oder seine Wechselwirkung mit Gestein, das auf der Erde gelandet ist”, betont Usui.

Die neuen Indizien könnten helfen, die Frage nach dem rätselhaften Verschwinden des Marswassers zu beantworten, betont die Nasa. Ein Teil davon könnte also im Boden des Roten Planeten erhalten sein.

hda/dpa

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
MiniDragon 23.12.2014
1. Carbonat
Welche anderen Kohlenstoffverbindungen hat man schon auf dem Mars nachgewiesen ? Da es dort auch Vulkane zu sehen gibt, gibt es vielleicht auch Diamanten zu finden.
minsch 23.12.2014
2.
Ein bisschen kommt mir das Ganze langsam vor wie Kaffeesatzleserei. Wenn man wirklich wissen will, ob es auf dem Mars unterhalb der Bodenoberfläche Wasser gibt, dann wird mal wohl ein Bohrausrüstung hinfliegen müssen und ihn anbohren, denn selbst, wenn man feststellen würde, dass es dort einmal sehr viel Wasser gab, bleibt immer noch die Frage offen, wo es heute ist: In den Weltraum verdunstet oder versickert oder beides sind die drei Möglichkeiten.
HeisseLuft 23.12.2014
3. Permafrost
halt, ein paar Kilometer dick. Vermutlich so dick, wie die Valles Marineris tief sind. Die sehen nach geschmolzenem Permafrost aus, entlang von tektonischen Störzonen.
Markus Landgraf 23.12.2014
4. Ad Martem
Zitat von minschEin bisschen kommt mir das Ganze langsam vor wie Kaffeesatzleserei. Wenn man wirklich wissen will, ob es auf dem Mars unterhalb der Bodenoberfläche Wasser gibt, dann wird mal wohl ein Bohrausrüstung hinfliegen müssen und ihn anbohren, denn selbst, wenn man feststellen würde, dass es dort einmal sehr viel Wasser gab, bleibt immer noch die Frage offen, wo es heute ist: In den Weltraum verdunstet oder versickert oder beides sind die drei Möglichkeiten.
Da haben Sie schon recht, das sind alles hoch parametrisierte Modelle, die nur schwach von Daten eingegrenzt werden. Am Ende wird man hinfliegen müssen, um (im Rahmen des naturwissenschaftlich möglichen) Gewissheit zu haben. Es ist wohl so, wie der Chefwissenschaftler der Opportunity und Spirit Missionen einmal sagte, das, was wir mit Opportunity in Spirit in einigen Jahren herausgefunden haben ist zwar beeindruckend, aber eine Astronaut hätte diese Ergebnisse an zwei Tagen erzielen können. Ad Martem!
klugscheißer2011 23.12.2014
5. Glosse?
>> Die Analyse von Marsgestein zeigt, dass einst Wasser auf dem Nachbarplaneten g e s c h w a p p t sein muss.
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