Umschwärmter Planet Zwölf neue Jupitermonde entdeckt

Um den Jupiter kreisen ein Dutzend mehr Monde, als bisher gedacht. Astronomen haben sie aus Versehen aufgespürt. Unter den Funden ist auch ein Sonderling.

Jupiter
NASA

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Eigentlich war der Jupiter nur zufällig im Bild, als US-Astronomen den Sternenhimmel absuchten. Doch dann fielen ihnen gleich mehrere Objekte auf, die offenbar um den Gasriesen kreisen. Am Ende entdeckten die Forscher gleich zwölf bisher unbekannte Monde auf einmal.

Insgesamt hat der Jupiter nun offiziell 79 Monde, berichten die Astronomen der Carnegie Institution for Science. Damit ist er nicht nur der größte Planet in unserem Sonnensystem, sondern auch der mit den meisten Trabanten.

"Wir mussten die Monde mehrmals beobachten, um sicherzugehen, dass sie wirklich um den Jupiter kreisen", sagt Gareth Williams vom Minor Planet Center (MPC), wo alle kleinen Körper in unserem Sonnensystem dokumentiert werden. Sie zu beobachten war nicht leicht, denn sie messen nur einen bis drei Kilometer im Durchmesser.

Darstellung der entdeckten Monde
Roberto Molar-Candanosa / Carnegie Institution for Science

Darstellung der entdeckten Monde

Elf der Monde verhalten sich relativ normal, einer schlägt jedoch aus der Reihe. Die Forscher bezeichnen ihn als "Sonderling".

Zwei der neu entdeckten Monde gehören zu einer inneren Gruppe von Monden, die in dieselbe Richtung kreisen wie der Jupiter selbst. Weil sie alle etwa dieselbe Entfernung zu dem Gasriesen haben, sind sie wahrscheinlich die Überreste eines viel größeren Mondes. Eine Kollision mit einem Asteroiden, einem Kometen oder einem anderen Mond hatte diesen wahrscheinlich in mehrere Teile gesprengt.

Weitere neun Monde umkreisen den Jupiter in entgegengesetzter Richtung in größerer Entfernung. Auch sie bildeten wahrscheinlich einst größere Monde oder wurden durch die Gravitation des Jupiters eingefangen.

Der Geisterfahrer

Zwischen diesen beiden Gruppen zieht der zwölfte, neu entdeckte Mond seine Bahn. "Er hat nicht nur einen völlig anderen Orbit als alle anderen bekannten Jupitermonde, sondern ist auch der kleinste", sagt Astronom Scott Sheppard. Der Sonderling unter den Monden misst gerade mal einen Kilometer im Durchmesser. Er dreht sich wie die inneren Monde in dieselbe Richtung wie der Jupiter, aber kreuzt die Bahn der äußeren Trabanten, die genau in entgegengesetzte Richtung rasen.

Er ist quasi der Geisterfahrer unter den neu entdeckten Monden. Und genau das könnte ihm zum Verhängnis werden, glauben die Forscher, denn Kollisionen sind vorprogrammiert. "Bei einem Frontalzusammenstoß würde er zu Staub zermahlen", sagt Sheppard.

Eigentlich suchten die Forscher mit einem Teleskop in Chile nach dem mysteriösen "Planet Neun", als sie im Frühjahr 2017 die Monde entdeckten. Astronomen weltweit vermuten, dass es weit draußen am Rande unseres Sonnensystems einen bislang unbekannten Planeten geben könnte - mehr als zehnmal so massereich wie die Erde.

Direkt beobachtet wurde "Planet Neun" allerdings bislang nicht - die Forscher schließen aus den Bahndaten anderer Objekte auf seine Existenz. "Jupiter war zufällig nahe der Gegend am Himmel, in der wir gesucht haben", sagt Sheppard.

Auch andere Wissenschaftler freuen sich über die neuen Monde. "Ich finde es bemerkenswert, dass immer wieder neue Brocken gefunden werden", sagt Physiker Axel Quetz vom Max-Planck-Institut für Astronomie, der nicht an den Untersuchungen beteiligt war, dem SPIEGEL. Gleich weitere zwölf neue Monde auf einen Streich zu entdecken, sei durchaus eine beachtliche Leistung.

"Jedes Staubkorn ein Mond"

"Allerdings gilt bisher jedes Staubkorn als Mond, solange es um einen Planeten kreist", sagt Quetz. Deshalb könnte man durchaus überlegen, eine Mindestgröße für Monde festzulegen. Wissenschaftlich betrachtet, sei die Entdeckung keine Sensation. Allerdings sei es gut, möglichst genau über den Jupiter und die anderen großen Planeten im Sonnensystem, Saturn, Uranus und Neptun, Bescheid zu wissen.

Denn ohne den Gasriesen in der Nachbarschaft gäbe es vielleicht kein Leben auf der Erde. Jupiter wirkt mit seiner großen Masse wie ein Schutzschild und fängt viele Kometen ab, bevor sie der Erde gefährlich nahekommen. 1993 entdeckten Astronomen beispielsweise den Kometen Shoemaker-Levy 9, der in die Umlaufbahn des Gasriesen geraten war und diesen wohl schon seit einigen Jahrzehnten umkreist hatte.

Bei seiner letzten dichten Jupiterpassage war er in rund zwei Dutzend Trümmerstücke zerrissen worden, die im Jahr 1994 schließlich auf Jupiter einschlugen. Dabei wurde die Energie von 100 Millionen Hiroshima-Bomben freigesetzt.

koe



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