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Jupitermond Europa: "Susi" soll außerirdisches Leben suchen

Von Guido Meyer, Miami

Unter dem Eispanzer des Jupitermondes Europa vermuten Forscher einen riesigen Ozean, in dem sich außerirdisches Leben entwickelt haben könnte. Jetzt wollen sie Sonden losschicken - in die Tiefen der fernen Eiswüste.

Es ist kalt in Köln in diesen Tagen. Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist "Susi" zu Gast, eine etwas unterkühlte Lady, die erst tief gefroren zu ihrer Höchstform auffährt. Sie hängt im Keller des Instituts für Raumsimulation, im sogenannten Kältelabor. "Das ist eine Art großer Kühlschrank, so groß wie ein kleines Zimmer, in dem wir Temperaturen von bis zu minus 50 Grad Celsius einstellen können", erklärt Jens Biele aus dem Nutzerzentrum für Weltraumexperimente des DLR. In der Mitte dieses begehbaren Kühlschranks hängt sie - etwa einen halben Meter lang, anthrazitfarben und für eine Raumfahrerin ziemlich unspektakulär: "Susi", die Sonde Under Shelf Ice.

Ihr Name beschreibt ihre Aufgabe: Die Einschmelzsonde soll unter Packeis nach flüssigem Wasser und in diesem nach Leben suchen. Und zwar auf Jupiters Mond Europa - einer fremden Welt aus Eis. "Die Sonde besteht im Wesentlichen aus einem Aluminiumrohr, in dem später dann einmal wissenschaftliche Sensoren untergebracht sein werden", erläutert Stephan Ulamec vom Institut für Raumsimulation beim DLR. "Und das eigentliche Element, das wir hier in dieser Kältekammer testen, ist die halbkugelförmige Spitze der Sonde. In ihr befinden sich Heizelemente, mit deren Hilfe sie das Eis auftauen und einen Kanal in den Jupiter-Mond Europa einschmelzen kann."

Jupiters Anziehungskraft hält das Eis in Bewegung

Europa ist der innerste der Eismonde des Gasplaneten Jupiter und je nach Sonnenumlauf zwischen einer halben und einer Milliarde Kilometer von der Erde entfernt. Das ist etwa doppelt so weit weg wie unser Nachbarplanet Mars. Astronomen vermuten unter seinem globalen Eispanzer Europas einen Ozean aus flüssigem Wasser. "Dies wäre eine mögliche Nische im Sonnensystem, wo sich organische Chemie entwickeln kann und sich vielleicht sogar Leben gebildet hat", hofft Ulamec.

Kosmologen glauben, dass alle drei Eismonde Jupiters - Callisto, Ganymed und Europa - einen Kern aus Metall haben, der von einem Gesteinsmantel umschlossen wird. Darüber vermuten sie Ozeane, die von einer dicken Eiskruste bedeckt sind. Das Eis wird durch die Anziehungskräfte von Jupiter aufgerieben, schmilzt und friert sogleich wieder zu. Diese Energiezufuhr von außen, diese Art von Gezeitenreibung und damit Wärme, könnte Leben ermöglichen. Mit der Sonde wollen es die Forscher aufspüren.

Die Sonde rutscht dabei nach unten, und der Kanal über ihr friert sogleich wieder zu. "'Susi' bewegt sich quasi in einer mitwandernden Höhle durch das Eis hindurch", veranschaulicht Ulamec das senkrechte Abgleiten der Sonde. Da ihr der Rückweg verschlossen ist - sie kann sich nicht wieder zurück nach oben durchschmelzen - müssen alle Messungen direkt vor Ort vorgenommen und die Ergebnisse durch kilometerdickes Eis zur Oberfläche oder zu einer Sonde in der Umlaufbahn übertragen werden.

"Susi" soll sich langsam durch den Eispanzer schmelzen

Der Eispanzer des Jupiter-Mondes Europas wird auf bis zu 50 Kilometer Dicke geschätzt. "Susi" schmilzt sich in einem Tempo von ein paar Metern pro Stunde durch die harte, gefrorene Kruste. Bei diesem Tempo dürfte es etwa einen Monat dauern, bis sie den vermuteten subglazialen Ozean, das Meer unter dem Eis, erreicht hat. Solche eisigen Seen gibt es auch in der Antarktis. Dort hat sich Leben entwickeln und behaupten können, so dass die Chancen für Leben auf Europa nicht schlecht stehen.

Die europäische Weltraumorganisation Esa bereitet derzeit gemeinsam mit der amerikanischen Nasa eine neue Mission ins Jupiter-System vor. Sie soll sowohl den Gasriesen selbst als auch seine größten Monde genauer unter die Lupe nehmen. "Laplace" hat die Esa ihr Projekt getauft, das sie im Rahmen ihres Cosmic-Visions-Programms verwirklichen will, vorzugsweise gemeinsam mit der Nasa. Die Amerikaner planen den "Jupiter System Observer" und den "Europa Explorer".

Letzterer soll aus einer Umlaufbahn heraus mit Hilfe eines Radars, das unter die Oberfläche reicht, mögliche Ozeane unter der Eisschicht des Mondes nachweisen. Tests für eine Abstiegssonde, ein amerikanisches Gegenstück zu "Susi", laufen schon: Seit Dienstag testet die amerikanische Raumfahrtbehörde im Lake Mendota im US-Bundesstaat Michigan den Roboter "Non-Disturbing Under-ice Robotic Antarctic Explorer", der unter dem Eis im flüssigen Teil des Sees autonom manövrieren und Messungen anstellen soll.

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Jupiter-System: Der Eiswüsten-Mond Europa

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