Jupitermonde: Atom-Raumschiff soll Leben finden

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Die Nasa will mit einem riesigen unbemannten Raumschiff die eisbedeckten Jupitermonde Europa, Callisto und Ganymed nach Leben absuchen. Der "Jupiter Icy Moons Orbiter" soll zugleich die erste Raumsonde mit einem Atomreaktor sein.



"Jupiter Icy Moons Orbiter": Raumschiff-Koloss soll Monde nach Leben absuchen
NASA/ JPL

"Jupiter Icy Moons Orbiter": Raumschiff-Koloss soll Monde nach Leben absuchen

Neben "Jimo" wirken alle bisherigen Raumschiffe zwergenhaft: Der Koloss soll 20 bis 30 Meter lang werden, sein Atomreaktor soll über hundert Mal mehr Energie produzieren als vergleichbar schwere Systeme aller bisherigen Sonden. Die Nasa ist überzeugt davon, dass der Gigantismus gerechtfertigt ist: Es geht um nichts weniger als die Chance zur Entdeckung außerirdischen Lebens in unserem eigenen Sonnensystem.

Die Nasa-Sonde "Galileo", die im September bei einem kontrolliertem Absturz in der Jupiter-Atmosphäre verglühte, hatte unter den dicken Eispanzern der Jupitermonde Callisto, Europa und Ganymed Hinweise auf flüssige Wasserozeane entdeckt - "eine der größten wissenschaftlichen Entdeckungen des Weltraum-Zeitalters", wie die Nasa jubelte.

Start spätestens im Jahr 2011

"Jimo", der nach aktuellen Angaben der US-Raumfahrtbehörde spätestens im Jahr 2011 auf die Reise geschickt wird, soll mehrere Jahre lang auf allen drei Monden nach Leben suchen. "Wir wissen nicht, ob es dort Leben gibt", sagte Christopher McKay vom Ames Research Center der Nasa beim Herbsttreffen der American Geophysical Union. "Aber diese Mission wird uns einige wertvolle Werkzeuge geben, um diese Frage zu beantworten."

Systeme von "Jimo": Kraft durch Kernspaltung
NASA/ JPL

Systeme von "Jimo": Kraft durch Kernspaltung

Die Nasa verfolgt mit der "Jimo"-Mission drei Ziele:
  • Die Suche nach Voraussetzungen für Leben: Die wichtigste Aufgabe der Raumsonde ist das Auffinden von Wasservorkommen unter den Eispanzern der Monde und organischen Verbindungen auf ihren Oberflächen.
  • Die Erforschung von Ursprung und Entstehung: "Jimo" soll Erkenntnisse über die inneren Strukturen der Monde sowie über Form und Zusammensetzung ihrer Oberflächen sammeln und mögliche Parallelen zur Entwicklung der Erde aufzeigen.
  • Die Untersuchung des Strahlungsniveaus: Europa, Callisto und Ganymed sind in ihren Umlaufbahnen starken Gravitationskräften, hohen Strahlungsmengen und Teilchenbeschuss ausgesetzt. Die Erforschung dieser Umweltbedingungen soll Rückschlüsse auf die Entstehung von Leben liefern.

Suche nach Landeplatz für spätere Mission

Die Nasa nannte überraschend als eine der obersten Prioritäten auch die Suche nach einem geeigneten Landeplatz für eine Erforschung vor Ort - für eine spätere Landefähren-Mission nach Vorbild der Mars-Raumsonden.

Zeichnung von "Jimo" auf dem Weg zum Jupiter-System: Hoffnung auf außerirdisches Leben
NASA/ JPL

Zeichnung von "Jimo" auf dem Weg zum Jupiter-System: Hoffnung auf außerirdisches Leben

Nach einer internationalen Ausschreibung soll die Entscheidung über die wissenschaftlichen Instrumente von "Jimo" fallen. Zwei stehen der Nasa zufolge bereits jetzt fest: Ein kraftvolles Radargerät soll die Stärke der Eispanzer auf den Monden bestimmen und mögliche Ozeane darunter aufspüren, ein Laser-Scanner die Mondoberflächen topographisch erkunden. Auch eine Kamera für den optischen und den Infrarot-Bereich, ein Magnetometer und Instrumente zur Untersuchung von geladenen Partikeln und Staub im Umfeld der Monde sollen wahrscheinlich mit an Bord.

Eine technische Herausforderung sind die Sprünge von Callisto zu Ganymed und schließlich zu Europa. Die Manöver verschlingen nach Angaben der Nasa ungeheure Mengen an Energie und sind deshalb nur durch die Kombination eines Kernreaktors mit einem Ionentriebwerk möglich. Zudem ermögliche das Kraftwerk den Einsatz von Instrumenten, die wegen ihres großen Energiebedarfs bisher nicht auf Raumsonden eingesetzt werden konnten.

Hitzige Debatte um radioaktives Material

Der Uran-Reaktor entwickelt eine derartige Hitze, dass "Jimo" äußerlich an einen Raumkreuzer aus einem Science-Fiction-Film erinnert: Zwischen dem Hauptteil der Sonde und dem Kraftwerk erstreckt sich ein langer Mast mit einer Reihe von Flossen. Bei ihnen handelt es sich um Radiatoren, die die enorme Hitze des Fissionsreaktors ableiten. Die große Distanz zum Reaktor soll die Messgeräte zugleich vor der radioaktiven Strahlung schützen.

"Galileo"-Bild von Europa: Verdacht auf flüssiges Wasser unter dem Eispanzer
NASA/ JPL/ UA/ UC

"Galileo"-Bild von Europa: Verdacht auf flüssiges Wasser unter dem Eispanzer

Der Einsatz von Kernkraft an Bord einer Raumsonde ist allerdings nicht nur mit technischen Schwierigkeiten verbunden. Den Nasa-Ingenieuren dürften noch die Vorgänge um die Saturn-Sonde "Cassini" in lebhafter Erinnerung sein, die eine kleine Menge Plutonium als Brennstoff für drei radiothermische Generatoren an Bord hat.

Als die Sonde 1999 in 500 Kilometern Entfernung an der Erde vorbei flog, um für ihre Reise zum Saturn Schwung zu holen, flammte eine hitzige öffentliche Debatte um einen möglichen Absturz von "Cassini" und die Gefahr radioaktiver Verseuchung auf. Die Nasa betont zwar, dass der Reaktor von "Jimo" beim Start im "kalten" Zustand wäre und erst im All hochgefahren würde. Insbesondere nach der "Columbia"-Katastrophe vom Februar aber dürfte die Existenz eines Atomreaktors ein Bord eines Raumschiffs für eine Neuauflage der Diskussionen sorgen.

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