Satellitenbild der Woche Das Diamantenloch von Jwaneng

Ein Raumfahrer macht aus dem All das faszinierende Foto eines Hunderte Meter tiefen Bergwerkes in Afrika. Und dem Autor fällt sofort eine Gangsterkomödie ein. Wie kann das sein?


Viele können das nicht nachvollziehen und es ist wahrscheinlich so ein Generationending. Aber die Gangsterkomödie "Snatch" - in der Guy-Ritchie-Version von 2000, nicht die eigenartigen Serie aus diesem Jahr - zählt zu den besten Filmen überhaupt. Findet jedenfalls der Autor dieses Textes. Die Geschichte des kleinkriminellen Boxpromoters Turkish und seiner nichtsnutzigen Freunde beeindruckt ja weiß Gott nicht durch irgendeine Art von Tiefgang. Aber ungefähr jeder in diesem Figurenensemble hat eine unfassbar große Klappe. In der Summe sorgt das für ein Feuerwerk an denkwürdigen Zitaten.

"Man sollte niemals unterschätzen, wie berechenbar Beschränktheit ist", rotzt etwa Bullet Tooth Tony seine Gegenüber an. Es waren halt die Zeiten, in denen Cool Britannia wirklich noch cool war.

"Was ich über Diamanten weiß?", fragt Turkish in der Eingangsszene des Films. Und gibt sich selbst die Antwort: "Kommen die nicht aus Antwerpen? Und irgendwie hat er da recht, schließlich ist die belgische Stadt ein weltweites Zentrum für Handel und Verarbeitung. Aber irgendwie hat er auch nicht recht, denn irgendwie müssen die Diamanten ja erst einmal nach Antwerpen kommen.

Womit wir - endlich! - beim oben gezeigten Bild wären. Es stammt vom russischen Kosmonauten Sergej Rjazanskij. Der tut gerade auf der Internationalen Raumstation Dienst - und in seiner Freizeit hat er dieses Foto gemacht, das zeigt, wo die edlen Steine tatsächlich herkommen.

Zu sehen ist die Diamantenmine Jwaneng im Southern District von Botswana. Im Jahr 1982 eröffnet, gilt der riesige Tagebau als reichste Diamantenmine der Erde. Pro Jahr fördert der Konzern Debswana - ein Gemeinschaftsunternehmen des Diamantenproduzenten De Beers und dem Staat - dort so um die 12 bis 15 Millionen Karat der wertvollen Steine, also 2400 bis 3000 Kilogramm.

An der Oberfläche ist die Mine rund zwei Kilometer im Durchmesser groß. Auf dem Bild ist gut zu erkennen, wie tief sich der Tagebau schon in den Boden gefressen hat. Die Arbeiter folgen drei Kimberlit-Schloten. In dem Vulkangestein sind die Edelsteine eingeschlossen. Bis zu 675 Meter tief soll das Loch werden, das Rjazanskij fotografiert hat.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

In "Snatch" geht es übrigens um einen 86-karätigen Diamanten und sein Schicksal. Unter anderem wird der mal von einem Hund gefressen. ("Sehen sie im Hund nach!" - "Wie soll ich denn in dem Hund nachsehen?" - "Ganz einfach machen sie ihn auf." - "Das ist doch keine verfickte Konservendose! Wie soll ich denn den Hund aufmachen?")

Und auch einen Russen gibt es im Film, Boris alias "Die Klinge". "Schwer ist gut! Schwer ist zuverlässig!", lautet eines seiner besten Zitate. Er redet nicht von Diamanten, sondern von Waffen. Aber das würde dann wirklich zu weit führen…...



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