Kalifornien Forscher starten neue Großfahndung nach Aliens

Seit mehr als 40 Jahren suchen Forscher systematisch nach Funksignalen von Außerirdischen - bisher erfolglos. Jetzt hat eine neue Großfahndung begonnen: 42 Radioteleskope lauschen nach intelligentem Leben im All - mit den Dollar-Millionen von Microsoft-Mitbegründer Paul Allen.


Hat Creek - 6EQUJ5. Das ist alles, was das die systematische Suche nach intelligenten Außerirdischen bisher an greifbaren Ergebnissen gebracht hat. Am 5. August 1977 spuckte ein Computer am "Big Ear"-Radioteleskop der Ohio State University die Zeichenkolonne aus. Der Astrophysiker Jerry Ehman erkannte darin ein enorm starkes, schmalbandiges Radiosignal - und kritzelte ein "Wow!" an den Rand des Computerausdrucks.

Das "Wow-Signal" kann bis heute nicht mit natürlichen Ursachen erklärt werden. Allerdings tauchte es auch nur einmal auf und wurde trotz intensiver Suche nicht wiederentdeckt. So blieb es das bisher einzige Signal, das im Rahmen der unter dem Oberbegriff Seti (Search for extraterrestrial Intelligence) zusammengefassten Projekte auf schlaue Aliens hinweisen könnte, wenn auch nur mit einer geringen Wahrscheinlichkeit.

In den vergangenen Jahren ist es still geworden um die Alien-Suche und das 1984 gegründete private Seti Institute in Kalifornien. Jetzt aber hat eine neue Großfahndung nach den fremden Intelligenzen begonnen. Im Norden Kaliforniens begannen am gestrigen Donnerstag 42 Radioteleskope des Allen Telescope Arrays (ATA) mit der Sammlung wissenschaftlicher Daten aus den hintersten Winkeln des Universums. Benannt ist das Teleskopnetz nach Paul Allen, dem Mitbegründer des Microsoft-Konzerns. Der Milliardär hat etwa die Hälfte des 50 Millionen Dollar teuren Projekts finanziert.

42 Schüsseln lauschen nach Funksignalen

"Dieses Projekt verkörpert einen potentiellen Durchbruch im Bau großer Ansammlungen von Radioteleskopen, die extrem kosteneffizient sind", sagte Allen. Das ATA ist nach Angaben der Forscher die erste Anlage, die speziell für die Suche nach außerirdischem Leben gebaut wurde. Die einzelnen Schüsseln haben einen Durchmesser von sechs Metern und entsprechen damit einer einzelnen Kollektorfläche von 40 Metern.

Das Layout der 42 Schüsseln wurde am Computer entworfen und soll darauf optimiert sein, qualitativ hochwertige Radiowellen aufzunehmen. Es kann auch menschliche Störsignale herausfiltern, die bei vielen Radioteleskopen dazu führen, dass Daten unbrauchbar werden. "Für Seti sind die technischen Möglichkeiten des ATA eine exponentielle Zunahme für die Fähigkeit bei der Suche nach außerirdischen Signalen", sagte Seti-Astronom Seth Shostak. "Es könnte zur Entdeckung von intelligenten Wesen im Universum führen."

"Wie 200 Millionen Jodie Fosters"

Shostak verglich das Projekt mit dem Hollywood-Film "Contact" aus dem Jahr 1997. Darin spielt Jodie Foster eine Wissenschaftlerin, die Signale einer fernen Zivilisation zu entziffern versucht. "Das Allen Telescope Array ist ungefähr so, als würden 200 Millionen Jodie Fosters ins All lauschen", sagte Shostak. Allerdings sei die Fahndung nach intelligenten Außerirdischen selbst unter diesen Voraussetzungen vergleichbar mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen, räumte Shostak ein. Es sei zudem völlig unklar, wie viele Nadeln es in dem "riesigen Heuhaufen aus 400 Milliarden Sternen" gebe.

Wie das Seti Institute und die University of California in Berkeley erklärten, ist dies die erste Phase eines groß angelegten Projekts. Schon bald soll ein Netzwerk aus insgesamt 350 Teleskopen nach Signalen im Weltraum lauschen. Es soll in drei Jahren fertig sein und völlig neue Möglichkeiten bieten.

Doch noch sind die Universität und das Seti Institute auf der Suche nach weiteren Sponsoren, um das geplante 350-Schüssel-Teleskop verwirklichen zu können. Damit hoffen die Astronomen, bis 2025 Signale außerirdischer Zivilisationen empfangen zu können. Neben der Suche nach außerirdischem Leben soll mit dem Teleskop auch die Entstehung von Galaxien, Supernovae und Schwarzen Löchern erforscht werden.

lub/AFP



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