Kanada Forscher fahnden nach Meteoritentrümmern

Ein immer größer werdendes Licht, das den Nachthimmel erhellt: Bewohner der kanadischen Prärieprovinzen wurden in dieser Woche Zeugen eines furiosen Meteoritentreffers. Nun suchen Forscher nach den Resten des Einschlagkörpers.


Alan Hildebrand, Planetenforscher an der University of Calgary, ist sich sicher, wo er suchen muss: Trümmer des Meteoriten sollten sich nahe der Kleinstadt Macklin im Grenzgebiet der beiden kanadischen Provinzen Saskatchewan und Alberta finden. Es handelt sich um ein nicht besonders dicht besiedeltes Gebiet, das aber gerade wegen einer florierenden Öl- und Gasindustrie boomt. Rund 300 Hinweise per E-Mail habe er schon erhalten, sagte der Wissenschaftler.

Der Meteorit sei einer der hellsten gewesen, die in Kanada in diesem Jahrzehnt beobachtet worden seien, sagte Hildebrand. Der Himmelskörper war am Donnerstagabend in die Erdatmosphäre eingetreten und hatte den Himmel als gut sichtbarer Feuerball erleuchtet. Augenzeugenvideos finden sich auch im Internet-Videoportal Youtube (siehe Kasten).

Die Aufnahmen scheinen zu zeigen, dass der fallende Meteorit noch in der Luft in zahlreiche Stücke zerbrochen ist. Ursprünglich habe er wohl ein Gewicht zwischen einer und zehn Tonnen gehabt - und eine Größe "irgendwo zwischen einem Stuhl und einem Schreibtisch", wie Forscher Hildebrand es ausdrückte.

Meteoriten erreichen die Erde mit großer Regelmäßigkeit. Allein in der Nähe unseres Planeten sind mittlerweile 5600 Asteroiden bekannt. Beinahe in jeder Nacht entdecken computerunterstützte Suchprogramme einen neuen erdnahen Himmelskörper. In den allermeisten Fällen sind Einschlagkörper auf der Erde so klein, dass sie in der Atmosphäre verglühen. Während die Positionen vieler größerer Asteroiden unter Astronomen bekannt sind, ist es sehr schwer, den Aufschlag kleiner Körper vorherzusagen. Anfang Oktober hatten Astronomen zum ersten Mal den Einschlagsort eines Asteroiden im Sudan richtig voraussagt - allerdings nur mit wenigen Stunden Vorlauf.

Um die Erde in Zukunft vor größeren Treffern zu bewahren, denken Forscher über Abwehrmaßnahmen nach. Spruchreif sind solche Weltraummissionen aber noch nicht.

Doch sicher ist: Der nächste Treffer kommt - irgendwann: "Nach unserer Rechnung ist mit einem solchen Ereignis, das weit mehr als tausend Quadratkilometer verwüsten könnte, statistisch einmal in 300 Jahren zu rechnen", sagte Eberhard Faust von der Münchener Rückversicherung unlängst im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die Wahrscheinlichkeit bezieht sich allerdings auf einen Treffer an irgendeiner beliebigen Stelle der Erde. "Von einem Einschlag in einem Ballungszentrum gehen wir statistisch gesehen nur einmal in 300.000 Jahren aus", sagt Faust.

chs/AP/Reuters



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