12.07.2013 – 18:26 Uhr

Satellitenbild der Woche: Kleinstadt in Flammen

Es ist der Moment des Infernos: Ein explodierender Zug mit Rohöl hat die kanadische Kleinstadt Lac-Mégantic verwüstet. Der Vergleich zweier Satellitenbilder dokumentiert das erschreckende Ausmaß der Flammen.

Hamburg - Der Zug donnerte mit 72 Waggons führerlos von einer Anhöhe ins Tal, mitten in das Zentrum der 6000-Einwohner-Stadt Lac-Mégantic im Osten Kanadas. Er hatte Rohöl geladen - und entgleiste. Mehrere Kesselwagen explodierten.

Ein Satellitenbild der Nasa dokumentiert nun das Inferno: Die Kleinstadt scheint mit dem Feuer auf einmal fast so groß wie die nördlich gelegene Metropole Quebec, so gewaltig wüteten die Flammen. Die Innenstadt von Lac-Mégantic wurde zerstört.

Am Freitag erst konnte das erste Opfer identifiziert werden, eine 93-Jährige. Die Zeitung "The Star" berichtete am Freitag, die Polizei habe die Frau wegen einer Metallplatte in der Hüfte eindeutig erkannt. 23 Leichen waren zunächst noch nicht identifiziert. Weil es keine Hoffnung mehr für die Vermissten gibt, gibt die Polizei 50 Tote an.

Eine Woche nach der schweren Zugexplosion haben 600 Anwohner, die den Unglücksort verlassen mussten, nun die Erlaubnis zur Rückkehr in ihre Häuser erhalten. Nach Angaben der kanadischen Behörden waren damit am Donnerstag noch 200 Menschen gezwungen, ihren Häusern fernzubleiben, weil diese entweder zu nahe an der Unglücksstelle lagen oder zerstört waren.

"Die gesamte Industrie wird sich verändern"

Die Bürgermeisterin von Lac-Mégantic, Colette Roy-Laroche, rief für die betroffene Gemeinde außerdem "bis auf weiteres" den Notstand aus. Am Freitag sollte in einer Kirche in Lac-Mégantic ein Ort des Gedenkens eingerichtet werden. Die Bürgermeisterin sagte, das Gotteshaus bleibe Tag und Nacht geöffnet. "Die Stadt wird alles tun, um für die Bewohner wieder etwas Normalität zu schaffen", sagte Colette Roy-Laroche dem Fernsehsender CBC. "Wobei der Begriff 'Normalität' natürlich relativ ist."

Die Polizei schließt Terrorismus aus, ermittelt aber in einem Kriminalfall. Die Bahngesellschaft hat angedeutet, dass ein Mitarbeiter womöglich die Bremsen nicht angezogen haben könnte, obwohl dies vorgeschrieben sei.

Die kanadische Behörde für Transportsicherheit TSB glaubt an weitreichende Konsequenzen: Der Unfall werde die gesamte Industrie verändern", sagte der Ermittler des Falles von der TSB, Glen Pilon. Bremssysteme, Tanks und Anforderungen an Mitarbeiter würden überprüft - und womöglich umfassend reformiert.

boj/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Anderes Bremssystem
bitboy0 12.07.2013
Soweit ich weiß ist dort ein Druckluftsystem verbaut bei dem ohne Druck auch nicht gebremst werden kann. Reißt also der Druckschlauch dann LÖST sich die Bremse nach einer Weile. Hier ist es so das die Bremsen durch Federkraft betätigt werden und nur mit genug Druck in den Tanks kann die Bremse gelöst werden. Aber ob das ein Grund für den Unfall war weiß ich natürlich nicht.
2. Mumpitz
dannliesdochmalwas 12.07.2013
@bitboy0: Bitte googeln Sie wenigstens das Wort "Druckluftbremse", bevor Sie hier einen Kommentar abgeben. Auch in einem europäischen Zug lösen alle Bremsen, wenn die gesamte Druckluft aus dem System entwichen ist (außer den hoffentlich angezogenen Handbremsen).
3. optional
Boandlgramer 12.07.2013
HIer nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Druckluftbremse_(Eisenbahn) Im Falle des totalen Druckausfalls sollte eigentlich - wenn nicht andere Ereignisse das Bremssystem gestört haben - der Zug komplett selbsttätig bremsen bzw. stehen.
4. optional
dr. kaos 12.07.2013
@dannliewsdochmalwas. Tun Sie das Gleiche. Im letzten Jahr verunglückte ein Autotransportzug in Österreich, weil eben die Luft NICHT aus dem System entweichen konnte! Der druckführende Schlauch wurde durch eine hochstehende Schiene abgerissen und nach hinten hinter die Kupplung geklemmt, dabei abgeknickt (so wie man einen Gartenschlauch knickt, um den Wasserfluß zu stoppen), und der Zug raste bremsenlos ein Gefälle hinunter. Endeffekt: Die Lok und 16 der 20 Waggons entgleisten in einer scharfen Kurve, die für 60 km/h zugelassen war, mit mehr als 110 km/h. Zum Glück gab es nur hohen Sachschaden und einen leicht verletzten Lokführer. Aber so ist das mit der Technik: nicht jeder weiß wie sie funktioniert, aber alle wollen ihren Senf dazu geben. gruß dr kaos
5.
pescador 12.07.2013
Mich wundert, dass der Zug überhaupt so weit rollen konnte. Wenn ich an die Abstellgleise im Bahnhof meiner Heimatstadt denke (zwischen denen wir uns manchmal verbotenerweise aufgehalten haben), dann waren da die Weichen immer so gestellte, dass der Zug nach höchstens 100m gegen einen Prellbock gerollt wäre.
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